Liebe geht durch die Nase

Brücke
Foto: Bek-Baier

So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

                      (1. Mose 8, 18-22)

Der Volksmund weiß: "Liebe geht durch den Magen." Das Bibelwort aus dem 1. Buch Mose setzt noch eins drauf: "Liebe geht durch die Nase." Plausibel wird mir das schon an der Erfahrung, dass ich gelegentlich trotz aller Bemühungen es nicht schaffe, alle Menschen gleich gut riechen zu können.

Die Wissenschaft weiß, dass Tiere sich gegenseitig durch Botenstoffe anlocken. Auch der Mensch ist durch Duftstoffe beeinflussbar.  Dieses Wissen machen sich heutzutage Veranstalter von Pheromon-Partys zunutze. Frauen und Männer stehen in Bars und riechen an ungewaschenen T-Shirts. Sie sind überzeugt, dass der Geruch ihnen den Weg zum Traumpartner weisen wird. 

Seit Noah haben alle Menschen schon längst ihren Traumpartner in Gott gefunden. Ja vielmehr, Gott hat sich finden lassen, weil er das Opfer der Menschen nach der erlittenen Katastrophe gut riechen konnte. Es war ihm ein lieblicher Geruch. Doch nicht etwa deswegen, weil es ihn nun hinfort perfekte Menschen riechen lässt. Die Katastrophe der vernichtenden Sintflut hatte die Menschen nicht grundlegend verändert. Gott erkennt: "... das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf." Das ändert sich auch nach Noah nicht. Dennoch fasst Gott einen Grundsatzentschluss in seinem Herzen. "Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt."

Obwohl Gott um die tiefen menschlichen Abgründe weiß, will er seine Schöpfung nicht mehr der Vernichtung preisgeben. Nicht Zorn und Zerstörung, sondern Liebe und Geduld bestimmen nun sein Handeln. Im zuverlässigen Rhythmus von Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht, schenkt Gott den Menschen die Erfahrung seiner Geduld.

Doch Vorsicht: Gott verpflichtet sich hier nicht auf eine billige Ewigkeitsgarantie. Eine Grenze bleibt. "Solange die Erde steht", und nicht länger. Wir sind leider gut daran beteiligt, diese Länge zu verkürzen. So als sei uns entgangen, dass es nun auch ganz entscheidend darauf ankommt, dass wir unsere Verantwortung zur Gestaltung und Bewahrung unserer Erde erkennen. Da hilft keine "Nach-mir-die-Sintflut-Haltung". Da helfen eher die Worte ­Dietrich Bonhoeffers: "Mag sein, dass der Jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht." 

               Dekan Hans-Gerhard Gross, Rothenburg ob der Tauber

Gebet:

Gott, du Quelle des Lebens, du trägst und erträgst uns. Auf dich und deine Verheißungen ist Verlass. Gib, dass wir deinen Verheißungen trauen, lass uns unsere Verantwortung füreinander und die Welt erkennen und wahrnehmen. Amen.

Lied 654:

Die Erde ist des Herrn

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 26. Mai 2019:

- Geistige Schätze bei der Landesgartenschau

-  Im ersten Jahr keine Bußgelder: Beschwerden über kirchlichen Umgang mit Daten verdreifacht

- Weißt du, wo der Himmel ist? Ein Bild für das Unbeschreibliche – Gedanken zu Christi Himmelfahrt

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet