Glaube an Veränderung

Brücke
Foto: Bek-Baier

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn zu Boden; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. Er antwortete ihnen aber und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn hin und her. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst! Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

                      (aus Markus 9, 17-27)

Gern erinnere ich mich an die alte Fernsehwerbung, in der die Affen johlten: "Nichts ist unmöglich ... . " Sie drängt sich mir auf, wenn ich die Herausforderung Jesu lese: Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt! Die Pauschalität dieses Versprechens führt dazu, Unmögliches zu erwarten. Beruflicher Erfolg, die Erfüllung aller Wünsche, Heilungswunder. Alles muss anscheinend drin sein.

Doch Jesus sagt diesen Satz in einer bestimmten Situation: Zu einem Menschen, der überhaupt keine Möglichkeiten mehr sieht. Ein Vater, der seinen Sohn zu ihm bringt. Der Sohn leidet unter einer Krankheit, die ihn immer wieder nicht Herr seiner selbst sein lässt. Ich bin sicher: Der Vater hat schon viel versucht, damit sein Kind gesund wird. Er hat immer wieder Ärzte und Wunderheiler befragt. Viele Hoffnungen sind enttäuscht worden, und bei ihm setzt sich Verbitterung fest: Mir kann keiner helfen. Er lässt die Hoffnung fahren, weil er eingesehen hat, wie die Welt läuft.

"Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt." Jesus stellt sich gegen dieses Aufgeben. Er gibt der Hoffnung den Vorrang vor den Erfahrungen der Verzweiflung. Glauben, das heißt in diesem Fall: Glauben, dass sich etwas ändern kann. Nicht erstarren müssen in festgefahrenen Zuständen.

Wie bei der großen Demonstration in Leipzig am 9.10.1989, die sich dieser Tage wieder jährt. Menschen haben daran geglaubt, dass sich etwas ändern kann, auch wenn die Erfahrungen der vierzig Jahre zuvor dagegen sprachen. Menschen sind auf die Straße gegangen und haben etwas bewegt, was keiner erwartet hatte - mit Kerzen und Gebeten. Solche Dinge sind möglich dem, der glaubt.  

               Pfarrer Florian Bracker, Oberkotzau, Dekanat Hof

Gebet:

Vater im Himmel, du sendest deinen Geist, der uns neu macht. Du lässt uns nicht, wie wir sind. Gib uns Kraft und Glauben, auf den neuen Wegen zu gehen, die du uns eröffnest. Amen.

Lied 395:

Vertraut den neuen Wegen

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 15. September 2019:

- Setzen sichVom Wunderkind zur starken Frau: Vor 200 Jahren erblickte Clara Schumann das Licht der Welt 

- Kirche geht in ein neues Zeitalter: Oberkirchenrat Blum zum kirchlichen Reformprozess „Profil und Konzentration“

- Umstrittener Maler endlich geehrt: Der Kunstpreis der Landeskirche geht an Gerhard Rießbeck aus Franken

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet