Flugblatt
Argula von Grumbach war eine mutige Frau. 1523 schrieb sie einen Brief an die Universitätsprofessoren von Ingolstadt. Dieses Flugblatt zeigt den Vorgang und wurde tausendfach in Deutschland verteilt und gelesen.

Oder hatten sie einfach damals den Mund zu halten und durften keine eigene Meinung haben?

Aber Katharina von Bora hatte sich doch auch darüber hinweggesetzt - und sie war ja nicht alleine gewesen. Zu neunt flohen sie aus dem Kloster. Was war aus den anderen geworden? Wollten sie nur aus dem Kloster heraus und waren froh über die Fluchtmöglichkeit, die sich durch Katharina bot?

"Martin Luther hatte sie ermutigt, der Bibel Vertrauen zu schenken", sagte die Dame im YouTube-Video. "Sie wusste, dass die Frauen der Bibel ausführlich mit Jesus  diskutierten und gelehrte Gespräche führten. Auch Frauen sind berufen, für ihren Glauben öffentlich einzutreten und ein Bekenntnis zu Jesus Christus einzulegen."

"Aha", dachte Timo. Soweit so gut. Jetzt war er interessiert. Das musste ja alles in der Luther-Zeit "15-hundertschluff" passiert sein, dachte er sich. Da war man mit dem öffentlichen Bekenntnis vielleicht noch nicht so weit. Er schloss "Minecraft" wieder zu und googelte Argula von Grumbach. "Bitte - Google, du hast es so gewollt!" Er las auf der Seite Luther 2017:

"An einem Spätsommertag des Jahres 1523 greift eine junge Dame in ihrer Schreibstube beherzt zu Federkiel und Papier. In entschlossenem Ton schreibt sie einen Brief an die gelehrten Männer der Universität Ingolstadt. Argula von Grumbach heißt sie, ist 31 Jahre alt, von adliger Herkunft, gebildet und Mutter von vier Kindern. Ihr forsches Vorgehen, mit dem sie einem bedrängten Anhänger Luthers beistehen will, bleibt nicht folgenlos. Argula von Grumbach geht als frühe protestantische Laientheologin in die Geschichte ein - aber sie opfert für ihre Überzeugungen auch viel.", las er auf einer Seite.

Das klang ja spannend. Tante Steffi hätte ihre Freude daran gehabt. Aus Bayern also. Aber was hatte es mit den Gelehrten der Universität auf sich? Warum und für wen ergriff sie hier Partei? Er las weiter.

"Das hatte es noch nie gegeben: Eine einzelne Frau fordert mit einem Brief die gesamte Gelehrtenschar der Universität Ingolstadt heraus: Diese möge doch mit ihr, Argula von Grumbach, öffentlich die Auslegung der Heiligen Schrift disputieren. Während sich die Professorenschaft angesichts dieser Dreistigkeit die Augen reibt, weiß die Absenderin sehr genau, was sie will: nämlich mit theologischen Argumenten zu einer Lösung im Fall des jungen Luther Anhängers Arsacius Seehofer, und damit letztlich zur Sache der Reformation beitragen.

Selbstbewusst schließt sie denn auch ihren Brief mit den Worten "Ich habe euch kein Frauengeschwätz geschrieben, sondern das Wort Gottes als ein Glied der christlichen Kirche." Nur eine einzige Bedingung stellt sie: Das Gespräch möge auf Deutsch stattfinden, denn Latein, die damals gängige Universitätssprache, beherrscht sie nicht."

Er kicherte. Arsacius Seehofer? Ob das ein Vorfahre von Horst Seehofer war? Dem Ministerpräsidenten von Bayern? Diesem polternden Mann und immerwährenden Ministerpräsidenten? Es erheiterte ihn. Auch das musste er seiner Tante Steffi erzählen. Eine Frau, die für einen Seehofer Partei ergriff. Das war irgendwie lustig. Das würde sie belustigen.

Er wunderte sich, dass Luther sich in seinem Kopf noch nicht eingemischt hatte. Zwar hatte er sich schon länger verabschiedet, aber in unregelmäßigen Abständen meldete er sich doch bei Timo wieder. Wie Columbo aus dem Fernsehen fiel ihm immer wieder etwas ein, was er Timo noch unbedingt mitteilen wollte. 

Oder steckte er am Ende mit Google unter einer Decke und schob ihm diese Reformationssachen immer wieder in seine Timeline? => weiter