Auf dem Pausenhof
Timo musste sich schon in aller Herrgottsfrühe mit Sebastian Thiele auseinandersetzen.

Die Bedrohung

Direkt in die Arme von Sebastian Thiele und seinen Freunden. Logisch - dachte sich Timo. Das muss die Selbstprophzeiung sein, von der Tante Steffi immer sprach. Das, was wir uns denken, tritt ein. Aber bitte: Wie sollte man nicht an diese Pfosten denken, die einem das Leben schwer machten. "Bleib ganz ruhig!", ermahnte ihn Luther. "Damit machst du sie fertig. Denk an meine Geschichte in Worms. Man darf nicht die Nerven verlieren, bloß weil man meint, alle Teufel wären hinter einem her!"

"Du hast gut reden. Du konntest das auch nicht immer. Oder wie war das mit der Geschichte mit dem Tintenfass auf der Wartburg. Ich wünschte, ich hätte auch ein Tintenfass, mit dem ich nach ihnen schmeißen könnte!"

"Na ihr Honks!", begann Sebastian ganz locker aus der Hüfte die Unterhaltung. "Honk" war gerade seine Lieblingsbeleidigung. Es drückte tiefste Ablehnung aus.
"Gar nicht beachten!", zischte Christian durch die Zähne. "Das haben sie nicht verdient!"

Sie versuchten weiterzulaufen, aber da stellten sie sich ihnen in den Weg.
"Wir sind wohl was Besseres, wenn man noch nicht mal mit seinen lieben Schulkumpels ein bisschen plaudern will!", höhnte Sebastian. Seine Freunde lachten dazu. Ein paar Schüler kamen näher. Sie rochen den Ärger und es versprach spannend zu werden. Da wollte man nicht fehlen.

"Nicht provozieren lassen!", flüsterte auch Hanna leise.

"Haste denn dein schönes Referat auch fertig, damit der Pfaffe glücklich wird und du dich hübsch einschleimen kannst?"

"Natürlich!", sagte Timo kühn und versuchte, an Sebastian und seinen Freunden vorbeizukommen.

Sebastian trat einen Schritt vor. "Hast deine Freunde auch schon instruiert, dass sie schön klatschen, wenn du fertig bist?"

"Oh bitte!", sagte Timo genervt. "Lass uns doch einfach in Ruhe!"

"Aber, aber! Wer wird  denn gleich so patzig sein wollen!", grinste Sebastian. "Jetzt fängt es doch erst an, Spaß zu machen!"

"Dir vielleicht. Aber uns nicht. Jetzt lass uns durch!"

Die Traube von Schülern wurde immer größer. Timo ärgerte sich. Es würde immer schwieriger werden, dem Ärger aus dem Weg zu gehen.

"Warum solltet ihr nicht weitergehen? Nur zu!" Sebastians Augen funkelten gefährlich und er trat noch einen Schritt näher. "Es steht dir frei, zu gehen!"

"Ach!", freute sich Thomas. "Hast du vor kurzem erst den "Kung Fu Panda" gesehen?" Er stumpte Timo an. "Das ist ein Zitat von Meister Schifu im ersten Teil!" Er lachte laut auf. "Sebastian guckt Kinderfilme!", rief er. "Das ist ja wie bei meiner Oma. Offensichtlich darf Sebastian auch nichts anderes schauen als ich!"

Timo stieß Thomas mit dem Ellenbogen in die Rippen. "Pst! Nicht provozieren!"

Sebastian verengte die Augen zu Schlitzen. "Das ist Jahre her. Im Gegensatz zu dir habe ich mich weiterentwickelt, du Baby!"

"Hehe!", versuchte Timo zu beschwichtigen. "Seid doch friedlich!"

"Friedlich? Aber warum denn?", grinste er mit böse funkelnden Augen.

Jetzt lass uns reingehen!", bat Hanna. 

"Ach - darf die Kleine auch mal was sagen?", stichelte Sebastian und seine Freunde lachten pflichtgemäß.  "Kleine" klang dabei ungefähr so, wie Draco Malfoy aus Harry Potter "Schlammblut" aussprach.

"Lass Hanna in Ruhe!", entfuhr es Timo. Er wollte weitergehen. 

Aber Sebastian und seine Freunde standen wie eine Wand vor ihnen. Wo war eigentlich die Pausenaufsicht, wenn man sie einmal brauchte? Ein Streitschlichter war weit und breit auch nicht zu sehen.

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