Überraschende Wege zum neuen Glauben

Erste Untersuchung
Erste Untersuchung der jungen Patientin. Foto: Krätzer

Gerade Beine für ein Mädchen aus Angola

Rummelsberg. Jetzt hat sie es schon beinahe geschafft. Ein letztes Mal ist Elisa (Name geändert) im Krankenhaus Rummelsberg. Noch eine Untersuchung und dann braucht sie nie wieder ins Krankenhaus nach Deutschland, das so weit weg von Daheim und ihrer Familie ist. "Wie gefallen dir deine Beine? Weißt du noch wie sie waren?", fragt Chefärztin Annemarie Schraml, als Elisa vor

ihr auf dem Untersuchungstisch sitzt. "Jetzt kann ich gehen - wie die anderen Kinder", kommt leise die Antwort von dem Mädchen, begleitet von einem seligen Blick auf seine Beine. Beide sind nun endlich so, wie sie sein sollen: gerade.

Viel hat Elisa aus Angola hinter sich gebracht, seit sie vor eineinhalb Jahren das erste Mal mit Hilfe von "Friedensdorf International" nach Rummelsberg kam. Jetzt nach diesen Operationen, vielen Stunden Krankengymnastik, einigen Krankenhaus- und Deutschlandaufenthalten, grenzt das Ergebnis an ein Wunder.

Die erfahrene Orthopädin Schraml korrigierte hierzulande schon unzählige Fehlstellungen, zudem viele in Tansania bei ihren Einsätzen für das Hilfsprojekt "Feuerkinder". Selten allerdings seien sie so gravierend gewesen wie bei dem Mädchen aus Angola. Sie freut sich sehr, dass die Eingriffe nun zu solch guten Ergebnissen geführt haben.

Elisa hatte von klein auf starke O-Beine, die dazu so verdreht waren, dass die Fußspitzen zueinander zeigten - "eine beidseitige Varus-Innenrotations-Fehlstellung", wie es in der Fachsprache heißt. Es war ungemein anstrengend und ermüdend damit zu gehen. Elisas Bewegungsradius daheim, rund um die elterliche Fischerhütte, war deshalb nur sehr klein, mit den anderen Kindern spielen, toben, rennen - ganz unmöglich.

Seit über 40 Jahren ermöglicht die Organisation "Friedensdorf International" Kindern kostenlose Behandlungen, weil ihnen in ihrer Heimat nicht geholfen werden kann, sehr wohl aber in Europa. Ein Netzwerk einheimischer Mitarbeitender und Ärzte hilft dabei vor Ort diejenigen herauszufinden, die dringend Hilfe brauchen.

Auch Elisa kam so an die Hilfsorganisation und damit nach Rummelsberg. Finanziert durch Spenden und Mitgliederbeiträge unterstützt "Friedensdorf" neben dieser medizinischen Einzelfallhilfe außerdem Hilfsprojekte vor Ort und fördert humanitäres und soziales Engagement.

Als Partner der Friedensdorfinitiative behandelten die Rummelsberger bereits einige Kinder aus Krisengebieten, zuletzt Elisa. Obwohl nach 40 Jahren Bürgerkrieg in ihrer Heimat Angola Ruhe eingekehrt ist, leiden die Menschen in diesem zu den reichsten Ländern Afrikas zählenden Staat noch immer unter den Spätfolgen. Viele Menschen sterben jährlich an heilbaren Krankheiten wie Durchfallerkrankungen und Atemwegsentzündungen. Auch Antipersonenminen fordern ihre Opfer - geschätzt sind es mehr Minen, als Angola Einwohner besitzt: über zwölf Millionen.

Mit einem großen Hallo begrüßten ihre Freunde Elisa auf der Kinderstation, als sie das letzte Mal kam - sie hat inzwischen sogar etwas Deutsch gelernt. Nun heißt es hier Abschied nehmen, denn bald fliegt Elisa nach Hause. Sehr freut sie sich auf ihre Familie und Freunde, mit denen sie nun wie alle anderen auch spielen und laufen kann - auf zwei geraden Beinen.

Dorothée Krätzer