Informationen über den Pazifik

Julia Ratzmann
Julia Ratzmann von der Pazifik-Informationsstelle (rechts) führt durch eine Ausstellung in der Nürnberger St.-Lorenz-Kirche. Fotos: Wairer

Eine global vernetzte Nichtregierungs-Organisation arbeitet in Neuendettelsau

Die Pazifik-Informationsstelle in Mittelfranken existiert seit zwanzig Jahren. Was ist ihre Aufgabe?

 

"Located in Neuendettelsau", sagt Katja Göbel im Pressegespräch - und es sind diese englischen Worte, die plötzlich auf den Punkt bringen, was die Pazifik-Informationsstelle ist: Sie firmiert zwar im fränkischen Neuendettelsau, aber es ist eine weltweit agierende Unternehmung mit der Verkehrssprache Englisch. Und die zwei Frauen - Julia Ratzmann und Katja Göbel - arbeiten zwar unter einem Dach mit Mission EineWelt, aber ihre Tätigkeit ist aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorgegangen. Inzwischen besteht die Infostelle 20 Jahre.

Ein bezeichnendes Beispiel für das, was die zwei tätigen Völkerkundlerinnen leisten, lieferte ein Themengottesdienst kürzlich in der Nürnberger St.-Lorenz-Kirche. Da hielt Hubert Weiger die Predigt, ein prominenter Naturschützer. Sein Thema vor rund 110 Hörern und Hörerinnen: "Was geht uns denn der Klimawandel an?"

Auch die Veranstalter nahmen teil: Ratzmann, Göbel sowie seitens Mission EineWelt der Direktor Peter Weigand und die Pfarrerin Gisela Voltz, Referentin für entwicklungsbezogene Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Gottesdienst in St. Lorenz war eine gemeinsame Aktion von Informationsstelle und landeskirchlichem Partnerschaftszentrum.

Ein ganzes Netzwerk global denkender und agierender Neuendettelsauer saß also im Publikum, als sich der bayerische und deutsche Bund-Naturschutz-Vorsitzende Weiger anschickte, Zusammenhänge zu erklären - etwa zwischen mittelfränkischer Fleischproduktion und Waldrodung im Amazonasgebiet; oder zwischen dem Kauf von Fairtrade-Produkten hierzulande und einer nachhaltigeren Bodenbewirtschaftung weltweit.

Er legte einen ganzen „Lasterkatalog zu Umweltfragen“ vor, stellte Weigand anerkennend fest. Er habe es dabei nicht versäumt, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das ge-be der Hoffnung Raum.

Hubert Weiger
Naturschützer Hubert Weiger predigte einen "Lasterkatalog zu Umweltfragen"

Weigers Predigt gipfelte in dem Schlusssatz: "Wer denn, wenn nicht jeder einzelne Christ in seiner Umgebung, soll Energiewende und Klimaschutz voranbringen?"

  Danach führte Julia Ratzmann die Gottesdienstbesucher durch die Ausstellung "Land unter im Pazifik" im St.-Lorenzer Seitenschiff. Fotos und Texte auf großformatigen Tafeln illustrierten das eben Gehörte am Beispiel der pazifischen Inselwelt, die vom Klimawandel besonders bedroht ist.

  Denn Ziel der Pazifik-Informationsstelle ist, "die Öffentlichkeit über wirtschaftliche, soziale und ökologische Themen im pazifischen Raum zu informiern", und zwar "unter besonderer Berücksichtigung" von "Friedens-, Menschenrechts-, Unabhängigkeits- und Umweltbewegungen wie auch der Kirchen".

Aber warum ausgerechnet der Pazifik? Und warum in Neuendettelsau? Julia Ratzmann erklärt die Zusammenhänge so:

Aktivisten der Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er Jahre befassten sich mit dem Pazifikraum, weil ihn Militärs als ein Versuchsgelände für Kernwaffen missbrauchten. Traurige Bekanntheit hatte das Bikini-Atoll erlangt, auf dem die US-Amerikaner 1954 die weltgrößte Wasserstoffbombe "Bravo" zündeten. Räume für ihre umfangreichen Aktivitäten fanden die Atomkraftgegner in Neuendettelsau beim damaligen Missionswerk der bayerischen Landeskirche. Es ist bekanntlich selbst im Pazifikraum - in Papua-Neuguinea - engagiert.

So wurde Mittelfranken vor zwanzig Jahren Standort für eine Nichtregierungs-Organisation, kurz und englisch: NGO, die "located in Neuendettelsau" global und politisch aufklärt.

Von Anfang an half eine ganze Gruppe von Trägern mit, die Pazifik-Informationsstelle zu finanzieren: neben Mission EineWelt das unabhängige Pazifik-Netzwerk e.V., das Evangelische Missionswerk in Deutschland, das Nordelbische Missionszentrum, das Evang.-Luth. Missionswerk Leipzig und das katholische Missio Aachen. Die starke evangelische Beteiligung erklärt sich daraus, dass viele NGOs der Pazifikregion eng mit den Kirchen verwoben sind.

 

Frank Wairer

Die Pazifik-Informationsstelle in Neuendettelsau verleiht die Ausstellungen „Land unter im Pazifik“ und „Kein Bravo für Bikini". Julia Ratzmann und Katja Göbel lassen sich für Vorträge und Workshops in die Kirchengemeinde oder in den Schulunterricht einladen. Zusammen mit Mission EineWelt gestalten sie auch Gottesdienste. Telefon: 09874/91220. Internetkontakt: www.pazifik-infostelle.org.

 

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 16. Dezember 2018:

- Hoffnung auf aktiveren Umweltschutz auch im kirchlichen Rahmen

- Wenn Patchwork-Familien Weihnachten feiern, steppt oft der Bär

- Urlaub zum Arbeiten: Die Vierecks halfen beim Bau einer äthiopischen Schule mit

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet