Vom richtigen Zeitpunkt

Sorge um das Klima
Sorge um das Klima. Bild: wodicka

Dann wird das Himmelreich zehn Mädchen gleich werden, die mit ihren Lampen in der Hand auszogen, den Bräutigam einzuholen. Fünf von ihnen waren töricht, fünf klug. Denn die Törichten hatten wohl ihre Lampen, nicht aber Öl mitgenommen. Die Klugen dagegen hatten zusammen mit den Lampen auch Öl in Kannen mitgenommen. Als sich das Kommen des Bräutigams nun hinzog, waren alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht hörte man plötzlich rufen: "Sieh', der Bräutigam ist da! Kommt heraus, ihn zu empfangen!" Da standen jene Mädchen alle auf und machten sich daran, ihre Lampen herzurichten. Da sagten die Törichten zu den Klugen: "Gebt uns von Eurem Öl! Denn unsere Lampen sind am Erlöschen." Da erwiderten die Klugen: "Das ist unmöglich! Für uns und Euch zusammen wird es nicht reichen! Geht lieber zu den Händlern und besorgt es Euch dort!" Doch während sie nun zum Einkaufen fort waren, kam der Bräutigam; und die bereit standen, gingen mit ihm zur Hochzeitsfeier hinein; und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen dann auch die anderen Mädchen und sagten: "Herr, Herr, mach uns auf!" Doch er erwiderte: "Amen, ich sage Euch: Von Euch weiß ich nichts!" Seid also auf der Hut! Denn Ihr kennt weder Tag noch Stunde!

Matthäus 25, 1-13

Mädchen heute, so scheint es, sind töricht, wenn sie ihren Start ins Internet verpassen, in die "sozialen Netzwerke". Da wartet kein Bräutigam, sondern die "Community". Um dabei zu sein, braucht man heute das digitale Zweit-Ich. Ganz nebenbei führt es dazu, "sich zu verewigen". Was einmal einer von sich gibt, es bleibt auf immer im weltweiten Netz. Ob man will oder nicht. Da entsteht eine völlig neue Art von Ewigkeitsvorstellung, das ewige Leben virtuell. Von seiner tatsächlichen Dauer wissen wir allerdings nichts, vielleicht ereignet sich irgendwann der ganz große Systemabsturz, und die Sache ist erledigt.

Weil das Leben aber voller Möglichkeiten ist, kommt es darauf an, die Gelegenheiten herauszufinden, wo es sich lohnt, dabei zu sein. Was wir wirklich nicht versäumen, wo wir auf keinen Fall zu spät sein wollen. Wir kennen das alle: zu spät! In vielen kleinen Dingen des Lebens lässt sich das meist schnell verschmerzen, manches wirkt lange nach, man ärgert sich, es versäumt zu haben.

Aber wie ist es erst bei den wichtigen Ereignissen des Lebens? Die, bei denen man richtig zu spät dran sein kann: Wenn es zu spät ist, Danke zu sagen, Liebe und Zuneigung zeigen zu wollen, ein "Es tut mir leid" zu signalisieren. Gestern ist die Tante überraschend gestorben, der letzte Streit wurde nicht mehr ausgeräumt. Zu spät! Es muss kein strenger Bräutigam oder Hausherr sein, auch keine unnachgiebigen Freundinnen, deren Sorge um ihr eigenes Wohlergehen größer ist als ihre Geberlaune. Es kann im Leben ein Zu-spät geben, ein unwiderrufliches.

Vor zwanzig Jahren war irgendwann ein Punkt überschritten, an dem das System der DDR für die Machthaber nicht mehr zu halten war. Gott sei Dank war es für sie zu spät! Niemand konnte den genauen Punkt erkennen, aber es gab ihn, den Punkt, nach dem es kein Zurück mehr gab. Wird es einen Punkt geben, an dem es keine Chance mehr gibt, die zerstörerischen Wirkungen des Klimawandels noch zu bremsen und noch ein erträgliches Leben auf unserem Globus zu gestalten? Vielleicht wird man in zwanzig Jahren den Klimagipfel von Kopenhagen im Dezember 2009 als die letzte Möglichkeit bezeichnen, da es noch eine Chance gegeben hätte. Worum sollen wir uns beizeiten kümmern, ehe es zu spät sein kann?

Christine Scheel, Landessynodale aus Aschaffenburg

Gebet:

Wir danken Dir Gott im Himmel und auf Erden, dass wir manchmal zu spät kommen dürfen, ohne damit zu schaden. Wir bitten Dich Gott, dränge uns, damit wir nie zu spät kommen, wenn es zu spät wäre. Darum hilf uns Gott, dass wir aufmerksam sind für Dein Wort und die Worte des Lebens. Amen

Lied (EG 592):

Du schenkst uns Zeit

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