Welchen Weg verfolgt die Landessynode?

Bischof und Jugendliche
Landesbischof Johannes Friedrich im Gespräch mit Aschaffenburger Jugendlichen, die die Besetzung der Planstelle ihres Dekanatsjugendreferenten anmahnten. Foto: Borée

Unterwegs zu einer neuen Wirklichkeit

Die Synode der Landeskirche in Aschaffenburg wurde mit grandiosen Bildern eröffnet

Unter einem mächtigen Bild stand die Eröffnung der diesjährigen Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: In der Aschaffenburger Christuskirche predigte die brasilianische Austauschpfarrerin Tais Doriléa Kind Strelow über die Offenbarung des Johannes, der einen neuen Himmel und eine neue Erde geschaut hatte (Offenbarung 21,1-7).

Denn als Brasilianerin habe sie diese Vision besonders angesprochen, so die Seelsorgerin, die seit 2005 in Schweinfurt als Austauschpfarrerin tätig ist. Ihre "kleine, aber mutige Kirche" von nur rund 715.000 Gemeindemitgliedern "sieht sich herausgefordert, aktiver an dem Lebensprojekt Gottes vom neuen Himmel und der neuen Erde teilzunehmen". Und das gerade wegen aller Ungleichheit, Armut und Gewalt in ihrer Heimat.

So wurde die Eröffnung der Landessynode mit großen Anforderungen konfrontriert. Pauken und Trompeten zum Einzug unterstrichen dies eindrücklich. Die mächtige Musik von Kirchenmusikdirektor Christoph Emanuel Seitz riss die Gäste mit.

Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll verwies beim Empfang darauf, dass alle Anwesenden heil durch den Spessart gekommen seien - vor 200 Jahren keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Damals trieben dort Räuberbanden ihr Unwesen - auch ein Ausdruck gesellschaftlicher Spannungen und fehlender Perspektiven.

Um heute konkrete Unterstützung zu bieten, gab es eine etwas ungewöhnliche "Saalwette" beim Empfang: Mindestens tausend Euro sollten für die Aktion "1 + 1" zusammenkommen, bei der die Landeskirche zugunsten der Integration von Langzeitarbeitslosen bei jedem gesammelten Euro noch einen dazu gibt. Die Synodalen setzten da ein Zeichen: Fast 1.900 Euro gaben sie. Landesbischof Johannes Friedrich lieh sein Ohr Jugendlichen vor Ort: Sie mahnten an, dass die Planstelle eines Dekanatsjugendreferenten seit 2003 nicht besetzt worden sei.

"Nun ist begrüßt, jetzt singen wir", mit diesen lakonischen Worten schloss der Aschaffenburger Dekan Volkmar Gregori seine Begrüßung, in der er seine Freude über das Kommen der Synode ausdrückte. "Nun stehen wir unter Gottes Anspruch – jetzt arbeiten wir", möchte man der Synode bei ihren schwierigen Etatberatungen gerne zurufen. Und hoffen, dass die Gesten vom Empfang weiter wirken.

Susanne Borée

Deneke-Stoll
Landessynodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll. Foto: Bek-Baier

Die Chance liegt in der Ortsgemeinde

Berichte der Landessynodalpräsidentin und des Landesbischofs zu Beginn der "Synode

"Wir können in unserer Kirche nicht weitermachen, wie bisher", sagte Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll zur Eröffnung der Tagung der Landessynode in Aschaffenburg. Hintergrund: 20.000 Kirchenaustritte im vergangenen Jahr. Eine Steigerung von 33 Prozent. Sie stellte die Frage, wie kommt die Kirche wieder in Kontakt zu ihren Mitgliedern? Antwort: Beziehungspflege! Wer? Die Gemeinden! Die Präsidentin betonte die Bedeutung der Kirche vor Ort. Ihre Stärke sei die volkskirchliche Struktur. Aber nicht neue Projekte sondern eine neue innere Einstellung zu den Menschen am Rand der Kirche sei nötig, sich in diese Menschen hineinzufühlen.

Wir brauchen ein Konzept der Beziehungspflege, sagte auch Helga Neike, Sprecherin des Landessynodalausschusses. Sie lobte die entsprechenden Projekte der Kirchenkreise.

"Werden wie die Kinder!" stellte Landesbischof Johannes Friedrich als Thema über die beiden Teile seines Berichtes vor der Landessynode. "Wir als Kirche müssen uns für Familie und Kinder stark machen!", rief der Bischof die Synode auf.

"Kinder können zu Botschafter des Glaubens werden", ist der Landesbischof überzeugt. Kinder, die aus Familien stammen, in denen Religion keine Rolle spielt, können im evangelischen Kindergottesdienst, in den Kindertagesstätten, den Kindergärten biblische Geschichten und Kirchenlieder kennenlernen und in ihre Familien tragen. Auch daher benötigen Kindertagesstätten und Kindergärten eine noch bessere finanzielle Ausstattung. Scharf verurteilte er die Regelung, dass den Hartz IV-Empfängern das Kindergeld als zusätzliches Einkommen angerechnet werde. "Das müssen wir ändern!"

Angesichts der schweren Heraussforderungen solle die Kirche wie ein Kind vertrauensvoll in die Zukunft blicken: Friedrich betonte im zweiten Teil, "dass die Basis unserer Arbeit in den Kirchengemeinden vor Ort liegt. „Sie ist unverzichtbar." Er betonte, dass rund 80 Prozent der Kirchensteuern in die Arbeit der Kirchengemeinden vor Ort fließen würden. Die Gemeinden würden 2009 und 2010 mehr Geld bekommen. Allerdings versäumte er auch nicht, darauf hinzuweisen, dass auch Parochialgemeinden mehr als 50 Prozent der Gemeindeglieder nicht erreichen. Hintergrund ist die massive Kritik an der Kirchensteuerpraxis der Landeskirche durch das Bündnis "Aufbruch Gemeinde" (wir berichteten).

Doch das Bischofslob überwog: "Es tut mir gut zu sehen, dass es viel mehr konstruktive Arbeit, ermutigende Grundhaltungen und von tiefem Glauben getragene Begeisterung in unseren Gemeinden, bei ehren- wie bei hauptamtlichen Mitarbeitern gibt, so dass es mir um die Zukunft der Kirche nicht bange ist."

 

Martin Bek-Baier