Herzlich willkommen zur neuen Ausgabe des "Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern"

Evangelisches Sonntagsblatt vom 21.2.2016
Brücke

=> Andacht: Der Geduldsfaden

Mein Geduldsfaden ist mal so, mal so: Mal stark wie ein Tau, mal kaum zu sehen wie ein Nähfaden. Mal hält er sieben Oktaven umfassendes Kindergeschrei aus und dann reißt er bei der kleinsten Kleinigkeit: keine Milch im Haus? Kein Kaffee vor Verlassen der Heimstatt?! Ich könnte schreien! Auch meine Geduld mit mir selbst ist zuweilen brüchig: warum hast du da geschwiegen? Warum hast du nichts von deinem Glauben gesagt?!...

(Auslegung zu Römer, 5, 1-5, nach Jörg Zink)

Inge Wollschläger

=> Editorial: Wie sich das Herz weiten lässt

"Ein großes Herz" - so ist die diesjährige Fastenaktion beschrieben. Sieben Wochen ohne Enge. "Das Herz ist als Organ der Kleinlichkeit nicht geeignet, es lebt die Fülle und die Weite!", heißt es im Pressetext dazu. Fülle und Weite erlebt man, wenn man sein Herz sprechen lässt. Wie zum Beispiel bei Komplimenten. Jeder bekommt gerne Komplimente. Vor allem, wenn sie aus "vollem Herzen" gemeint sind. Mir fällt dabei ein kleiner Film ein: In einem Einkaufsladen verwickelte die Autorin Menschen in ein Gespräch. Sie unterhielt sich mit ihnen über alles Mögliche, bis sie ihnen ein kleines, ernstgemeintes Kompliment machte. Genau diesen Augenblick wollte sie festhalten: Was passiert mit Menschen, wenn sie richtig wahrgenommen werden? ...

Joachim Twisselmann

=> Am Rande Deutschlands - inmitten der Welt

"Sprachschule für die Freiheit" zu sein - so sieht er sein Engagement. Und dies seit 25 Jahren. Auf dieses runde Jubiläum blickt Joachim Twisselmann, Referent für Politische Bildung im Evangelischen Bildungszentrum Bad Alexandersbad in diesem Jahr zurück. Gleichzeitig feiert er jetzt seinen 60. Geburtstag. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildete für ihn über all die Jahre hinweg "die kritische Begleitung des deutschen Einigungsprozesses". Dazu ist Bad Alexandersbad im Nordosten Bayerns besonders geeignet: Nur etwa 50 Kilometer sind es bis zur Grenze nach Sachsen. ...

Rolf Oerter

=> Lebenslinien (Teil 21): Verschüttete Erlebnisse drängen ans Licht

Wovon würde ich mich zuerst verabschieden? Mit dieser Frage konfrontiert der Rothenburger Hospizverein neue potentielle Helfer. Eine Schulung für sie beginnt im April. Während eines ersten Einführungswochenendes sollen die Interessenten erst einmal für sich selbst durchspielen: Wie würden sie sich selbst fühlen, wenn ... sie von allem loslassen müssen? Erst danach erfahren sie, was es heißt, schwerstkranke Menschen zu begleiten. Oder Sterbenden und ihren Angehörigen nahe zu sein. Uschi Memhardt koordiniert die Arbeit des Rothenburger Hospizvereins. Als Leiterin einer örtlichen Diakoniestation hat sie intensiv erfahren: Was heißt es, die letzte Zeit vor dem endgültigen Abschied "als kostbare Lebenszeit" zu begreifen? ...