Serie: Frischer Wind, Teil 25

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"Ja, ich glaube!" - Abschluss der Reihe

Das so genannte Apostolische Glaubensbekenntnis, das wir Sonntag für Sonntag in fast jedem Gottesdienst sprechen, ist alt. Sehr alt. Es war das Taufbekenntnis der frühen Christen in Rom. Vermutlich stammt es aus dem 2. Jahrhundert. "Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde ..."

Generationen von Christen haben das vor uns schon bekannt, Generationen werden es nach uns bekennen. Es sind Worte, die die Christen aller Zeiten und überall auf der Welt untereinander verbinden. Meistens wird es in Gemeinschaft gesprochen. Müsste man dann nicht eigentlich anfangen mit "Wir glauben"? Und doch heißt es: "Ich glaube!" Jeder und jede ist gefragt: "Glaubst du? Willst du dich zu dem lebendigen dreieinigen Gott bekennen?"

Zwar sprechen wir die Worte in Gemeinschaft, aber die Verantwortung für den eigenen Glauben kann uns keiner abnehmen. Manche tun sich schwer mit dem Glaubensbekenntnis. "Geboren von der Jungfrau Maria", "die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen", "Gott der Allmächtige" - das geht vielen von uns heute schwerer über die Lippen als Generationen vor uns.

Und trotzdem spreche ich es mit Überzeugung mit. Nicht, weil ich mit manchen Aussagen im Glaubensbekenntnis keine theologischen Probleme habe. Die habe ich, obwohl Theologin, genauso wie jeder andere. Sondern weil es Worte sind, die mich hinein nehmen in eine Gemeinschaft, die viel größer ist, als mein begrenzter Horizont. Und weil es manchmal gut ist, sich den Worten und dem Glauben derer anzuvertrauen, die vor langer Zeit den Grundstein der Kirche gelegt haben. Ohne sie gäbe es uns nicht. Da schwingt auch etwas Verbundenheit und Dankbarkeit mit gegenüber den Christen lange vergangener Zeiten. Und Solidarität mit den Glaubensgeschwistern heute.

Ja, ich glaube. Ich stelle mich hinein in diese Gemeinschaft. Ganz bewusst, trotz mancher Probleme mit und in ihr. Und doch. Manchmal reichen die vorgefassten Worte nicht. "Ich glaube ..." - Was glaube ich eigentlich wirklich? Und dann finde ich es wichtig, mir selbst Rechenschaft abzulegen: Woran glaube ich denn wirklich?
Das spirituelle Zentrum St. Martin in München, geleitet von Pfarrer Andreas Ebert, sammelt zurzeit unter dem Motto "Worauf stehe ich?" solche modernen Glaubensbekenntnisse. Für dieses Projekt habe auch ich zusammengefasst, wie ich meinen Glauben in eigenen Worten formulieren würde. Herausgekommen ist folgender Text:

Woran ich glaube - Worauf ich stehe

Ich glaube, dass mein Leben einen Wert hat. Dass ich nicht zufällig auf dieser Welt bin. Ich glaube, dass ich ein Kind Gottes bin und dass ich darüber hinaus auch gar nichts sein muss.

Ich glaube, dass ich bedingungslos geliebt bin.
Ich glaube an Jesus, meinen Bruder, Freund, Herrn und Meister. Den Einzigen, bei dem "Freund" nicht im Widerspruch steht zu "Herr und Meister".

Er ist mein innerer Lehrer, der tiefste Grund meiner Seele.

Ganz tief drinnen sind wir EINS.

Er ist das Licht der Welt - ich bin das Licht der Welt.

Aber nicht mein Ego. Sondern ER in mir.

Er ist ich. Und ich bin Er.

Wer es fassen kann.

Ich glaube, dass ich mit anderen unterwegs bin und dass wir uns erkennen werden, wenn wir uns begegnen. Die, die der Geist Gottes treibt. Die Kinder Gottes. Sie erkennen einander. Auch wenn sie Gott auf unterschiedliche Weisen lieben und verehren.

Ich glaube, dass Er durch uns die Wirklichkeit gestaltet.

Ich glaube, dass ein Gebet die Welt verändern kann, weil alles mit allem verbunden ist.

Ich glaube, dass der Tod eine Illusion ist. Und dass wir erwachen werden zu einem Licht, das wir hier höchstens ansatzweise erkennen können.

Ich glaube, dass am Ende alles gut sein wird.

In jeder Hinsicht.

Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Am Ende werden wir lachen. Und Gott lacht in uns.

Wie würden Sie Ihren Glauben in eigene Worte fassen? Worauf stehen Sie? Was ist Ihnen wichtig? Vielleicht wollen Sie sich ja an dem "Credo-Projekt" beteiligen. Oder gemeinsam mit anderen überlegen: Wie würden wir unser Glaubensbekenntnis formulieren?

Mit diesem Artikel endet unsere Reihe "Frischer Wind" im Rothenburger Sonntagsblatt. Es endet aber nicht die große Aufgabe, Glauben und Kirche neu zu bedenken, neu zu gestalten und so mit Leben und Inhalt zu füllen, dass Menschen von heute sich in ihr wiederfinden. Denn: "Wer will, dass die Kirche bleibt wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt." (Frei nach Klaus Douglass.)        

Christiane Müller, 42, aus Coburg, war zehn Jahre Pfarrerin. 

Das Credo - Projekt: 2017 jährt sich zum 500. Mal der The­sen­an­schlag Martin Luthers. Dieses Jubi­läum ist Anlass, neu zu über­legen und zu dis­ku­tieren, welche Themen, Thesen und Bekennt­nisse uns heute, 500 Jahre danach, bewegen. Haupt­ziel des Pro­jekts ist es, mög­lichst viele Men­schen dafür zu gewinnen, den eigenen Glauben - also das, was uns trägt und worauf wir "stehen" - eigen­ständig neu zu for­mu­lieren. Sie sind eingeladen, St. Martin eigene Bekennt­nisse zukommen zu lassen: info(at)­credo-pro­jekt.de. Am Ende des Pro­jekts soll eine Ver­öf­fent­li­chung stehen. Weitere Infos unter www.credo-pro­jekt.de  

                              Christiane Müller