Johannes Eck
Professor Doktor Johannes Eck: Was für ein fürchterlicher Besserwisser! Obwohl - schlau war er schon! Das musste man ihm lassen.

"Welt - ich bin wieder da"

Als hätte seine Tante Steffi gehört, was Luther sagte, streckte sie die Hand nach einem neuen Stück aus und verkündigte: "Ab morgen ist wieder Schmalhans Küchenmeister. Die Pfunde müssen runter! Mein Badeanzug kneift!"

In seinem Zimmer startete Timo seinen Computer und stöpselte sein Handy ans Ladekabel. Im Urlaub hatte er sein Handy lieber nicht benutzt. "Welt - ich bin wieder da!", murmelte er glückselig. Sein Handy zwitscherte. Das war das Geräusch für jede der neuen 333 WhatsApp-Nachrichten. Sein Klassenchat und all seine Freunde waren äußerst aktiv gewesen.

"Alter!", entfuhr es ihm. Er schloss seine Zimmertüre und machte es sich auf seinem Bett bequem. Seine virtuelle Katze 'Talkin Tom' brauchte Fressen, wollte Streicheleinheiten und musste aufs Klo. Er wusste gar nicht, womit er zuerst anfangen sollte.

In den Nachrichten las er, in seiner Klasse war ein Streit darüber ausgebrochen: Rosa Schlampermäppchen - ist das schick - vor allem für Jungs? Rosa?! Während er kurz an sein altes Schlampermäppchen aus der Grundschule zurückdachte (mit aufgedruckten Dinosauriern), meldete sich Luther.

"Also die Art der Nachrichten ist ja etwas, auf das ich sehr neidisch bin. Überhaupt diese Schnelligkeit. Jetzt gedacht - und schon hat es der andere! Was war das doch früher alles mühselig. Allein das schreiben. Manchmal hätte ich mir einen Schreiber gewünscht, der Briefe für mich schreibt. So musste ich alles selber machen. Das hat vielleicht gedauert. Einmal habe ich einen Jammerbrief an meinen Kollegen Johann Lang geschrieben. Ich weiß ihn fast noch auswendig: 'Ich hätte eigentlich zwei Schreiber oder Kanzlisten nötig, denn fast den ganzen Tag tue ich nichts als Briefe schreiben. Ich bin Klosterprediger und Tischprediger, täglich werde ich angelaufen um den Predigtdienst in der Pfarrkirche, ich bin Leiter der Studienanstalt unseres Ordens, ich bin Ordensvikar, ich habe die Einkünfte des Fischteichs im Leitzkau einzuziehen und in Torgau die Sache der Herzberger Mönche zu führen, ich halte Vorlesungen über Paulus, ich sammle Erklärungen zu dem Psalter, endlich liegt schwer auf mir mein zeitraubender Briefwechsel. Selten habe ich Zeit, die kanonischen Stunden regelrecht zu halten, ganz zu schweigen der Anfechtungen des Fleisches, der Welt und des Teufels, mit denen ich zu kämpfen habe. Ihr seht, wie es um meine Ruhe bestellt ist. Ich hoffe, die Welt fällt nicht ein, wenn Bruder Martinus dahin sinkt.'"

"Da hast du aber ganz schön rumgejammert", grinste Timo. "Naja. Ein bisschen Drama hat noch nie geschadet", kicherte der Reformator. "Was hätte ich Zeit zur Verfügung gehabt, wenn ich einen Computer oder ein Handy gehabt hätte. Was hätte ich noch alles schaffen können."

Sebastian Thiele, sein Erzfeind, versprach jedem Kloppe, der mit einem rosa Mäppchen kommen würde. Einige stimmten ihm zu, andere schrieben vom Recht auf "Mäppchenfreiheit".

Ganz schön albern, dieses Thema, fand Timo. Es erstaunte ihn, wie sich die Gemüter an so einem Schwachsinn erregen konnten. Seine Mutter erzählte ihm manchmal solche Sachen aus dem Internet. Dort wurden solche Stänkerer "Trolle" genannt. "Das werden immer mehr, diese Trolle. Jeder kann und darf zu allem einen Meinung haben und sie laut posaunen. Das trauen sich die meisten wahrscheinlich nur, weil sie keinen haben, der ihnen gegenüber steht. Möglicherweise würden derlei Nachrichten dann ganz anders aussehen. Also Junge: Überlege dir immer, was du in einem öffentlichen Raum schreibst. Überlege, ob du es laut auf dem Schulhof sagen würdest. Denn: 'Das Netz vergisst nie etwas'". Die letzten Zeilen konnte Timo auswendig.

"Meine Sachen hat auch keiner vergessen - obwohl es noch kein Netz damals gab", hüstelte Luther. "Ständig war einer um mich rum und hat mitgeschrieben. Manchmal bin ich auch mal heimlich aufs Klo. Das wird einem ja auch zwischendurch mal zuviel. Jeder Furz, den ich bei Tisch ließ, wurde mitgeschrieben. Auch das hat bis heute keiner vergessen."

"Von wegen Furz: war nicht von dir der Spruch: Warum rülpst und furzt ihr nicht - hat es euch nicht geschmeckt?", fragte Timo.

Es kicherte leise. "Sag ich doch. Das vergisst keiner."

Timo schrieb in den Klassenchat: "Rosa ist das neue Dinosauriermuster für echte Kerle."

"Junge, Junge - du willst es echt wissen!""Du bist ja Experte in diesem Thesendings."

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