Serie: Frischer Wind, Teil 10

Konfis am Mittelmeer
Frischer Wind in der Konfirmandenarbeit, beim Spiel und beim Gottesdienst am Mittelmeer. Fotos: Bek-Baier

Konfirmandenunterricht bewegt - ohne alte Zöpfe - mit vielen frischen Akteuren

"Man merkt sich ein Leben lang nicht, was ein Lehrer gesagt hat, sondern wie der Lehrer war", sagt der Volksmund. Dasselbe gilt für Pfarrer und für alle, die in der Kirche lehren. Ganz besonders im Konfirmandenunterricht. Ich habe die Erfahrung gemacht in Gesprächen mit Senioren, die vor 70 oder 60 Jahren konfirmiert wurden, mit jungen Erwachsenen, die vor 25 Jahren Konfirmation begingen oder mit Jugendlichen heute: Es bleibt hängen, wie der Konfirmandenunterricht war, nicht das, was man gelernt hat. Wesentlich bleibt der Gesamteindruck. Und wir, der Kirchenvorstand meiner ehemaligen Gemeinde und die Mitarbeitenden der  Jugendarbeit wollten, dass ein guter Eindruck von Kirche hängen bleibt. Eine Kirche, in der man sich wohl fühlt, einer Kirchengemeinde, der man vertraut und der man zutraut, dass man zu ihr immer kommen kann: in guten wie in schlechten Zeiten.

Das Team gewinnt

Unser Weg führte weg von der Unterrichtsform, die an Schule erinnert. Weg vom frontalen Konfirmandenunterricht, in der der Pfarrer entweder gegen einschlafende Schüler anredet, die mit den Gedanken ganz woanders sind, oder in der die Pfarrerin ständig gegen Störer vorgehen muss und die Disziplin aufrecht erhalten will.

Warum soll da einer allein versuchen 20 oder 30 gelangweilten Jugendlichen etwas einzutrichtern oder  gegen 20 aufmüpfige Pubertierende anzukämpfen? Warum können da nicht fünf oder acht Gleichgesinnte mit den Konfirmanden zusammen etwas erleben, erlernen, erfahren? Wir änderten die Form: Weg vom wöchentlichen Nachmittagsunterricht hin zu Konfirmandenseminartagen am Wochenende.   

Pfarrerin oder Pfarrer können so etwas nur schwer alleine stemmen. Es finden sich Helfer und Mitstreiter, kompetente Mitlehrende: Das können Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, Eltern, Jugendliche, ehemalige Konfirmandinnen und Konfirmannden sein. Auch eine Oma war dabei. Jede und jeder hat etwas zu sagen und jede und jeder hat Kompetenzen in Sachen Leben und Glauben. Schließlich vertrauen wir Evangelischen dem Priestertum aller Gläubigen.

Der ewige Kampf um die Disziplin und die Aufmerksamkeit war vergangen. Natürlich gab es auch einmal Probleme. Aber immer war einer im Team, der gut damit umzugehen wusste, der durchgriff oder vermittelte. Der dafür das Gespür hatte, was gerade gebraucht wurde.

Spielend Glauben erfahren

Wir griffen auf neue Unterrichtsformen zurück oder entwickelten sie: Am Freitag oder Samstag sechs oder acht Stunden am Stück. Aber natürlich nicht reines Lernen, sondern mit Spielen, Austausch, Bewegung und gemeinsamen Essen. Das Ganze fünf oder sechs Mal im Jahr. Dazu kamen zwei bis drei Freizeiten. Eine davon in einer Einrichtung, die ein Komplettpaket von Freizeit und inhaltlichen Einheiten anbot. Das hatte den Vorteil, dass die Ehrenamtlichen nicht den ganzen Tag gefordert waren und auch Impulse für die eigene Arbeit mitnehmen konnten.

Dann eine Freizeit in Italien. Der häufigste Einwand: "Ja muss man denn so weit fahren?" Antwort aus Erfahrung: "Ja, es lohnt sich!" Die Kinder waren ganz anders als zuhause. Sie ließen sich offen auf die Gemeinde, die Kirche und ihr Angebot ein. Und den Rest machte das Meer. Warum nicht Gottes Schöpfung mitarbeiten lassen?

Das sind positive Erlebnisse, die man ein ganzes Leben lang nicht vergisst.
Ganz wichtig war uns eine Freizeit, zu der die Eltern, Paten oder Großeltern und älteren Geschwister eingeladen wurden. Erst stöhnten die Konfis natürlich. "Oh nein, müssen die denn mit?" Die Antwort auch hier: Ja, es lohnt sich! Hinterher hat keiner mehr gestöhnt. Denn sowohl die Erwachsenen, als auch die Jugendlichen hörten mitunter zum ersten Mal voneinander, was sie vom Leben oder vom Glauben denken.

Konfirmandenprüfungen wurden durch den Vorstellungsgottesdienst längst vor unserer Amtsperiode ersetzt. Doch statt den Konfis ein fertiges Konzept vorzulegen, durften sie sich selbst überlegen, wie sie sich der Gemeinde präsentieren könnten. Klar, die eine Gruppe versuchte den Weg des geringsten Widerstandes und legte ein schnelles und leicht umzusetzendes Konzept vor, das sie abspulten. Aber die meisten Gruppen wollten sich so gut wie möglich präsentieren. Eine Gruppe erarbeitete  gar ein ganz ehrgeiziges Theaterprogramm mit sozialem und geistlichem Inhalt, das sich gewaschen hatte. Auch wenn da ein einziges  Vorbereitungstreffen nicht ausreichte und man sich freiwillig öfter traf.

Aus solchen engagierten Gruppen erwuchsen immer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die nächsten Konfirmandenjahrgänge. Und so manch einer blieb in der Kirchengemeinde als Aktiver hängen.

Wichtig waren uns  Elemente aus der Erlebnispädagogik. Zum Thema Jesus Christus ließen wir nicht die "Ich-bin-Worte" auswendig lernen, sondern gingen gemeinsam in den Wald: Die Augen wurden verbunden, behutsam wurde jeder Konfi zu einem Seil geführt. "Halte dich fest, lass nie los, geh' deinen Weg und lass dich vom Seil führen", lauteten die Anweisungen. Klar hatten wir kleine Hindernisse, wie Wurzeln, Gräben oder umgestürzte Bäume im "Lebens-Labyrinth" eingebaut. Nach ein paar hundert Metern war es geschafft. Fragen: "Wie hast du dich gefühlt? Unsicher? Was wusstest du, was als Nächstes kommen wird? Nichts? Wie hast du den Irrweg dann geschafft? Ah, am Seil festgehalten. Überlege: wer oder was könnte so ein Halt im Leben für dich sein?" Den Konfis war es eindrücklich und sie denken noch oft daran, dass Jesus Christus ihnen Halt im Leben anbietet.    

                         Martin Bek-Baier