Fingernägel
Die Hände zum Gebet gefaltet: das geht auch mit bunten Nägeln, meint Pfarrerin Sabine Löw. Foto: Privat

Eine Kirche der Freiheit

Als eine Pfarrerin der Kirche der Freiheit, sollte man diese Freiheit auch spüren. So hab ich zu denken begonnen und denke es immer wieder neu: Die Freiheit, zu der uns Christus befreit hat. Und diese Freiheit bedeutet auch, mich so zu kleiden, wie ich es mag, wie es mir entspricht.

Es ist vielleicht kindlich, aber Pippi Langstrumpfs Weisheit aus den Büchern von Astrid Lindgren spricht mich an: "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt". Oft fällt mir auch dazu ein Liedzeile von Hildegard Knefs Lied "Für mich soll's rote Rosen regnen" ein: "Von dem, was erwartet, das Meiste halten". Das finde ich eine gute Leitschnur.

Was über all die Jahre immer wieder für mich spannend ist: Ich habe selten Kritik an meinem Stil gehört. Viel weniger, als Kollegen oft denken, dass ich bekommen würde. Als wir einmal Spenden für unser Gemeindehaus sammelten, konnte ich so Witze machen: "Ich zieh mir mal was Nettes an, und geh dann auf die Bank". Da haben alle gelacht, weil ich normal eben nicht "nett" im klassischen Sinne angezogen bin - in einen Blazer kriegt mich normalerweise kein Mensch!

Ich hab es erlebt: Je frömmer ein Mensch ist, umso toleranter ist er. Und umso weniger stört er sich an einem anderen Menschen.

Wer ist ein Vorbild?

Was ich immer mehr höre, ist, mit dieser Haltung ein Vorbild für Frauen zu sein. Vielleicht wollen viel mehr Menschen das tun, wonach ihnen ist,  oder was sie als richtig erkannt haben?

Jesus von Nazareth war alles andere als bieder! Ihm folgen wir  nach. Er war ein radikaler Mensch.  Seine Mission zu Lebzeiten war, das "Reich Gottes" zu verkündigen, das er so sehr spürte: Inwendig in uns ist, mitten unter euch.
Heute ist er in seinem Heiligen Geist bei uns - und das ist ein Geist, der sehr mutig ist. Viel mutiger, als viele von uns tatsächlich sind.

In meiner Zeit an der Körperbehindertenschule habe ich gelernt, dass es normal ist, verschieden zu sein.

Jede und jeder von uns ist als Original geschaffen. Nach all den Jahren des Zweifelns, aber auch des Zuspruchs möchte ich dazu ermutigen, das zu leben, was in einem selbst steckt. Weil es genau das ist, was die Welt braucht. An der Stelle, an der wir gestellt sind, sind wir gefragt. Und wir können diese Stelle nur füllen, wenn wir nicht Kopien von irgendwer und irgendwas sind, sondern wir selbst. Mit lackierten Fingernägeln oder eben nicht.   

                         Sabine Löw

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