Luther erfleht den Schutz der heiligen Anna
Mitten im Gewitter flehte Martin Luther bei der Heiligen Anna um Schutz: Hilf, Anna, hilf. Ich will ein Mönch werden!

Hui! Das Gewitter kommt tatsächlich immer näher

Dunkler wurde es auch. Vor zwei Minuten konnte Timo noch bequem alles im Zelt sehen. Jetzt legte sich zusehends ein grauer Schleier über alles. Die Plane flatterte und der Regen prasselte auf das Dach. Es kam ihm so vor, als würden richtige Dellen in die Zeltwände durch das Wasser gedrückt werden. Die Regentropfen waren hart, weil sie so schnell vom Himmel fielen. Es schien, so als ob der Regen von der Seite kam weil der Wind so stark war. Unheimlich war das. Beängstigend. Blitzz KrabummEine Erfahrung, die er lieber in seinem sicheren Kinderzimmer oder Wohnung gemacht hätte, als hier. So nah am Wetter war Timo noch nie gewesen. Wie hatte ihn einmal Martin Luther genannt? Verweichlicht. Wahrscheinlich hatte er Recht. Er war verweichlicht. Aber wann bekommt man auch das Wetter in der Stadt so hautnah am eigenen Leib mit? War es schön, ging man raus und freute sich, dass die Sonne schien. War es windig und regnerisch, blieb man zuhause oder ärgerte sich, wenn man auf dem Weg zur Schule oder Freunden nass wurde. Da beeilte man sich besser.

Keiner blieb freiwillig draußen - bei so einem Wetter. Er kuschelte sich tiefer in seinen Schlafsack und kniff die Augen zu, als der nächste Blitz zuckte. Aber das half nichts. "Ich weiß, dass es nicht hilft, und mach trotzdem immer die Augen zu. Wie blöd kann man sein?", fragte sich Timo.Blitzz KrabummDie Erde schien zu beben, wenn der Donner sich entlud. Timo dachte darüber nach, wie verletzlich man inmitten dieser Naturgewalten war. Es schien nichts zu geben, was einen jetzt schützen konnte. Mit dem bisschen wackelnden Zelt über dem Kopf fühlte sich Timo zwar besser als ohne. Denn er wusste: Das Auto stand in Laufnähe. Wenn es noch schlimmer werden würde, könnten sie sich retten. Aber ohne das alles? Ihm gruselte.


Blitzz Krabumm

Er hörte den Bruder ein bisschen weinen und seinen Vater tröstende Worte murmeln.  Fast und selbstverständlich nur ganz heimlich war er ein bisschen neidisch. Schließlich war er es selbst gewesen, der sich dafür entschieden hatte, alleine in seiner Zeltkabine zu wohnen und zu schlafen. 

So ist das mit dem Erwachsenwerden, dachte er sich. Da muss man selbst mit fertig werden. Auch wenn einem so klamm ums Herz ist. Beim nächsten Donner geh ich rüber!

Blitzz Krabumm

"Herr, erbarme Dich unser! Christus, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser! Heilige Anna, Helferin aller zu Dir Rufenden, sei unsere Fürsprecherin!
Gebenedeit bist Du unter den Müttern, o glorreiche heilige Anna, denn Du hast zur Tochter, Dir untergeben und gehorsam, die Mutter Gottes selbst gehabt. Ich bewundere die Erhabenheit Deiner Auserwählung und die Gnaden, mit welchen der Allerhöchste Dich bereichert hat. Ich vereinige mich mit der allerseligsten Jungfrau Maria, um Dich zu ehren, zu lieben und mich Deinem Schutze anzuvertrauen. Jesus, Maria und Dir weihe ich mein ganzes Leben als demütigen Tribut meiner kindlichen Verehrung; Du aber erlange mir die Gnade, dass mein Leben heilig und des Paradieses würdig sei. Amen."

"Herr Luther? Was machst du denn hier? Ich hätte gedacht, bei diesem Wetter bringt dich keiner aus der Ewigkeit? Und wen betest du da an?"

Selten war Timo so froh, diese Stimme in seinem Kopf zu hören. War das ein Gebet, was er da hörte? Es schien Timo, als wäre das eine gute Idee. Irgendwen um Schutz von ganz oben zu bitten.

"Ich wollte dir ein bisschen beistehen. So ein Wetter macht mich selbst immer unruhig. Ich muss dann immer an den 2. Juli 1505 denken! Und das Gebet ist für die Schultzheilige Anna, die Mutter von Maria, die Mutter von Jesus Christus."

"Du denkst bei diesem Wetter an anno knips? Und an die Oma von Jesus?" Die Oma sollte einem bei Gewitter helfen? Verständnislos schüttelte Timo seinen Kopf.

"Entschuldige mal bitte. Das war mal meine Lieblings-Heilige!", polterte Luther. "Sie schützt einem im Gewitter. Ich persönlich habe das erlebt, wie sie geholfen hat! Und sie hilft bei vielen anderen Sachen auch: Fieber, Kopf-, Brust- und Bauchschmerzen. Für eine glückliche Heirat, für Kindersegen und glückliche Geburt, für Wiederauffinden verlorener Sachen und Regen!", zählte der Reformator auf.

"Ich dachte, du hast es nicht mit Heiligen?", grinste Timo.

Gibt es Schutz bei Gewitter? => weiter

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