Über die Alpen
Über die Alpen - mitten im Winter. So machte sich Martin Luther und einer seiner Mitbrüder auf, um nach Rom in einer wichtigen Mission zu reisen.

Über die Alpen

"OHNE Zelt! Das Ganze im Winter mit hohem Schnee über die Alpen. Bei klirrender Kälte sind wir zu Fuß über die vereisten Alpenpässe gestiegen. Hast du gehört? Kannst du dir das überhaupt vorstellen? Zu Fuß? Nicht mit dem Auto bequem irgendwo hin fahren und im hübschen Zelt übernachten mit Schlafsack und Thermoskanne. Nein - ich war mit meinem Mitbruder unterwegs über die Alpen. Unglücklicherweise fast schon im Winter. Im Oktober sind wir damals aufgebrochen. Das ist keine gute Reisezeit, um über die Alpen zu wandern - das kann ich dir sagen. Aber die Zeit drängte.

Übernachtet haben wir in Bergdörfern und in Klöstern. Ich kann dir sagen: so gefroren habe ich nie wieder. Da waren die deutschen Winter später ein warmes Lüftchen. Ich war froh, dass mein Mitbruder noch dabei war. Wenn ich mich nur erinnern könnte, wer das war? Ich komm grad nicht drauf.

Der Winter war wirklich ungewöhnlich hart. Später in Rom regnete es wochenlang. Auf dem Rückweg lag tiefer Schnee in Bologna mit heftigem Schneetreiben und einem Schneesturm. Ich friere heut noch, wenn ich daran denke.

 Die Augustinusregel war natürlich auch während der Reise einzuhalten. Dazu gehörte für mich und meinen Mitbruder die Einhaltung der Fastenzeit. Im November begann das 40-tägige Fasten in der Adventszeit vor Weihnachten. Bis Rom mussten wir also fasten. Körperliche Anstrengung und Fasten sind ein große Herausforderung für jeden Menschen. Wir sind sechs Tage pro Woche gewandert. Sechs! Einen Ruhetag gab es in der Woche. Da waren wir fertig - wie ihr heutzutage zu sagen pflegt. Da lagen wir meistens in unseren Betten und haben nur geschlafen."

Timo war beeindruckt: "Wahnsinn!"

Ganz still saß er in seinem ganzen Gepäck, dass er eigentlich in seinem Rucksack verstauen wollte. "Das hätte ich nicht gedacht! Das ist ja wirklich eine Leistung. Nur weil dein Orden das wollte."

"Beim Durchqueren der lombardischen Ebene  wurden wir richtig krank. Wir bekamen eine heftige fiebrige Erkrankung. Damals gab es nichts, was einen ruck-zuck wieder gesund machen konnte. Es hat gedauert, bis wir uns wieder erholt haben. In Florenz war ich sogar in ein Spital eingeliefert worden."

"Du Armer!" Timo erinnerte sich an seine letzte schlimme Erkältung. Damals hatte er ein widerliches Antibiotikum bekommen. Kurze Zeit später war er wieder fit. Aber er konnte sich erinnern, wie er völlig ermattet entweder auf der Couch oder im Bett lag.

"Und dann war da zu dieser Zeit auch noch Krieg in Italien. Manchmal war das Einzige, was uns gerettet hat, Empfehlungs- und Beglaubigungsschreiben für diese Mission. Und natürlich unsere Pässe. Ich war so lange unterwegs - und du jammerst wegen des bisschen Zeltens. Ich sage doch: die Jugend heutzutage hat überhaupt keinen Biss mehr!"

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