Recht haben oder glücklich sein?

Georgis Heintz und Ansgar van Olfen
Georgis Heintz und Ansgar van Olfen führten am Hessel­berg in die "Gewaltfreie Kommunikation" ein. Foto: Borée

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Das schmutzige Geschirr kann das Leben bestimmen. Es kann prima die Grundlage erstklassiger Beziehungskonflikte bilden: Muss es am nächsten Morgen noch mitten auf dem Esstisch stehen? Kann der Partner es nicht auch am späten Abend wegräumen? Oder ist es ihm egal, dass es mich morgens stört?

Soll das schmutzige Geschirr wirklich Gewalt über das Leben bekommen? "Nein!", sagen Georgis Heintz und Ansgar van Olfen. Die Trainer hielten erst jetzt im Evangelischen Bildungszentrum auf dem Hesselberg ein Wochenendseminar über "Gewaltfreie Kommunikation" nach ­Marshall B. Rosenberg. Der Psychologe hat gerade am 6. Oktober seinen 80. Geburtstag gefeiert.

Als Teilnehmerin wagte ich mich zusammen mit einem guten Dutzend weiterer interessierter Menschen an dieses Angebot. Die Ankündigung klingt spannend: Die von Rosenberg "entwickelte Methode soll dabei helfen, sich klar auszudrücken und empathisch zuzuhören", heißt es dort. Und weiter: "Deshalb kann sie im Alltag, aber auch bei der Konfliktlösung im persönlichen, beruflichen oder politischen Bereich hilfreich sein."

Was machen diese Tage mit mir? Gespannt mache ich mich auf den Weg. Und lande erst einmal beim Abendbrot. Mit diesem Termin beginnt das Angebot. Es ist köstlich und befriedigt auch ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Ansonsten ist es nur gut, dass die Bahn Verspätung hatte und auf der Autobahn bei Nürnberg auch viel los war. So ist gleich für ausreichend Gesprächsstoff gesorgt! Denn da sich die meisten Teilnehmer noch gar nicht kennen, bildet die Verkehrslage ein dankbares Thema für die ersten Kommunikationsprozesse.

Dann geht's aber los: Die Diakonin und der Pfarrer, die Kita-Leiterin und die Finanzbeamtin, die Puppenspielerin und der PR-Berater lassen sich einführen in die Erfahrungswelt Rosenbergs. Der Psychologe landete als Jugendlicher mitten in den Rassenunruhen der amerikanischen Nachkriegszeit, erzählen Georgis Heintz und Ansgar van Olfen. Er habe sich aber daraus befreien können und schließlich Psychologie studiert. Später begab er sich sogar in Krisengebiete, um dort gegenseitiges Verständnis zu fördern.

Gewaltfreie Kommunikation will auch das eigene Bewusstsein hinter dem Kommunikationsverhalten verändern. Eine achtsame Lebenseinstellung konzentriert sich genau auf eigene "Gefühle und die Gefühle anderer und versucht die dahinter liegenden Bedürfnisse herauszufinden", so Heintz. Man gehe davon aus: "Alle Wesen handeln aus einem guten Grund heraus", so die Trainerin weiter. Selbst bei ungerechten Angriffen oder Forderungen. Neben dem äußeren Auslöser für eine mehr oder weniger angemessene Reaktion gibt es einen tieferen Grund, der sich aus der bisherigen Lebenserfahrung und den eigenen Bedürfnissen speist.   

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