Andacht: Der Schöpfung dienen

Insel Werd
Insel Werd am Übergang vom Bodensee zum Rhein. Foto: Bek-Baier

Es war zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte. Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. 

(aus 1. Mose 2)

Wenn ich im Sommer früh am Morgen ins Pegnitztal gehe, dann begegne ich einem Ehepaar, das einen großen Garten bewirtschaftet. Im Sommer und Herbst blüht es, dass es nur so eine Pracht ist. Daneben wachsen reichlich Gemüse und Beeren aller Art. "Wir bauen das meiste Gemüse, das bei uns auf unseren Tisch kommt, selbst an", erklärt mir die Frau auf meine Frage, ob die Ernte gut sei. Ihre Arbeit scheint belohnt zu werden.

In dem biblischen Abschnitt lese ich im Urtext, dass das Wort "bebauen" zwei Bedeutungen haben kann. Es steht für "arbeiten", und gleichzeitig beschreibt es auch den Dienst eines Sklaven. In der letzteren Übersetzung könnte man diesen Abschnitt dann so verstehen: Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, um ihm zu dienen.

Damit wäre der Acker eine Größe, der denjenigen oder diejenige, der oder die ihn pflegt, auch belohnt, nach dem Motto: Wenn der Mensch den Garten Eden in einer dienenden Funktion behandelt, dann wird er ihm auch viel vergüten.

In der Tat kann die Natur dem Menschen viel zurückgeben. Es muss aber eine Menge dafür gearbeitet werden, damit die Erde die Frucht hervorbringen kann. Ohne eine Bodenvorbereitung, ohne Gießen, Düngen, Hacken und Pflegen würde die Erde keine hohen Erträge hergeben. Diese Tatsache bestätigt mir auch das Ehepaar, wenn es sagt: "Jeden Tag arbeiten wir in aller Früh einige Stunden in dem Garten, damit auf dem Acker auch was wachsen kann." Es ist Naturromantik zu meinen, dass es einfach ist, das tägliche Brot der Erde abzuringen. An anderer Stelle erinnert die Bibel an diese mühevolle Arbeit auf dem Acker. "Dornen und Disteln soll dir der Acker tragen" (1. Mose 3,18).

In dieser Spannung leben wir heute. Es ist notwendig, den von Gott geschenkten Erdboden zu bebauen und zu bewahren. Dabei stellt sich die Frage: Wie soll es gemacht werden? Wie können wir Menschen der Schöpfung Gottes dienen, damit sie uns unseren Lebensunterhalt schenkt?

Bei der Nahrungsmittelerzeugung kümmert sich eine ganze Industrie darum, dass Dünger und chemische Mittel zur Verfügung stehen, um ein problemloseres Heranwachsen der Lebensmittel zu garantieren oder Insekten und störende Gräser zu beseitigen. Das Ziel ist eine höhere und sichere Nahrungsmittelproduktion. Diese Hilfsmittel haben aber zwei Seiten. Nicht umsonst lesen wir von Rückständen in den Lebensmitteln und im Boden. Es gibt also ein Handeln, das dem Boden und auch dem Menschen nicht dient. Für den Menschen besteht die große Herausforderung, einen Ausgleich zu schaffen zwischen einer naturnahen Nutzung der vorhandenen Ressourcen und einer wirtschaftlich verantwortungsvollen Gestaltung. Die Wirtschaftlichkeit bedingt häufig, dass Naturkreisläufe und die Umwelt hinten anstehen müssen. An dem Beispiel Nahrungsmittel lässt sich dies gut nach verfolgen.

Das Ehepaar ist im Ruhestand. Der Garten ist zu ihrem Lebensinhalt und Hobby geworden, und sie nehmen sich die Zeit, um ihn zu hegen und zu pflegen, und das Stückchen Land gibt ihnen viel zurück. Für das Auskommen einer Familie würde es nicht reichen.

Es wird für uns wohl auch kein Zurück geben, um so zu leben wie unsere Vorfahren. In unserer modernen arbeitsteiligen Welt haben wir aber durch unser tägliches Handeln und durch unseren Lebensstil Anteil an dem Umgang mit der Schöpfung Gottes. So gesehen besteht für uns alle - Produzenten und Konsumenten - die Herausforderung, wie dem Willen Gottes entsprechend die Schöpfung Gottes bebaut und bewahrt werden kann. 

                         Hans Zeller, Lateinamerikareferent bei Mission EineWelt