Hello Mrs. Father

Miriam Groß
Mit "Hello Mrs. Father - Hallo Frau Pfarrer" wird Miriam Groß vor der Kirche begrüßt. Foto: privat

Vom Leben und Arbeiten einer fränkischen Pfarrerin in New York

In der Ausgabe Nummer 32 haben wir von Miriam Groß berichtet, die nun seit Anfang September Pfarrerin an der St. Pauls Kirche in New York City ist. Für das Sonntagsblatt berichtet sie exklusiv aus ihrem Leben in einer der größten Städt der Welt.

Sechs Koffer mussten bepackt werden und viel bedacht sein: das Wichtigste für die nächsten drei bis vier Wochen bis unser Container ankommen wird. Also: Koffer füllen, wiegen, umpacken. Jedes Kilo wird ausgenutzt - und dennoch: zwei Erwachsene kommen mit vier Kindern, sechs Koffern, zwei Katzen nebst Handgepäck bei einer solchen Reise schnell an die Leistungsgrenze. Müde und angespannt überwinden wir die Einreise und sind glücklich, als wir die Kätzchen gesund in die Arme schließen können. Und dann erwartet uns ein wunderbares Willkommen: zwei Kirchenratsmitglieder begrüßen uns am Flughafen. Das neue Zuhause ist liebevoll für uns vorbereitet worden.

Erste Arbeitstage in St. Pauls

Gemeinsam mit meiner Sekretärin fahre ich das erste Mal nach Manhattan. Sie ist eine sehr gute Fahrlehrerin und navigiert uns sicher zu meinem Parkplatz vor der Kirche. Es ist ein ergreifendes Gefühl, als wir das Kirchengebäude betreten. Welch eine Ehre, hier in den nächsten Jahren Pfarrerin sein zu dürfen. Mittags genießen wir die wunderbare Spätsommersonne auf dem kleinen Platz vor der Kirche. Abends sitze ich auf unserem Sofa im neuen Pfarrhaus und bin einfach nur dankbar. Danke, Herr, für eine solch herzliche Sekretärin, für hilfreiche Hände und vor allem den Segen der letzten Tage!

Als ich mich nach einem Kirchenkaffee noch mit einigen Kirchenmitgliedern in der Sonne vor unserer schönen Kirche unterhielt, ging ein Spaziergänger an uns vorbei. Dann drehte er sich plötzlich um, lächelte mich an und sagte: "Hello, Mrs. Father!" Die Frage um Amtskleidung treibt uns Pfarrerinnen und Pfarrer irgendwann in unserem Leben um.

Soll ich, muss ich, darf ich als Geistliche erkennbar sein? Oder hebe ich mich damit ungebührlich von meiner Gemeinde ab? Zu meiner Ordination hatte ich ein weißes Kollarhemd bekommen. Doch irgendwie passte es gar nicht. Es kratzte, juckte und - ja, ich gebe es zu - sah einfach viel zu maskulin aus. Unter britischen und amerikanischen Kolleginnen und Kollegen ist es durchaus üblich, bei wichtigen Anlässen ein Kollar zu tragen, wenn auch dies römisch-katholische Ursprünge hat. Und es hat viele Vorteile, als Pfarrerin erkennbar und damit ansprechbar zu sein.    

                          Inge Wollschläger

Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 30. September 2018:

- Was auf den Tagesordnungen in Kirchenvorständen steht und was diese Gremien tun

- Oberkirchenrat Bierbaum: Religionsunterricht als Brücke zwischen Kulturen und Konfessionen

- Hört einander zu! Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, fordert gemeinsame Lösungssuche

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