Einen guten Samen legen

Karla
Karla mit ihrer neuen Schultasche. Foto: privat

Beeindruckender Widerhall auf unsere Leseraktion "Was gebe ich weiter?"

Karla hüpfte begeistert durch die Wohnung: "Hurra, ich freu mich so. Ich habe ja zwei Brüder und auch zwei Väter." Darauf ihr Papa: "He, habe ich was verpasst?" Karla antwortete: "Ein Bruder heißt Kai, der andere heißt Jesus. Ein Vater heißt Knut, der andere ist Gott."

Karlas Oma, Maria Hartl aus Wendelstein, schrieb dieses Erlebnis für das Sonntagsblatt auf. Ihre Zuschrift erreichte das Evangelische Sonntagsblatt bei unserer Umfrage: "Was gebe ich weiter?" Eine beeindruckende Resonanz und viele anregende Denkanstöße gelangten daraufhin auf die Schreibtische der Redaktion. Weiter berichtet Maria Hartl von ihrer Enkelin, die nun zur Schule kommt: Beim Abschied aus dem Kindergarten sagte Karla ihrer Erzieherin den Spruch: "Bevor ich kam auf diese Erde, hat Gott mich schon gekannt. Er wollte, dass ich geboren werde und hat mich beim Namen genannt." Ihn habe sie eigenständig aus dem Kindergebetsbuch gelernt.

Auch Fritz Meier aus Thiersheim ließ der Redaktion eine ausführliche Antwort zukommen: Die Frage habe ihn "gleich von Anfang an bewegt und mir ist dabei bewusst geworden, dass vieles, wofür ich in meinem 79-jährigen Leben im Rückblick danken kann, nur dadurch möglich war, weil andere Menschen ihre Zuwendung, Liebe und Freundschaft, ihre Erfahrungen und ihren Glauben an mich weitergegeben haben".

Und der langjährige Kirchenvorsteher weiter: "Was habe ich da nicht alles erlebt, das mein Leben reich gemacht? Mir Trost und Mut in schwerer Krankheit geschenkt hat? Ich sehe darin den Segen Gottes. Und den dürfen wir ja nicht für uns behalten. Den gebe ich gerne weiter an meine drei Kinder, acht Enkel und zwei Urenkel. Das Leben lässt sich nicht kopieren. Jeder muss seinen eigenen Weg finden und gehen. Aber wir können einander beistehen und begleiten und füreinander beten."

Marianne Winter aus Büchenbach wiederum pflegte ihre Großtante "bis zum letzten Atemzug". Sie habe da "die Hand gehalten, gestreichelt, den Schweiß abgewischt - wie es meine Patin und meine Mutter bei mir machten, wenn ich krank war". Und sie bekam viel zurück. Besonders wichtig ist ihr, Gottvertrauen, Achtung und Respekt empfangen und weitergegeben zu haben. "Unser Sohn am Hof fragt oft, wie würde die Patin oder der Opa entscheiden?"

"Ich habe keine Güter zum Vererben, keine Reichtümer angehäuft", beschreibt Friedl Bär aus Roßtal ihre persönlichen Erinnerungen. "Die Fliegerbomben des Zweiten Weltkrieges haben das 'Edle' zerstört, das Geld nach dem Krieg wurde verstudiert." Und weiter: "Meine Enkelkinder und manche Bekannte hören lange zu, wenn ich von früher, auch von der Kirche, erzähle. Sie möchten nicht mehr so leben. Wir aber wussten es nicht anders und waren auch aufs Ganze gesehen glücklich und zufrieden. Keine Zeit ist rückholbar, keine Zeit im Voraus zu genießen. Dass ich das alles noch kann, von früher erzählen, mich daran zu erfreuen und das alles noch bei klarem Verstand - das ist das Geschenk in meinem Alter."

"Ich hatte eine ganz schwere Jugend." Auch bei Monika Lange aus Trier legte der Krieg einen Schatten auf ihre Kindheit. Sie entdeckte das Sonntagsblatt bei einem Besuch in Rothenburg. "Einen Vater, schwerkriegsbeschädigt, der getrunken und geschlagen hat. Neben meiner Mutter war es der Herr Pastor, der mir Kraft und Trost gab. Ich habe versucht, unseren beiden Töchtern die evangelische Glaubenslehre weiterzugeben. Sie gehen beide nicht zur Kirche, wie wir es als Familie jeden Sonntag als Vorbild gemacht haben. Jahrelang habe ich eine Frau im Rollstuhl aus dem Heim vorher abgeholt und nachher nach Hause gebracht. Die Kinder waren vier und sechs Jahre, als mein Mann von einem auf den anderen Tag an bösartigem Krebs erkrankte. Nur unser Glaube und unsere Hoffnung haben uns geholfen, diese schwere Zeit durchzustehen."

Frieda Näpfel aus Weißenburg  erinnert ebenfalls an schwierige Zeiten. Doch die liegen schon weiter zurück. Sie schickte uns einen Brief ihrer Verwandten, Schwester Babetta Mößner aus Pappenheim, vom November 1921: "Alle Tage habe ich für 19 bis 20 Personen zu kochen und habe so wenig dazu. Fleisch und Mehl so teuer, die Eier so wenig, dass man sehr sparen muss, damit man bis Frühjahr auskommt und kein bisschen Fett im Hause - ist das nicht schwer? Wo soll das noch hinführen? Einen schweren Kampf kostet es, sich nicht von den Sorgen um das Irdische ersticken zu lassen und das eine, was Not ist, zu erfassen, dass wir das Ewige gewinnen."

Margarete Gundermann aus Elpersdorf bei Ansbach musste nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes gleich für die Landwirtschaft Verantwortung übernehmen. "Ich konnte nicht gleich alles hinwerfen." Und die Kinder mussten "tüchtig mithelfen." Doch jedes Kind konnte sich später beruflich verwirklichen. Später kümmerte sie sich gleich nach der Geburt um die Enkel. Inzwischen studieren sie. "Und meine Urenkelin rief mich vom Urlaub an und sagte, Oma, wenn ich wieder daheim bin, helf ich dir. Nun frage ich: Was soll ich da noch weitergeben?"

Luise Schneider aus Kammerstein weiß da eine einfache Antwort: Sie gibt einfach ihre Sonntagsblätter an ihre Freundin weiter.

Genauso steht die Roßtalerin Friedl Bär in dem Gesprächskreis ihres "Betreuten Wohnens" oft vor der Frage: "Ich habe nichts Wichtiges erlebt. Doch ihre Kindheit und Jugend, der Krieg, mancher freiwillige oder erzwungene Ortswechsel, ihre Ehe, Kinder und Enkel oder das Allein bleiben müssen - ist das nichts? Aber aufschreiben tut es keiner!"

Sie fährt fort: "Wir versuchen mit einem in der Tischmitte aufgestellten Mikrophon das Wesentliche zu bewahren. Unsere Alten sagen zwar in ihrer Rückschau 'Ach, hätte ich bloß gefragt ...'. Aber sie haben auch selbst manchmal niemanden, der sie fragt. Es hat sich in unserer Zeit viel geändert. Früher waren nur die Äußerungen der ,hohen Herrschaften' bemerkens- und berichtenswert. Die einfachen Leute lebten, liebten, darbten und starben. Und der Wind wehte über ihre Gräber hinweg. Heute werden auch ihre Erinnerungen geschätzt. Wir sehen das an den seitenlangen Zeitungsberichten zu den Jahrestagen der beiden Weltkriege. Wie ergreifend liest sich dieses Wollen und Helfen und Bangen!"  

                          Susanne Borée