Kupfer-Kochen
Kochen von Kupferkies und Flusspat. Von links: Archäologe Trommer, Silberschmiedin Bianca Hallebach, Restauratorin Ivonne Przemuß und Lucia Hallebach, die die Temperatur misst.

Die Entdeckung des Metalls

Ich stehe in Sichtweite der "Arche Nebra", dem Museumsgebäude das sich dem Fundort der Himmelsscheibe widmet. Die Scheibe ist aus geschmiedetem Kupfer. Schon am Ende der Steinzeit kam man darauf, dass Werkzeug aus Metall härter ist und dauerhafter als Stein. Dazu kam, dass das geheimnisvoll glänzende Material Schönheit suggeriert, und Begehrlichkeiten weckte. Mit dem Aufkommen des Metalls wachsen gleichermaßen die Konflikte der Menschheit. Die Menschen der späten Steinzeit und der frühen Bronzezeit - also ungefähr von 2.000 bis 1.600 vor Christus - fanden Kupfer noch relativ leicht an der Erdoberfläche. Man fand auch oxidierendes Gestein und wusste bald, dass hier Erze zu holen waren, die das Metall bargen. Erster Bergbau begann.

In dieser Zeit entstand die Himmelsscheibe von Nebra. Sie ist aus Bronze und musste damals allein schon einen sehr hohen materiellen Wert gehabt haben. Aber ihr religiöser Wert war wahrscheinlich viel höher. Sie wurde gebraucht, um die Zeiten für Saat und Ernte richtig zu bestimmen und über die Generationen zu überliefern. Am Ende ihrer Zeit bestattete man sie würdevoll und gab ihr Beigaben mit, die einem Fürsten angemessen waren. Hier in  Nebra wurde unweit des heutigen Museumsgebäude, der Arche die Scheibe auf dem Mittelberg gefunden. Er war der Platz, auf dem der geschmiedete Himmel - wie die Himmelsscheibe genannt wird - unter dem wahren Himmel gelesen und genutzt wurde. Wer die Scheibe herstellen liess und wer sie schließlich nach mehreren Jahrhunderten fürstlich bestatte, wird man wohl nie erfahren. Aber über ihr Umfeld und die Zeit in der das alles geschah weiß man viel. In einer Sonderschau kann man sich derzeit darüber in der Arche in Nebra informieren.

Lebensgeschichten

Ein stechender Geruch unterbricht meine Gedanken. Nebenan steht ein kleiner Verhüttungsofen aus dem es erbärmlich stink. Eine zierliche Frau ist eifrig dabei in einem sehr komplizierten Verfahren Kupfer zu gewinnen. "Ich bin Goldschmiedin und interessiere mich vor allem für das Material", erzählt mir Bianca Hallebach aus Plauen, während sie Flussspat in das Erzpulver mischt. "Wir haben Eisenerz verpocht, mit Flussspat vermischt und dann verbrennen und verdampfen wir die Schwefelanteile", erklärt mir die engagierte Frau. "Aha, Schwefel wird verdampft, darum stinkt es so." Heute hat Hallebach Kupferkies aus drei verschiedenen Bergwerken im Vogtland mit gebracht, berichtet sie.

"Wen man nicht alles so trifft", staune ich. Die Motivationen der Teilnehmer an diesem Kurs sind mannigfaltig. Die Lebensgeschichten auch, wie sich noch herausstellen wird. Warum nehmen gut zwanzig Menschen von heute an diesem Experiment teil? Es ist für mich überraschend, wer aus welchem Grund hier mitmacht. "Ich bin privat an Geologie und Mineralien interessiert und mache bei uns im Vogtland Führungen auf den Spuren und zu Stätten des Altbergbaus", erklärt mir die Thüringerin weiter. "Ein schönes Ziel wäre für mich, soweit zu kommen, dass ich mit der Schmelzarbeit heimisches Material zum Weiterverarbeiten gewinnen könnte", sagt die Goldschmiedin. Tochter Lucia ist bei den Exkursionen und Führungen mit ihrer Mutter dabei. Sie geht erst zur 7. Klasse, aber in Sachen Heimatkunde und Geologie dürfte sie ihre Klassenkameraden in die Tasche stecken."

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