Richental-Chronik
Eine Seite der Richental Chronik, die den Fischmarkt in Konstanz während des Konzils zeigt. Neben unterschiedlichsten Fischen, sind rechts Schnecken und Frösche zu sehen, die vor allem die Teilnehmer aus Frankreich und Italien bevorzugten und die im Thurgau gesammelt wurden.

Frösche für die Welschen

Obst, Gemüse, sogar Getreide und Fleisch. Der Bodensee liefert genügend Fisch. Konstanz ist unteranderem wegen der Lage am See ein guter Ort, wegen des Fischreichtums. Die Kirche kennt viele Fastentage, an die sich die Geistlichen halten mussten. Um frische Fische von älterem Fanggut unterscheiden zu können, müssen die Fischer ab dem zweiten Verkaufstag, der Ware den Schwanz abschneiden.

"Frösche und Schnecken für die Welschen" gibt es, heißt es in einer Aufzeichnung. Die "Richentalsche Chronik" zeigt auf einer Darstellung neben Fischen auch die Delikatessen für die französischen und italienischen Gäste. Diese sammelt man in den Sümpfen und Feuchtgebieten des Thurgaus. Aber auch "Bärentatze, Biber, Storch und Singvögel" werden gerne verspeist. Etliche dieser Tiere fängt man ebenfalls im Umland.

Der Rhein und die durchgehenden Reichsstraßen aus Deutschland, Italien und Frankreich garantieren wichtige Handelsverbindungen für Anlieferung von Nahrungsmitteln von weit her. Es ist in Konstanz ein großes Fass erhalten, in dem Salzheringe von der Nordsee-Küste angeliefert wurden.

Aber auch andere Nahrung hat weite Wege hinter sich: Die polnische Delegation führt eigens urwüchsige Wisente mit; teils als Geschenk an den Kaiser, teils zur eigenen Versorgung. Ebenso werde aus Polen Wagenladungen von Bier mitgebracht. Sozusagen als Getränke mit Sauberkeitsgarantie.

Weil die Zunftbäcker der Stadt nicht ausreichen, die vielen Gäste mit Brot zu versorgen, erlaubt der Rat wandernden Bäckern aus Italien und Frankreich frische Backwaren anzubieten. Es ist nachgewiesen, dass fahrende Backöfen durch die Gassen und über die Märkte von Konstanz geschoben wurden um ofenfrisches Backwerk zu verkaufen.

Ein Weltereignis

Im Herbst 1414 ist es soweit: Aus allen Herren Länder reisen die Theologen an. Aus England und Spanien, Frankreich, Italien, Polen, Skandinavien, ja sogar aus Äthiopien, nehmen sie teil. Kardinäle, Bischöfe, Rektoren der großen Universitäten, Äbte, Prälaten und nicht zuletzt Fürsten des Reiches. Mancher bringt eine Schutzmacht von mehreren hundert bewaffneten Soldaten mit. Alle haben einen Tross von Schreibern, Bediensteten und Knechten dabei. Das waren dauerhaft etwa 25.000 Menschen zusätzlich zu den etwa 6.000 bis 8.000 Einwohnern, die das mittelalterliche Konstanz zählt. Die Historiker rechnen sogar damit, dass während des Konzils bis zu 70.000 Menschen an den Bodensee kamen.

Bis zu vier Gäste sollen in einem Bett geschlafen haben. Anfangs hat man die Bettwäsche noch regelmäßig gewechselt. Nach einiger Zeit nur noch nach Monaten. Da die Übernachtungsmöglichkeiten in der Stadt naturgemäß nicht ausreichten, nächtigten etliche kirchliche Delegationen im Umland, wie in den Klöstern und Städten des Thurgau. Wenn sich die hohen Herren, die in Konstanz residierten, von den anstrengenden Verhandlungen erholen wollten, zogen sie ebenfalls ins Thurgau. Hier hatten ihre Gastgeber, die Patrizier, Gärten und Landsitze.

Doch woher wissen wir von diesem Ereignis so genau bescheid? => weiter