Fahrende Bäcker
Fahrende Backöfen aus Italien und Frankreich versorgten tausende Menschen mit Brot.

Neuer Schreibstoff: Papier

Doch woher wissen wir von diesem Ereignis so genau bescheid? Die Zeit um 1400 ist eine Zeit des Umbruchs und der Erfindungen. So wurde nur wenige Jahrzehnte zuvor in Nürnberg die erste Papiermühle eröffnet. Das Papier löst das teure Pergament als Schreibstoff ab. Nun besteht die Möglichkeit Dokumente und Briefe günstig zu erstellen. Das Konstanzer Konzil ist auch deswegen ein Meilenstein in der Geschichte, weil es zum ersten Mal in ungezählten Schriftstücken festgehalten wurde. Es  sind viele Briefe und Schriften überliefert, die nicht nur theologischen Inhaltes sind, sondern das Umfeld des Geschehens betreffen. Sie beleuchten das Konzil und seine Alltagsumstände besser,  als das jemals vorher geschehen war.Eine der wichtigsten Quellen über den Alltag in der Stadt und um das Konzil herum, ist die Chronik des Ulrich Richental, die in mehreren Handschriften erhalten ist. Die Richental Chronik

Der Sohn des Stadtschreibers hat vermutlich während des Konzils als Beobachter Notizen gemacht und sie später zusammengefasst. Die unterschiedlichen Ausgaben wurden umfangreich illustriert.

Dabei fallen einige Kuriositäten auf: Während in den meisten Exemplaren der Thurgau eine Rolle spielt, fehlt der Hinweis darauf in einer Abschrift ganz: Das Exemplar, das für die Stadt Konstanz selbst angefertigt wurde und heute im Kons­tanzer Rosgarten Museum zu sehen ist, stellt die Stadt in einem besonderen Licht dar. Von den 700 "Hübschlerinnen", den Dirnen, die Richental sonst nennt, hier auch kein Wort. „Es ist eine Art Werbeschrift nach dem Motto 'Wir können Konzil'", sagt Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe des Thurgau. Da will die Stadt nicht auf die große Rolle des Thurgau verweisen. Auch nicht, wenn Konstanz ohne das Umland das Konzil nicht - oder nur unter noch größerem Kraftaufwand - hätte gestalten können. Die Eingangsepisode, in der Richental die päpstlichen Exploratores durch den Thurgau führt, fehlt in diesem einen Exemplar ganz.

Warum? Als die Chronik etwa um 1425 geschrieben wurde, hatten sich die politischen Vorzeichen und die Zugehörigkeiten der Ländereien schon geändert. Zunächst gehörten das Thurgau und Konstanz zusammen. Im Jahr 1415 wird während des Konzils das Thurgau geteilt und auf eine Landgrafschaft reduziert. Die rechte Rheinseite wird zum Hegau. Schließlich schlagen sich die Landschaften zu den Eidgenossen und werden schweizer Kantone. Konstanz ist seines großen Hinterlandes beraubt worden. Auch wenn es sich immer wieder ins Spiel bringen will, Konstanz wird ohne das Thurgau nicht mehr die Möglichkeit haben, ein so großes Konzil zu beherbergen.    

                                                Martin Bek-Baier