Eine Landschaft ernährt ein Weltereignis

Rhein
Der Thurgau erstreckt sich südlich des Bodensees und des Rheins und ist eine fruchtbare Gegend für Obst, Gemüse, Getreide sowie bekannt für seine Vielfalt an Fischen. Fotos: Bek-Baier

Das Konstanzer Konzil und das Thurgau - eine gelungene Symbiose

Es war das größte internationale Treffen im Spätmittelalter: Zum Konstanzer Konzil kamen die Eliten aus Theologie und Politik zusammen. Hier wurde nicht nur Kirchengeschichte geschrieben, sondern auch Weichen für die europäische Geschichte gestellt. Am 5. November 1414 begann es und sollte vier Jahre andauern. Das Sonntagsblatt begleitet das Jubiläum bereits. Diese Großveranstaltung bedurfte einer guten Vorbereitung und einer ausgeklügelten Logistik. Ohne das Konstanzer Umland wäre dies nicht zu bewältigen gewesen. Daher richtet unsere kleine Begleitserie das Augenmerk auf das Thurgau. Heute ein schweizer Kanton, gehörte es zunächst zur Stadt Konstanz und war Voraussetzung für das Gelingen des Konzils.Die päpstlichen Gesandten sind begeistert. Weite Felder und Äcker, Wiesen und Obstbäume. Dazu Bäche, der Rhein und die reichen Gestade des südlichen Bodensee. Ein gut ausgebautes Wegenetz durchzieht die Gegend: Handelsstraßen aus dem Süden und die Verbindungsstraße zwischen Konstanz und dem Bistum St. Gallen führen vorbei an reichen Klöstern und lebhafte Städtchen.Beginn mit einer Expedition

Die Welt will 1414 nach Konstanz kommen. Der Chronik nach begann alles mit dieser Exkursion ins Thurgau, jenem beschaulichen Landstrich südlich des Bodensees. Ulrich Richental, Sohn des Stadtschreibers von Konstanz, reitet mit den hohen Herrn aus dem Stab des Papstes Johannes XXIII. durch das leicht hügelige und sehr fruchtbare Land, das zu Konstanz gehört. Richental wird seine Eindrücke vom Konzil später niederschreiben und diese werden in einer bunt bebilderten, ausführlichen Chronik veröffentlicht. Sie beginnt mit seinem Ausritt der Gesandten. Die Exploratores, so nennt man die päpstliche Delegation, sollen heraus finden, ob sich Konstanz zu einem Konzilsort eignet.

Warum aber ein Konzil und warum in Konstanz, nicht in Rom oder einer anderen Metropole? Der Motor hinter der Idee, ist der deutsche König Sigismund. Er will Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation werden. Doch die Kirche ist gespalten. In einem Schisma bekämpfen sich drei erbittert konkurrierende Päpste. Sigismund brauche Ruhe im Reich und nur einen Papst, der ihn dann zum Kaiser krönen würde. In Italien herrschen mit Benedikt XIII. (Rom) und Johannes XXIII. (Pisa) zwei und in Frankreich mit Gregor XII. (Avig­non) ein Papst. Eine deutsche Reichsstadt, dem König untertan, ist die Lösung.

Das Konzil wird bedeutend und sehr, sehr groß werden. Papst Johannes XXIII., der einflussreichste der drei Päpste, möchte eigentlich gar kein Konzil. Doch schließlich erhofft er sich, dass er aus dem Konzil als Sieger und alleiniger Papst hervor gehen würde. Auf keinen Fall will er an den Bodensee, auf deutschen Boden kommen. Wenn, dann möchte Johannes in Pisa bleiben. Aber er kann den mächtigen König nicht grundlos abweisen. Er hofft, dass seine Kommission ihm schreibt, dass Konstanz zu klein ist und der Thurgau nicht ergiebig genug um ein Konzil zu ernähren. Doch die Exploratores sind begeistert. Durch Rhein und Reichsstraßen war Konstanz gut erreichbar. Das Thurgau ist fruchtbar.

Frösche für die Welschen - wie ernährte der Thurgau das Konzil? => weiter