Religionsunterricht macht Spaß

Anna Scheuenstuhl
"I love LABI": Das T-Shirt mit der "Liebe" zum Landesbischof trug Anna Scheuenstuhl, als sie in Trautskirchen Mitglied der Dekanatsjugend war. Die Kinder der 4. Klasse aus Augsburg haben ihr zum Abschied ein Segensplakat geschenkt. Foto: Bek-Baier

Besuch bei Anna Scheuenstuhl in Augsburg

Schon ein Parkhaus zu finden ist hier mit dem Auto schwer. Die Innenstadt in Augsburg, ganz nahe an St. Anna, der evangelischen Kirche im Zentrum der Stadt, ist eindeutig für Fußgänger geschaffen.Im Zentrum Augsburgs


In einer Mansardenwohnung lebt hier die angehende Religionspädagogin Anna Scheuenstuhl (26). Man muss sagen wohnte, denn kurz nach unserem Besuch zog sie wieder ins Fränkische, in den Heimatort Trautskirchen bei Neustadt an der Aisch. Die Religionspädagogikstudentin, hatte hier in der schwäbischen Hauptstadt ihr 5. und 6. Semester im Praktikum verbracht. Wobei sie den gemeindepädagogischen Teil im nahen "Evangelischen Forum Annahof" absolvierte.
"Am schönsten fand ich es, hier an der Grundschule zu unterrichten", sagt die Praktikantin. "Es ist so einfach für Kinder zu glauben, dass Jesus den Blinden geheilt hat.  In diesem Alter haben sie noch einen ganz einfachen Zugang zu den biblischen Geschichten." Scheuenstuhl unterrichtete auch in höheren Klassen und in der Berufsschule. Doch nur von den Kleinen hat sie ein selbstgemachtes Plakat mit einem Segenswunsch und den Handabdrücken der Kinder mit auf den Weg bekommen - das sie in Ehren hält.

Hauswirtschaft kam zuerst

Die Ausbildung zur Religionslehrerin blieb allerdings lange Zeit für Scheuenstuhl nur ein Traum. "Zuerst habe ich die Betriebsleitung für Ernährung und Versorgung abgeschlossen", was früher einfach "Hauswirtschaftliche Betriebsleitung" hieß, erzählt die Fränkin. An der Fachakademie für Hauswirtschaft konnte sie das Fachabitur machen. "Da war mir klar, ich studiere Religionspädagogin." "Ich hatte selbst an der Schule eine Religionslehrerin, die ich sehr gut fand", erinnert sie sich. "Sie war einfach pfiffig und sehr locker und hat jeden im Unterricht mitgenommen!" "Sie hat gezeigt, dass Religion cool und nicht langweilig ist und dass Glaube Spaß machen kann."

Bei einem Weihnachtsgottesdienst fasste die damals elf Jahre alte Anna einen für ein Kind ungewöhnlichen Entschluss: "Ich gehe ab heute zu jedem Gottesdienst." Das Umfeld fand das seltsam. "Alle haben mich gefragt, was ist mit dir los?" Doch sie nahm ihren Entschluss ernst und hielt ihn bis nach der Konfirmation eisern durch. Religion und Glaube waren schließlich wichtig und machten Spaß.

"Ich erinnere mich, dass meine Oma immer Tim und Tinas Sonntagsblättchen für mich gesammelt hat." "Ich habe das Sonntagsblatt seit der Grundschule ausgetragen." Danach übernahmen es die Geschwister. Der Bruder trägt es heute noch aus.

Liebe für den LABI

"I love LABI", steht auf dem T-Shirt das Anna Scheuenstuhl heute trägt. "Ich liebe den Landesbischof, das T-Shirt habe ich mir machen lassen, als der Landesbischof das Dekanat Neustadt-Aisch besucht hat." "Ich habe ein Interview mit ihm für die Dekanatsjugend gemacht und er fand das nett, denn er hat es gleich auf seine Facebookseite gepostet."

Anna Scheuenstuhl hat viele Jahre in der Dekanatsjugendkammer mitgearbeitet und war in ihrer Heimatgemeinde im Kirchenvorstand. Sie wurde als Jugendvertreterin berufen. "Ich wollte mich in der Gemeinde für Kinder- und Jugendarbeit stark machen." Schon als Kind besuchte sie Jungschar und Teeniekreis. So wuchs sie in die Mitarbeit hinein. In der Nachbargemeinde arbeitete sie in Kindergottesdienst, Jungschar und Kinderbibeltag mit.

Auf einem Kirchentag entdecke Scheuenstuhl ein Buch eines christlichen Verlages: "Lebe leichter". Es ist ein Abnehmprogramm mit christlichem Hintergrund - keine Diät sondern eine Ernährungsumstellung. "Dabei kann ich essen, was ich mag, aber in der richtigen Ausgewogenheit." Dahinter steht der Gedanke "Du bist gewollt, wie du bist, du bist wertvoll", erklärt Scheuenstuhl den tieferen Sinn des Programms. "Es ist ein Erfolg wenn jeder einen anspricht, ob man abgenommen hat." Da es bei ihr so gut funktionierte, machte sie die Ausbildung zur Trainerin. "Die Hauswirtschaft hat mich also nicht ganz losgelassen", sagt sie schmunzelnd. Den ersten Kurs gab sie in Marktbergel mit großem Erfolg.  Es geht dabei nicht nur darum Kilos loszuwerden, sondern auch inneren Balast: "Lass los, was dich beschwert."

Geld spielerisch verdienen

Jetzt im August geht es erstmal ans Geld verdienen für das nächste Semester. Seit fast zehn Jahren macht sie Ferienarbeit bei Playmobil. "Das erste Mal war ich schockiert von der Arbeit am Fließband und ich habe die bewundert, die das 30 Jahre und mehr schon machen." Nach drei Tagen hat ihr alles weh getan. "Jetzt denke ich die meiste Zeit über mich nach, plane etwas, oder ich singe ein Lied." "Manchmal erwische ich mich, dass ich eine ganze Zeit lang nichts gedacht habe, sondern nur die Päckchen mit den Spielfiguren eingelegt habe." Zu Beginn des Wintersemesters wird sie dann nach Nürnberg ziehen und ihr Studium fortsetzen. Das nötige Geld hat sie sich dann verdient.    

                           Martin Bek-Baier

Mehr im Internet unter http://lebe-leichter.com


Außerdem lesen Sie unter anderen in unserer gedruckten Ausgabe vom 24. Juni 2018:

- Der Ökumenische Rat der Kirchen wird 70 - ''Er ist genau das, was die Welt braucht!''

- Kein Frieden für alle in Sicht: Das ''Friedensgutachten 2018'' wurde in Berlin vorgestellt und kommentiert

- Versteinerte Psalmen: 25 Jahre Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt

=> Interesse an diesen Artikeln der gedruckten Ausgabe?

Diese, die wöchentlichen Rätsel und vieles mehr können Sie bei unserem kostenlosen Probeabo entdecken

=> Gleich online bestellen

 

 

www.kirchenpresse.de - Evangelische Wochenzeitung im Internet

 

 

Das Evangelische Sonntagsblatt finden Sie jetzt auch auf der

=> "wertvollen" Facebook-Seite

 

Wertvoll-Logo