Kommentar: Wie verheize ich Ehrenamtliche?

Borée
Susanne Borée

Anleitung zum Selbermachen. Nach tatsächlichen Erlebnissen

Eines schönes Sonntagvormittags in einem Gemeindehaus: Eine ehrenamtliche Helferin rückt an mit zwei prall gefüllten Taschen. Noch 20 Minuten bis zum Beginn des Kindergottesdienstes. Bevor sie die Mädchen und Jungen in der Kirche einsammelt, will sie schnell noch alles vorbereiten. So viele Ideen hatte sie, da soll der Raum doch entsprechend vorbereitet sein. Doch was sieht sie da? Der Gemeindesaal ist bereits randvoll gefüllt mit festlich gekleideten Menschen. Die Jubelkonfirmanden, die sich vor dem festlichen Einzug in die Kirche genau dort sammeln. "Ja, das geht aber nicht", so der Pfarrer, den Raum auch noch für Kinder vorzubereiten. Der Kindergottesdienst findet dort ja immer nur sonntags statt. Da braucht er nicht noch extra auf diese besondere Feier hingewiesen zu sein! Ebenso wenig, wie sich mal anderthalb Gedanken bei der Raumplanung zu machen!

Szenenwechsel: Immer noch mit unserer Leid geprüften Kindergottesdiensthelferin. Am Tag vor dem Kinderbibeltag erreicht sie ein Anruf - diesmal vom Diakon. "Ja, in unserem Team sind wir jetzt nur noch zu Dritt. Machst du den Empfang?" Hatte sie jemals zugesagt, überhaupt beim Kinderbibeltag mitzumachen? Der Diakon hatte doch im Vorfeld von so vielen seiner Ideen gesprüht, so dass er es für überflüssig hielt, zu einem Teamtreffen zehn Tage zuvor zu kommen. Er stellt klar: "Ja, aber ich habe doch nicht gesagt, dass ich auch alle diese Ideen selbst durchführen will." Diesmal zieht sie einen Schlussstrich: "Was ich nicht mit geplant habe, führe ich auch nicht mit durch." Punkt.

Zum kirchlichen Ehrenamt gehört doch nun einmal eine gewisse Leidensfähigkeit. Fürs Ego gibts ja schließlich jedes Jahr diese Abende im dunklen Januar zum "Mitarbeiterdank", an denen die Ehrenamtlichen auf Kosten der Kirchengemeinde den restlichen Weihnachtskuchen futtern dürfen.

Na, soll unsere Ehrenamtliche doch andere für ihre Ideen mitreißen. Nur ist sie leider eher der stille Typ. "Sollten nicht Pfarrer und Diakone andere begeistern? Den Geist Gottes weitertragen?", fragt sie. Den letzten Satz sehr leise. Wann verstummt sie?

Ach, da sollen Pfarrer und Diakone auch noch Ehrenamtliche motivieren? Neben dem wöchentlichen Handstand bei der Predigt, um überhaupt Aufmerksamkeit zu erregen? Oder den sonstigen Attraktionen? Achtsamkeit im Alltag oder gar Motivation der stillen Seelen der Gemeinde - welch ein Luxus. Unsere Helferin hat ohnehin das Gefühl, nicht für zuverlässig gehalten zu werden.

Dafür hat der Diakon jetzt eine neue Stelle angetreten. Noch nicht einmal zu einer Abschieds-E-Mail hat es gereicht. Wozu? Schließlich gibt es doch die örtliche Gerüchteküche.

"Ich würde mich ja gerne weiter in die Gemeinde einbringen", so unsere etwas naive Kindergottesdiensthelferin. Zwar hat sie neben Beruf und Familie nicht alle Zeit und Kraft der Welt - aber sie will unbedingt ihren kleinen Sohn gemeindlich verwurzeln lassen! Und dann auch noch selbst mit dabei sein! Und was wünscht sie sich? Dass die Verantwortlichen der Gemeinde nicht ihre Planungsschwierigkeiten an die Ehrenamtlichen weiterreichen. Mehr Aufmerksamkeit füreinander.

"Das Komische ist ja, die Bibeltexte sprechen seit langem wieder zu mir, wenn ich sie für die Kinder lese." Nur leider nicht Gottes Bodenpersonal auf Erden. Tja!    

                     Susanne Borée