Freiheit für Jan Hus!

Dorothea von Choltitz und Holger Müller
Religionspädagogin Dorothea von Choltitz und Pfarrer Holger Müller vermitteln mit kreativen pädagogischen Konzepten Jugendlichen die Zeit des Konzils. Foto: Borée

Konfirmanden und Konzil: ein Widerspruch?

Lässt sich Jan Hus befreien? Rund um den angeblichen Ketzer und einem geheimnisvollen Meisterdieb  entfaltet sich ein atemberaubender historischer Krimi. Das Besondere: 15 Schüler aus der 7. und 8. Klasse des Konstanzer Heinrich-Suso-Gymnasiums haben ihn verfasst. Zum Konstanzer Konzil vor genau 600 Jahren nimmt der 16-jährige Italiener Frederico Quartier bei der Familie der schönen Fischertochter Clarissa. Er ist einem Geheimnis auf der Spur. Doch zu den Hauptpersonen gehören auch die historischen Stätten der Altstadt. Mit verteilten Rollen lassen sich immer einzelne Szenen vor Ort spielen - und vermitteln wertvolle Informationen über sie.

"Denn was sie selbst vorstellen", so Religionspädagogin Dorothea von Choltitz, "vergessen die Schüler bestimmt nicht mehr." Die Religionspädagogin und Pfarrerin ist Teil eines Teams, das das Konstanzer Konzil religionspädagogisch nutzt. Also: Die ferne Zeit, das fremdartige Konzil über 600 Jahre hinweg heutigen Konfirmanden und Schülern nahe zu bringen. Der regionale Arbeitskreis der christlichen Kirchen und die ökumenische Projektgruppe arbeiten seit 2008 daran, dieses historische Potential aufzubereiten.

Zum Konzilsjubiläum hat Pfarrer Holger Müller mit seinen Mitstreitern neben dem Schüler-Roman einiges vorzuweisen: Ein Konzils-Quiz, ein Hus-Spaziergang fürs Smartphone oder Geocaching - also eine digitale Schatzsuche für Jugendliche.

Monika Pätzel, Leiterin des City Pastorals, organisiert von katholischer Seite aus etwa eine Interna­tionale "Nacht der Lichter" für den 15. November. Dies soll ein breites Taizé-Treffen mit umfangreichem Konstanzer Vorprogramm werden.
Nicht nur für junge Besucher der Stadt hat der Arbeitskreis einen ­Führer für mobile Endgeräte wie Smartphones erstellt. Die App begleitet die Interessierten interaktiv zu den wichtigsten Stationen von Jan Hus in Konstanz. Das erfolgt dann entweder chronologisch, oder die Nutzer können auch einzelne Stationen gezielt aussuchen. "Da steckt Herzblut drin", so Holger Müller. Über zwei Jahre hinweg erarbeitete das Team die Stationen. Auch das religionspädagogische Institut in Karlsruhe hat viel virtuelles Material zum Thema bereitgestellt.

Denn Martin Luther und die Reformation ohne das Spätmittelalter zu verstehen - wohl ein Ding der Unmöglichkeit! Das finden nicht nur die Mitglieder des Arbeitskreises. Da nutzen sie ihr regionales Großereignis, um die dunkle Zeit des Spätmittelalters für Schüler und Konfirmanden heller aufscheinen zu lassen.         

                     Susanne Borée

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