Andacht: Offene Türen und offene Herzen

Gospelchor
Der Gospelchor Thlokomela aus Windhuk. Foto: privat

So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe. Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: wenn jemand predigt, dass er's rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er's tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus.

1. Petrus 4,7-11

Gespannt steht das Empfangskomitee am Bahnhof und wartet auf den einfahrenden Zug. Die Gäste sind weit gereist, sie kommen aus Namibia. Es ist der Gospelchor Thlokomela aus den Armenvierteln rund um die Hauptstadt Windhuk. Lange wurde für den Besuch geplant. Die 14 Gäste sollen in Gastfamilien untergebracht werden. Anfangs war es schwer, Menschen zu finden, die ihre Wohnung öffnen. Doch bei der Ankunft ist dann doch alles gerichtet und die Betten gemacht. Fragen stehen im Raum. Was sind das für Leute? Wie wird es wohl werden? Was mögen sie gern zu Essen? Dann rollt der Zug endlich im Bahnhof ein. Schnell sind die Gäste entdeckt und begrüßt. Eine gewisse Scheu ist auf beiden Seiten zu spüren. Passen wohl die Gastfamilien zu den jeweiligen Gästen? Immerhin liegt vor ihnen eine Woche gemeinsames Leben.

Am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus entsteht der 1. Petrusbrief. In dieser Zeit sind erste größere Christengemeinden bereits gewachsen. Die Menschen erlebten damals schon den Beginn von Verfolgungen und Unterdrückung. In dieser Lage sind Verbundenheit und Verbindlichkeit für die Gemeinden lebenswichtig. Dazu fordert der Verfasser die Leserinnen und Leser auf. Und er nennt dabei zwei Aufgaben: Bedingungslose Gastfreundschaft und gegenseitiges Dienen. Beide Aufgaben waren scheinbar schon damals eine Herausforderung für die Gläubigen. Vielleicht haben sie die Erfahrung gemacht, dass ihre Hilfsbereitschaft ausgenutzt und ihre Gastfreundlichkeit missbraucht wurde. Oder hinter der Zurückhaltung steckt ein Stück eigene Angst und Unsicherheit.

Über diesen beiden Aufgaben steht als Überschrift die geschwisterliche Liebe. Sie bindet alles zusammen. Es ist die Liebe, die Menschen in der Beziehung mit Gott spüren. Als geliebte Kinder Gottes können wir diese Liebe in Worten und Werken an andere weitergeben. Im Schein dieser göttlichen Liebe geschieht auch untereinander Vergebung und Versöhnung.

Der Briefeschreiber erinnert uns: Öffnet euer Herz und packt an, wo ihr gebraucht werdet. All das geschehe zum Lob Gottes.

Nun ist die Woche mit dem namibischen Chor wie im Flug vergangen. Über tausend Menschen haben ihn erlebt, von den Kindern im Kindergarten bis zu den Senioren im Pflegeheim, in Konzerten und Workshops. Die Menschen waren begeistert. Die anfängliche Scheu ist verflogen. Zuerst öffneten sich die Türen der Häuser, dann die Herzen der Menschen. Die Begegnungen waren für alle Seiten bereichernd. Freundschaften sind entstanden. Diese Begegnung brachte neuen Schwung in das Leben der Gemeinde. Beim nächsten Besuch im folgenden Jahr meldeten sich mehr Gastfamilien als nötig für die Unterbringung der Gäste.

                         Pfarrer Wolfgang Böhm, Neu-Ulm

Gebet:

Gott, gib uns offene Augen und ein offenes Herz. Amen.


Lied: 

EG 649: Herr, gib du uns Augen

 

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