Heimatlich
"Heimat ist da, wo glückliche Erinnerungen wachsen", ist auf einem Schild an der Eingangtüre der Familie Groß zu lesen.

Kennenlernen - in bitterster Kälte

Im Februar waren Miriam und Ehemann Herbert zum Kennenlernen der Gemeinde, der Kirche und des Pfarrhauses in New York. "Bitterkalt war's da",  erinnert sie sich an das subkontinentale Klima, was bedeutet: im Sommer tropisch heiß, im Winter eiskalt. Das Pfarrhaus tief verschneit und großzügig geschnitten für alle, mitsamt der Katzen.

"Dass man eine Gemeinde vorher kennenlernen kann, ist großartig! Man kann spüren, ob die Chemie stimmt. Das sollte man in Deutschland auch so einführen. Denn das ist in der Regel nicht üblich!" Bei Sandwiches wurde sie von der Gemeinde und vom Kirchenvorstand befragt. "Es war nie fremd. Es war wie eine Art Heimat für mich. Auch, dass die Menschen wissen wollten, wie es meinem Mann dabei geht - das war eine ganz neue Sichtweise, die wir so noch nicht kannten. Das
man sich in der Kirchengemeinde wirklich auch für das Privatleben ­interessiert und Anteil nehmen möchte."

Heimat, ist für Miriam Groß und ihre Familie da, wo sie zuhause sind. Wo das Herz ist und glückliche Erinnerungen wachsen, wie ein Gruß an der Tür den Besuchern zeigt. Ihre Kinder kennen es nicht anders und auch ihr Mann zieht mit. Für ihn wird es in den USA keine Arbeitserlaubnis geben - vorerst. "Ich werde sehen, wie sich das entwickeln wird und wo ich meinen Platz finden werde",  sagt er. "Ich werde dort wohl auch so Grundlegendes und Vertrautes wie die fränkische Bratwurst vermissen", grinst er.

Langweilig wird ihm nicht, allein schon wegen der Kinder. Sie werden an eine kleine deutsche Schule gehen. Knapp 140 Schüler gibt es dort. "Ganz anders als in der Schule in München", freut sich Raphaela. Klein und überschaubar in New York? "Das ist kein Widerspruch. Ähnlich wie die Geschichte mit der Kirche: Mitten in dieser lauten und hektischen Stadt ist es ein Ort der Ruhe und der ­Besinnung, der gepflegt werden will. Ein Ort, wo Menschen durchschnaufen können. Einheimische wie Touristen gleichermaßen."

Auf die amerikanische Gelassenheit, die sie von ihrer Kindheit noch kennt, freut sich Pfarrerin Groß. "Da ist es egal, ob du nachmittags zuhause noch im Pyjama unterwegs bist. Das stört keinen. Andererseits muss man auch damit rechnen, dass das Kirchenmitglied, das heute im Pyjama unterwegs ist, morgen im Geschäftsanzug vor einem steht und dann ein ganz anderer 'Typ' ist. Das muss man wissen."

Das Einzige, was sie bedauert ist, dass ihr Vater all das nicht mehr miterlebt hat. Kurz vor seinem Tod hatte er ihr erzählt, dass sein erster Berufswunsch der des Pfarrers war. Nun wird sie bald über die Orkney-Inseln der Vorfahren ins Land des Vaters ziehen.

"I know my place!", sagt sie mit bestem Akzent. "Ich kenne meinen Platz. Letztlich bin ich eine Gut-Lutherische Pfarrerin aus Franken." Und das wird sie in Zukunft in einer der größten Städte der Welt sein.

                                                   Inge Wollschläger

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