Markus Meckel
Markus Meckel (links), Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V., bei der zentralen Gedenkstunde der Opferverbände beider Seiten an der internationalen Kriegsgräberstätte in Metz-Chambière. Foto: Borée

Was hielt die Soldaten aufrecht?

"Pflichterfüllung", meint der schwedische Naturforscher und Entdecker Sven Hedin, der von September bis November 1914 als Kriegsreporter direkt hinter den deutschen Linien unterwegs war und darüber schrieb. "Wir müssen Gott danken für seine Gnade, dass er uns jetzt in der Stunde unserer Heimsuchung in unserer schwersten aber auch größten Zeit so einig und stark gemacht hat." So zitiert er zustimmend aus der Predigt eines evangelischen Feldpredigers. Hass oder blindes Wüten beobachtet er nicht. Immer wieder bringt Hedin Beispiele, wie anständig sich die Deutscheen gerade gegenüber verwundeten Kriegsgefangenen verhielten - und speist mit Fürsten zu Abend.

"Alle private Trauer hat zunächst zurückzutreten", selbst bei den Fürsten. Der bayerische Kronprinz Rupprecht hatte erst gerade seinen 13-jährigen Sohn durch einen zivilen Unfall verloren. Seitdem wissen wir, dass eine solche Selbstaufgabe den Boden für Schlimmeres bereitet.

Sind sie gescheitert, die Konsequenzen, die Albert Schweitzer aus dem Ersten Weltkrieg zog? Natürlich nicht persönlich, führte er doch nach dem Ersten Weltkrieg mit ungebrochenem Engagement seine heilsame Tätigkeit im Tropen-Hospital Lambarene weiter. Doch haben die Menschen wirklich inzwischen begriffen, wie sich von ihnen verursachtes Leid begrenzen lässt?

"Heute leben wir in der Überzeugung, aus der Geschichte gelernt zu haben", so Markus Meckel, Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V. und letzter DDR-Außenminister anno 1990. Er sprach am 2. August bei der zentralen Gedenkstunde der Opferverbände beider Seiten an der internationalen Kriegsgräberstätte in Metz-Chambière. Natürlich ist es schon ein riesiger Fortschritt, dass in Zentraleuropa so ein gemeinsames Gedenken möglich ist. Aber schon an den Rändern des Kontinents siegt immer noch Hass und Fanatismus: "In der Ukraine, in Syrien und im Nahen Osten sterben Menschen wie hier vor einhundert Jahren", so Meckel, "und wir sind wie gelähmt."

                                                   Susanne Borée

Mehr zum Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge , Landesverbanf Bayern, im Internet unter http://www.volksbund.de/bayern/bayern-aktuell.html

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