Wozu?

Soldatendenkmal
Denkmal am Soldatenfriedhof unweit des Wettstein-Kopfes. Foto: Borée

Auf Spurensuche entlang der Frontlinien des Ersten Weltkrieges in Elsass-Lothringen

Warum all das Leiden? Warum Tod und Verstümmelung? "Ehrfurcht vor dem Menschenleid und Menschenleben, vor dem Kleinsten und Unscheinbarsten sei hinfort das eherne Gesetz, dass hinfort die Welt regiere." Niemand anderes als Albert Schweitzer begann mit diesen Worten eine Predigt zur ersten Adventszeit nach dem Krieg. Bereits am 1. Dezember 1918 stellte sich der Elsässer diesen Fragen nach dem Grund des Leidens. Er versuchte sich gar an einer Antwort: Die Toten gäben uns den Auftrag, endlich Verantwortung zu übernehmen, "Ehrfurcht vor dem Menschenleben" ernst zu nehmen.

Nicht nur auf den Schlachtfeldern von Flandern und Verdun, sondern auch im Elsass tobte der Stellungskrieg nach 1914. Der strategisch bedeutsame  Hartmannsweiler Kopf in den Vogesen südwestlich von Colmar etwa steht für verlustreiche, aber letztlich sinnlose Kämpfe. 30.000 Soldaten mussten hier ihr Leben lassen. Die Kuppe war schließlich von keiner Seite zu erobern. Hier trafen sich am 3. August Bundespräsident Joachim Gauck und sein französischer Kollege François Hollande zum zentralen Gedenken an den Kriegsausbruch vor hundert Jahren.

Bedrängend auch ein Besuch in den Schützengräben am Linge-Kopf westlich von Colmar, die heute noch erhalten sind. Dicht an dicht liegen die Gefallenen beider Seiten. Gerade bayerische Landwehrdivisionen waren dort eingesetzt. Die engen und selbst im Sonnenschein rutschigen Schützengräben vermitteln einen berührenden Eindruck der Kriegswirklichkeit vor einem Jahrhundert.Besonders sinnlos scheint das Opfer beim ersten Gefallenen des Krieges. Der 22-jährige deutsche Leutnant Albert Mayer fiel bereits vor der offiziellen Kriegserklärung an Frankreich, am 2. August um exakt 9.59 Uhr. Er fand bei Colmar seine letzte Ruhe. Nur wenige Atemzüge später folgte ihm sein französischer Gegner, der 21-jährige Korporal Jules-André Peugeot in den Tod. 

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