Bert M. Geurten
Journalist Bert M. Geurten verwirklicht am Bodensee seinen Traum.

Der Duft des Mittelalters

"Halt. Merken Sie das? Hier wird die Luft ganz anders", hält Geurten  abrupt seine Besucher zum Stehenbleiben an. Auf einem Stein steht in karolingischen Minuskeln "Campus Galli" - "Feld des Gallus". Der erste Missionar der Region ist Namenspatron für das Projekt. "Hier, am Eingangsstein, wird es karolingisch!", fährt der Projektleiter bedeutungsschwanger fort. Man ist bis hierher bereits einige hundert Meter durch eine blühende Wiese gelaufen, die nur aus Blumen und Gräsern besteht, die in der Karolinigerzeit in Mitteleuropa  gediehen. Nun beginnt erst das Bauareal. Auf einem Rundweg kommt man an Bauhütten, Schmieden, Töpfereien und anderen Handwerkerhäusern vorbei, in denen Menschen etwas mit ihren Händen herstellen. Es sind gelernte Handwerker oder ehemalige Hartz IV-Empfänger, die hier eine Anstellung gefunden haben.

Freilich braucht man noch viel Phantasie. "Hier wird einmal die Kirche mit ihren 20 Meter hohen ­Glockentürmen stehen", schwärmt der Bauherr und zeigt auf ein Waldstück aus Gestrüpp. "Nach der Regel des Benedikt soll der Mönch alles auf der Baustelle finden, was er braucht. Schon allein deswegen um nicht von den Versuchungen der Welt abgelenkt zu werden." Achteinhalb Hektar groß ist das Areal auf dem gebaut wird. 52 Gebäude werden nach seiner Überzeugung künftig hier stehen und von den Glockentürmen überragt werden. Im Moment ist das noch ferne Zukunftsmusik und es ruft ein Schallbrett mit seinem hölzernen Pochen die Arbeiter zusammen. "Echt mittelalterlich", strahlt Geurten. Sein Optimismus ist unbeschreiblich.

"Das Bauen ist das Ziel", erläutert Geurten sein Motto. Das Zuschauen,  wie etwas entsteht, macht den Reiz des Projektes für ihn aus. "Sie sehen jetzt, dass da das Fundament für die  Holzkapelle gelegt ist. Im Herbst wenn sie wieder kommen, steht die Kapelle."

Wenn Geurten begeisternd von seiner Idee spricht, benutzt er meist die erste Person. Er wurde in den Medien schon als "Sonderling" bezeichnet, der beredt die Politiker begeistern kann. Im ersten Jahr wurden die erwarteten 30.000 Besucher nicht erreicht. In diesem Jahr sieht es ein wenig besser aus. Nun zur Halbzeit hat man immerhin die 15.000 erreicht. Doch Kritiker können ihn nicht beirren. Der Projektleiter glaubt an seine Idee. Er tritt beherzt für sie ein. Er führt persönlich erst Pressevertreter und dann eine Schulklasse durch das Gelände. Und das mit einer offensichtlichen Gehbehinderung. Man spürt, es steckt viel Motivation und Überzeugung hinter seinem Engagement. "Ich bin kein frommer Mann", gesteht der gebürtige Katholik. "Aber wenn ich nun nach acht Jahren Planung sehe, wie hier mein Traum entsteht und lebt, dann bekomme ich ein Stück Gottvertrauen geschenkt!"

Zusammen mit der reformierten  Berner Kauffrau Verena Scondo und einem Förderverein wird das Projekt gestemmt. Die Gemeinde Meßkirch und die Europäische Union unterstützen das Projekt finanziell. Geurten betont: Der Verein ist überkonfessionell. "Der Plan stammt aus der Zeit als wir noch eine gemeinsame Kirche waren. Wir machen jeden Morgen eine Lesung nach der Regel des Benedikt", dazu sind alle eingeladen. "Die Holzkirche wird ein Ort der Ruhe für Christen aller Konfessionen, Andersgläubige und Atheisten."

Der Eichenstamm, den die beiden Arbeiter zurichten, ist inzwischen zu einem rechteckigen, wenn auch ein bisschen krummen Balken geworden. Er soll in das Dachgestühl der Holzkirche eingebaut werden. Im Herbst soll sie fertig sein. "Und in einigen Jahren können Sie dabei sein, wenn sie mit dem steinernen Kirchenschiff überbaut wird", schließt Optimist Geurten die Führung ab.

                                                    Martin Bek Baier


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