Gelehrtentreffen
Das Konzil war nicht nur ein vierjähriger Disput im Konstanzer Münster, sondern auch ein Gelehrtentreffen: Hier eine Darstellung des Byzantiners Manuel Chrysoloras und des Italieners Poggio Bracciolini in der Landesausstellung. Foto: Borée

Da musste ein Gipfeltreffen her!

Und dabei war ganz Europa heillos zerstritten. England und Frankreich mussten noch knapp vier Jahrzehnte lang ihren Hundertjährigen Krieg weiterführen. Die norditalienischen Städte kämpften schon viel länger in wechselnden Allianzen gegeneinander. Die Ordensritter weit im Nordosten hatten gerade eine Schlacht gegen Polen und Litauen verloren. Die Türken setzten zum Sprung nach Europa an.Doch Sigismund brachte Vertreter aus ganz Europa von Uppsala bis Konstantinopel an einen Tisch. Sogar äthiopische Gesandte kamen, sollen aber eher durch mangelnde Lateinkenntnisse aufgefallen sein. Die neutrale Stadt am Bodensee war von Italien genauso erreichbar wie über die Rhein- und Donaustraßen. Handel und Fischerei versorgten sie.

Die Gesandten erzielten trotz allem Chaos außerhalb und innerhalb der Stadt die eine oder andere Einigung. Da setzten sie alle drei Päpste ab und wählten einen neuen. Sie erhoben den Anspruch, als Konzil über päpstlichen Entscheidungen zu stehen. Leider einigten sie sich auch darauf, den böhmischen Reformator Jan Hus als Ketzer zu verbrennen.

Besonders dramatische Ereignisse symbolisiert die heutige Schau mit schiefen oder umstürzenden Säulen. So erklärt es Susanne Rau. Nur leider erfahren im Rahmen der Ausstellung die Besucher wenig vom Sinn dieser Installation. Egal. Die wertvollen Kunstobjekte aus Gold, Stein oder Pergament locken die Besucher viel mehr. Ihr Glanz bleibt.

Alles in allem brachte das Konzil dem schlingernden Kirchenschiff keine grundlegende Reform. Aber es führte es in ein etwas ruhigeres Fahrwasser - zumindest für die nächsten hundert Jahre. Darüber hinaus diskutierten die Gesandten leidenschaftlich darüber, ob und unter welchen Voraussetzungen sich Tyrannenmord rechtfertigen ließe. Denn das war erst gerade in Frankreich geschehen.

Das Ganze dauerte mindestens achtmal länger als geplant. Nicht weil die Gesandten so lange miteinander quasselten. Nein, sie mussten sich immer wieder mit ihren Auftraggebern in meist fernen Gebieten abstimmen. Diese Pausen ermöglichten einen unerwarteten Gedankenaustausch: Schließlich gehörten die Gesandten zumeist der Bildungselite an. Italienische Humanisten machten Jagd auf längst verschollene Abschriften verschollener antiker Autoren und Denker. Dann ging es überstürzt zu Ende: eine Pestwelle stand vor der Tür. Aus all dem Chaos erhob sich jedoch das Licht der Renaissance. 

                                                   Susanne Borée

Ausstellung "Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters" bis 21. September, täglich außer montags 10 bis 18 Uhr, freitags bis 21 Uhr. Mehr im Internet www.konstanzerkonzil2014.de oder Tel. 07531/28256912.

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