Chaos-Konzil nicht nur als Quasselbude

Konstanzer Münster
Konstanzer Münster. Foto: Borée

Was uns das Konstanzer Konzil über sechs Jahrhunderte hinweg noch heute sagen kann

Vier Jahre lang Dauerkirchentag. Chaos in der Kirche. So sah es vor genau 600 Jahren in Konstanz aus. Etwa 70.000 Besucher kamen zwischen 1414 und 1418 in die Stadt - die selbst höchstens ein Zehntel der Einwohner zählte. Mindestens ein Viertel der Gäste soll jeweils gleichzeitig da gewesen sein. Elf Monate Vorbereitung hatte die Stadt vor 600 Jahren für die große Invasion.

Zum aktuellen Jubiläum war die Zeit noch kürzer. Wenigstens für die große Schau des Badischen Landesmuseums, die quer durchs Ländle die Karlsruher für Konstanz vorbereiteten. "Wir konnten erst wenige Wochen vor der Ausstellung ins ehemalige Konzilsgebäude", berichtet Museumspädagogin Susanne Rau.

Denn normalerweise dient der historische Ort, der originale Schauplatz der damaligen Papstwahl, als Restaurant, Festsaal und Kongresszentrum. Die Ausstellungsmacher mussten die große Jubiläumsschau an Computern vorbereiten. Innerhalb von drei Wochen kamen alle 350 Schaustücke - aus Karlsruhe und von 140 Leihgebern weltweit - an. Beinahe jedes Kunstwerk hat andere konservatorische und klimatische Ansprüche: ­Papier, das gerade zu dieser Epoche aufkam, braucht da zum Beispiel trockenere Luft als Pergament. Dann konnte das Erdgeschoss aus Sicherheitsgründen nicht für die Schau verwendet werden. Kein Wunder, dass sie nun alle relativ eng im ersten Geschoss stehen. Ausleuchtung und Beschriftung sind nicht optimal.

Zumindest hat die Stadt inzwischen 85.000 Einwohner. Doch Hunderttausende sollen kommen. Neben dem Konzilsgebäude haben weitere große Kultureinrichtungen Ausstellungen eingerichtet. Der größte Ausstellungsraum ist die Altstadt selbst. Sie kam selbst im Zweiten Weltkrieg ungeschoren davon - gerade weil sie nicht verdunkelte. Da dachten die Kampfflieger, sie seien schon in der nahen Schweiz - so erzählen es die Konstanzer gerne. Trotz manch späterer Bausünden blieb die Altstadt mittelalterlich.

Vor 600 Jahren versuchte die Kirche eine fundamentale Krise zu beenden. Und zwar nicht von oben. Die Dispute der Gesandten standen im Vordergrund, auch wenn sie sich oft mit ihren Auftraggebern absprechen mussten. Drei Päpste: Das  war nicht nur schmerzhaft für das Seelenheil der Gläubigen, sondern besonders für den deutschen Herrscher:

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