Bischof und Evangelist
Der lutherische Bischof von Thailand, Banjob Kusawadee und Evangelist Masea, der im Grenzgebiet zu China und Myanmar einen christlichen Radiosender betreibt.

Ein chinesisches Dorf feiert

Ortswechsel: Ein kleines Feuerwerk brennt knatternd ab. Original Chinakracher empfangen die Gäste mit ohrenbetäubendem Lärm. Wieder sind die Landrover der lutherischen Expedition über erdbebengeschüttelte Straßen und Pisten gefahren. Etwa 50 Kilometer weiter, in einem anderen Tal, liegt das Dorf Dhamajaric. Einer der Dorfältesten bläst auf einer seltsamen Flöte, die aus einem Kürbis gemacht ist und von dessen Körper drei Pfeifen nach oben führen. Wieder und wieder spielt er die gleiche Melodie. Dazu bewegen sich  Frauen des Dorfes in einen rhythmischen Tanz. "Das ist die spezielle Melodie des Dorfes zur Begrüßung seiner Gäste", erzählt Evangelist Masea.

Auch hier in Dhamajaric hat die lutherische Kirche Thailands Flüchtlingen geholfen ein Dorf aufzubauen. Auch sie waren auf der Flucht. Doch ihre Geschichte ist etwas anders: Sie stammen aus dem Grenzgebiet zu China. Ihre Sprache ist das chinesische Mandarin. Als sie im Hochland heimatlos umherzogen hatten sie, als einzige Verbindung zur Außenwelt, ein Radio dabei. Ein Sender versprach ihnen die Rettung: Evangelist Masea  hatte hier im Grenzgebiet, in der Kleinstadt Mitandictic einen kleinen, wenn auch umstrittenen Radiosender etabliert. "So kann ich alle Dörfer und Menschen der unwegsamen Region erreichen", sagt der christliche Radiomann. Im Broterwerb arbeitet er auf einem Bauernhof und baut Reis und Mais an. Unermüdlich sandte er in seiner Freizeit die christliche Botschaft in verschiedenen Sprachen hinaus in die Berge zwischen Nordthailand, Myanmar, China und Laos.

Hoffnung aus dem Radio

"Was die Flüchtlinge hörten, die frohe Botschaft des Neuen Testamentes, gab ihren Herzen Hoffnung", so der Missionar. Eines Tages bekam er einen Brief von den Migranten, sie wollten mehr von ihm und der guten Nachricht von Jesus Christus hören. Masea kam und sah ihr Elend. Er organisierte nicht nur Gottesdienste, sondern auch die Hilfe der evangelisch-lutherischen Kirche. Zunächst wurden drei Häuser für alle Stammesmitglieder errichtet und eine Versammlungshalle. Doch inzwischen ist das Dorf um ein Vielfaches gewachsen und die Halle ist längst zu klein. Sonntag für Sonntag strömen hier die Menschen zusammen, um die Predigten Maseas zu hören. Längst sind andere Migranten und sogar Thailänder Besucher der gottesdienstlichen Feiern und des Gemeindeprogramms. Besonders das Singen christlicher Lieder, und Gospels ist sehr beliebt.

Allerdings bedrückt Masea, dass sein Radiosender mittlerweile von der Provinzregierung geschlossen wurde. In Thailand herrschen unruhige politische Zeiten. Maseas Botschaften erschienen verdächtig. "Eine genau Begründung bekam er nicht", sagt er mit Bedauern. Derzeit versucht die Kirche zusammen mit Unterstützern eine neue Radiostation zu errichten. "So kann ich weiterhin alle Dörfer erreichen und das Evangelium zu Gehör bringen", sagt der rundliche Mann mit einem Lächeln auf den Lippen. 

                                                    Martin Bek Baier