Aus der Sklaverei entflohen

Frauen der Lahu
Frauen der Lahu singen und tanzen. Dabei klimpert der auffällige Kopfputz. Sie stammen aus Myanmar. Im Norden Thailands haben sie und ihr Stamm auf der Flucht eine neue Heimat gefunden. Fotos: Bek-Baier

Flüchtlinge aus Myanmar finden in der lutherischen Kirche von Thailand Aufnahme

Eine abgelegene Landstraße im Norden Thailands. Die Grenzen zu Myanmar und Laos sind nicht weit. Auch China ist innerhalb einer Stunde zu erreichen. Die Straße hat Risse und eine große Lücke klafft auf der Fahrbahn, denn gestern erschütterte ein Erdbeben die Region.

Der kleine Auto-Konvoi hält mitten auf der Piste. Der Erdbebenspalt verhindert das Weiterfahren. Die Mitglieder einer Delegation der evangelisch-lutherischen Kirche Thailands steigen aus und gehen das letzte Stück zu Fuß. Die rote Erde bleibt zäh an den Schuhen hängen.

Plötzlich setzt eine rhythmische Trommel ein, Männer und Frauen in farbenfroh bestickten blauen Trachten heißen ihre Besucher fröhlich willkommen. Sie haben am Ende der Straße gewartet und singen und tanzen - dabei klimpert der auffällige Kopfputz der Frauen, der aus silbernen Perlen, Kugeln und Plättchen  besteht. Es sind Frauen und Männer der Lahu, einem Stamm des Aka-Volkes. Sie stammen aus Myanmar. Das liegt 30 Kilometer hinter den Bergen, die man am Horizont sieht.

"Refugees", sagt Bischof Banjob Kusawadee, "Flüchtlinge". Der Bischof führt die Gruppe mit Geist­lichen der "Evangelical Lutheran Church of Thailand" und ihren ­Gästen zu den Migranten. Unter ihnen ist auch Pfarrer Traugott Farnbacher, Referent für Ostasien von Mission EineWelt, dem Partnerschaftszentrum der bayerischen evangelisch-lutherischen Landeskirche. Er nimmt an einer Missions-Konferenz teil, zu der die thailändische Kirche alle Kirchenpartner geladen hat. Ziel ist, die unterstützen Projekte zu besichtigen und neue Hilfen abzusprechen.  

Heimatlos umhergezogen

"Jahrelang sind die Lahu heimatlos von einem Ort zum anderen gezogen, ohne zu wissen wo sie künftig bleiben können", erklärt der Bischof. All das merkt man ihnen nicht an. Sie lachen und sind fröhlich, freuen sich aufrichtig an ihrem Besuch. Sie  singen, tanzen und erzählen. Denn nun hat ihre Flucht vorerst ein Ende. Die lutherische Kirche Thailands hat eigens genügend Land erworben, auf dem die Lahu siedeln können.

"Im Nordosten Myanmars finden immer noch blutige militärische Auseinandersetzungen statt, weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit", erläutert der Bischof. Caphbeu, der Sprecher des Dorfes beschreibt, was er und seine Leute erdulden mussten: "Die Lebensumstände im Gebirge sind sehr schlecht", berichtet Caphbeu. "Die Hygieneumstände sind katastrophal gewesen, viele Dorfmitglieder starben an Krankheiten." Das war aber noch nicht das Schlimmste: "Durch den Krieg waren wir dort nur noch Sklaven der Soldaten. Wir Männer mussten schwer für sie arbeiten, Waffen und Munition auf dem Rücken tragen." Auch die Kinder wurden von den Militärs eingespannt und teilweise als Kindersoldaten eingesetzt. "So flohen in den letzten Jahren Hunderttausende von Menschen aus dem Kriegsgebiet im Norden Myanmars", ergänzt der Bischof. 

Die Dorfgemeinschaft von Caphbeus Stamm floh in einer Nacht- und Nebelaktion: Frauen, Männer, Kinder und Senioren. Nur das Nötigste konnten sie mitnehmen. Sie erreichten schließlich das berüchtigte "Goldene Dreieck". Der wohlklingende Name dieser Grenzregion zwischen den Staaten Laos, Thailand und ­Myanmar ist irreführend. Denn in diesem abgelegenen Gebiet wird traditionell Schlafmohn angebaut und zu Opium oder Heroin verarbeitet. Beherrscht wird der Handel von örtlichen Kartellen und Banditen. Die Ältesten der Lahu nahmen das Angebot eines Gangsterkartells an und beschlossen, dort Mohn anzubauen. Doch die Christen des Dorfes weigerten sich mitzumachen. "Das widerspricht dem Evangelium", ist Caphbeu überzeugt. Also verloren die etwa 50 Christen mit ihren 25 Kindern zum zweiten Mal ihre Bleibe und zogen erneut umher.

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