Bitten und Danken

Und als er in einen Markt kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesu, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen:

Gehet hin und zeiget euch den Priestern! Und es geschah, da sie hingingen wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, da er sah, dass er geheilt war, kehrte um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel auf sein Angesicht zu seinen Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach:

Sind ihrer nicht zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte und gäbe Gott die Ehre, denn dieser Fremdling? Und er sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin; dein Glaube hat dir geholfen.

Aus Lukas 17, 11–19
Bald ist es wieder soweit. Wir werden in den Medien vernehmen, dass es auch in diesem Herbst wieder junge Menschen geben wird, die die Schule im Sommer verlassen haben und denen es nicht gelingt, eine Lehrstelle in einem Ausbildungsbetrieb zu erhalten.

Die Gewerkschaften werden den Betrieben mangelndes soziales Engagement vorwerfen, die Politik wird auf die Wirtschaftskrise verweisen und die Betriebe werden die mangelnde Ausbildungsreife vieler Jugendlicher beklagen, insbesondere die fehlende Sozialkompetenz. Damit meinen unsere Ausbildungsbetriebe, insbesondere unsere inhabergeführten Betriebe, Werte wie Zuverlässigkeit, Gemeinsinn, Kontaktfähigkeit und Höflichkeit. Um es kurz auszudrücken, die Fähigkeit zueinander zu finden und miteinander umgehen zu können. Wenn es hakt, werden schnell Schuldige gesucht.

Die Politik investiert zu wenig in Bildung, sagen die einen. Die anderen sehen die Hauptschuld bei den Lehrern. Unsere Ausbildungsbetriebe werden zu Recht darauf hinweisen, dass sie die "Ausbilder der Nation" sind, aber nicht die "Erzieher der Nation". Leider fassen sich die meisten zu selten an die eigene Nase. Denn in erster Linie ist es die Aufgabe der Eltern, ihren Kindern das notwendige Rüstzeug mit auf den Lebensweg zu geben. Ein altes Sprichwort sagt:

"Danken kostet nicht und gefällt Gott und Menschen wohl." Viele von uns kennen noch aus ihren Elternhäusern die Frage nach den beiden Zauberwörtern "Bitte" und "Danke". Aber leider nicht mehr alle.
Einigen kommen diese Worte, insbesondere das zweite, viel zu schwer über die Lippen. Zurück zum Lukas-Evangelium.

"Bitte" konnten alle zu Jesus sagen. "Danke" zu sagen, das hat von den zehn Hilfesuchenden nur einer fertig gebracht. Sind wir heute besser oder schlechter? Dankbarkeit ist eine Sache des Bewusstseins. "Danke" hat auch mit "denken" zu tun, hat der niedersächsische Pfarrer Ekhard Brandes einmal in einer Predigt formuliert.

Wer dankt, dem ist bewusst, dass das, was ihm widerfahren ist, nicht selbstverständlich war. Unsere Jugend von heute wächst so wohlbehalten auf wie keine andere Generation vor ihr. Sie kennt Kriege, Hunger,
Vertreibung, Not und Elend nur aus dem Geschichtsbuch. Sicherlich.

Nicht alle haben die gleichen Chancen. Das eigentliche Leistungspotenzial junger Menschen ist eine nicht messbare Größe. Sie hängt ab von zahlreichen
Einflüssen aus Elternhaus und Schule, die das Kind seit Geburt an erfährt: Ob ihm viel vorgelesen wird, wie sich Geschwister und Großeltern kümmern, ob Nachhilfe organisiert und finanziert werden kann, ob es in Kindergarten und Schule unter - oder überfordert wird. Ich wünsche mir, dass diejenigen, denen Liebe, Fürsorge und Förderung zu Teil wird, dies nicht als Selbstverständlichkeit abtun.

Ich wünsche mir, dass sie erkennen, welche große Hilfe durch ihr Umfeld geleistet wird. Ich wünsche mir, dass sie ihre Dankbarkeit gegenüber unserem Herrgott dafür zum Ausdruck bringen, dass er die Hand immer schützend über sie hält.

Horst Eggers, Bayreuth, Mitglied der Landessynode und Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken

Gebet: Herr, unser Gott, du bist unter
uns, gib, dass dein Friede unsere
Herzen erfülle und unsere Gedanken,
Worte und Taten, ja, dass
die Gestalt unseres ganzen Lebens
dir dankt, dich lobt und dich preist.
Amen.

Lied EG 365: Von Gott will ich nicht lassen