Eine Tankstelle für Pilger und Wanderer

Im mittelfränkischen Kammerstein wurde eine Jakobus-Kapelle eingeweiht

Kammerstein, Dekanat Schwabach. Es ist ein Ort für Lichtspiele: Die hohen schmalen Kiefern werfen Schattenstreifen auf die Lichtung und in Bändern dringt das Licht auch in das kleine Holzgebäude ein. Aus 43 wuchtigen Eichenholzstelen besteht die neue Jakobuskapelle bei Kammerstein. Sie steht genau am Kreuzungspunkt des bekannten Kammersteiner Sagenwanderweges und des Jakobswanderweges. Das Grund­stück im geschichtsträchtigen  Waldgebiet "Heidenberg" hat die Gemeinde mit einem Grundbesitzer getauscht, damit die Kapelle direkt am Weg liegen kann. Es ist der einzig historisch und archäologisch nachweisbare Jakobsweg in Mittelfranken, auch wenn andere lautstark vermarktet werden. Die Route des Weges, der von Nürnberg kommend über Nördlingen und Ulm nach Santiago di Compostella führt, ist nicht nur von Nürnberger Patriziern beschrieben worden. Ganz in der Nähe der Kapelle kann der Wanderer am Sagenwanderweg originale und archäologisch nachgewiesene Reste der über 1.200 Jahre alten Hohlwege sehen.

Normalerweise liegt sie auf einer stillen Lichtung im Waldgebiet Heidenberg, in Hörweite der Kammersteiner Kirchenglocken. Doch heute zur Einweihung haben sich hier mehrere hundert Menschen versammelt um bei besten Sommerwetter die Kapelle in einem ökumenischen Gottesdienst einzuweihen.

Eine "Notrufsäule", oder "Tankstelle" sei die Kapelle, sagt Nürnbergs evangelischer Regionalbischof Stefan Ark Nitsche. Er knüpft damit an die Bedeutung der einstigen Reichsstraße an, die auch Autobahn des Mittelalters genannt wird. Pilger die mühsam den Anstieg auf den Heidenberg gemeistert haben, finden hier nicht nur eine Art Schutzhütte gegen Witterung, sondern auch einen Ort zum Beten und Ausruhen. Daher wird auch eine hygienisch einwandfreie Wasserzapfstelle noch angebracht werden. Der Pilger soll mit Wasser seinen Durst und mit Gebet seine Seele auffüllen können. Eine Tank- und eine Dankstelle zugleich ist dieser Ort. 

Pfarrerin Daniela Merz und Pfarrer Stefan Merz aus Kammerstein betreuen mit einem Teil ihrer Pfarrerstelle das Jakobuspilgern im Dekanat Schwabach. Sie sind Ansprechpartner für Pilgergruppen aller Konfessionen, die in der Kapelle einen Gottesdienst feiern möchten. Regionalbischof Nitsche und der katholische Domkapitular Alois Ehrl aus Schwabach weihten in einem gemeinsamen Akt die Kapelle und segneten die Besucher. 

Kreisbaumeister Ralph Möllenkamp hat das Gebäude entworfen. Die etwa zehn Zentimeter breiten Zwischenräume zwischen den Holzsäulen sind im Altarraum mit einem kunstvollen blauen Glas geschlossen, das der Glaskünstler Klaus-Leo Drechsel geschaffen hat. Ansonsten sind die Ritzen offen und lassen Wind und Wetter in das Innere der Kapelle. Aus dem Stein des Stehpults im Altarraum hat die Steinmetzin Verena Reinmann die Schale der Jakobsmuschel aus dem Granit gehauen. An den Wänden hängen vier Texttafeln mit Gebeten. Der Boden besteht aus Steinplatten, die zwischen Rindenmulch liegen. Sie stammen aus dem Steinbruch in Flossenbürg und erinnern damit an den beliebten evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der im KZ hingerichtet wurde. In einer Ecke hängt der Stempel, den sich Pilger in ihre Pilgerhefte drücken können. Ein einfaches Kreuz aus Haselnusszweigen erinnert an die Arbeiter, die die Kapelle errichtet haben.

Über 100.000 Euro hat die Jakobuskapelle gekostet, sagt Bürgermeister Walter Schnell, davon seien mehr als 50.000 Euro als Spenden hereingekommen. Das "LEADER+"-Programm der Europäischen Union habe etwa die Hälfte übernommen, andere Fördertöpfe habe man anzapfen können, so dass an der Gemeinde nur wenig Kosten hängengeblieben seien. 

Der Bürgermeister der 2.800-Einwohner-Gemeinde, Walter Schnell, freut sich riesig an diesem Tag. Es ist allein sein Verdienst, dass dieses Projekt nun verwirklicht wurde. Vor knapp zehn Jahren entstand zusammen mit dem damaligen Pfarrer Martin Bek-Baier und anderen Bürgern einer Arbeitsgruppe diese Idee. Kein Geld kostet die Kammersteiner der Unterhalt der Kapelle. 20 Ehrenamtliche sehen nach dem Rechten.

                          Martin Bek-Baier/epd

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