Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 30)

Mit roten Wangen beugen sich die Kinder über die Bücher

Evangelische Gemeindebüchereien bringen den Gemeindegliedern Lektüre nahe 

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Gertud Gsänger-Sura (li.) und Doris Gruber zeigen ihre Lieblingsbücher aus „ihrer“ Bibliothek.    
Foto: Borée

   

Die Schnitzeljagd führte die Grundschüler auch zur Bücherei der Kirchengemeinde Barthelmesaurach. Über die Bücher gebeugt, suchten sie mit roten Wangen Antworten für ihr Quiz heraus. In solchen Augenblicken wissen die ehrenamtlichen Helferinnen, dass sich ihre Arbeit lohnt. Doris Gruber ist bereits seit sieben Jahren dabei. Sie liebt Bücher. Und sie spielte schon länger im Posaunenchor mit. Bücher plus Gemeinde ..., richtig, daraus ergibt sich beinahe zwingend ein ehrenamtliches Engagement für die kirchliche Gemeindebibliothek. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Gertrud Gsänger-Sura, Christa Kerkau und Heidi Greff herrscht sie im Reich der 3.000 Bände. 

Gerade jetzt vor den Sommerferien decken sich noch einmal viele Gemeindemitglieder mit Büchern ein. Die Teilnehmerinnen der Mutter-Kind-Gruppe suchen einen Vorrat an Bilderbüchern heraus. Und Heidi Greff packt noch einmal ihren Wagen voller Kinderbücher, die sie an die örtliche Grundschule fährt, damit die Schüler Urlaubslektüre haben. Denn wer jetzt in der Kirchengemeinde Barthelmesaurach bei Schwabach keinen Lesestoff für den Strandkorb oder als Zeitvertreib beim Angeln hat, der muss bis Mitte September warten. Denn während der Urlaubszeit wird die Bücherei schließen – wie schon seit einigen Wochen ein eigens angefertigter Zettel verkündigt.

Leidenschaftlicher Einsatz

„Dürfen wir auch in den Ferien kommen?“ Die Grundschüler aus Bad Reichenhall drängen sich um die Ausleihstelle der Evangelischen Gemeindebücherei des Kurortes. Dort ist die Situation ganz anders als in Barthelmesaurach. Doch genauso leidenschaftlich kümmert sich ein Team aus 24 Frauen und einem Mann um die 21.000 Bände ihrer Bibliothek. An fünf Nachmittagen in der Woche ist sie geöffnet. Zusätzlich kommen vormittags die Schüler mit ihren Lehrern vorbei. Selbst Zweijährige aus der Kindergruppe gehen schon ganz in den Bilderbüchern auf.

„Wir haben das ganze Jahr über geöffnet“, erklärt Gerlinde Stoffel, die seit sechs Jahren mit zum Leitungsteam gehört. Allein schon wegen der zahlreichen Gäste in dem Kurort lohne sich das. „Urlauber, die schon öfter hier waren, bringen gar keine eigenen Bücher mehr mit. Sie wissen ja, dass sie zu uns kommen können. Und für die Rückfahrt decken sie sich mit einem Buch aus unserem Flohmarkt ein.“

An einem ständigen Stand innerhalb der Bücherei werden gespendete Bücher, die zum Verleih nicht mehr geeignet sind, zugunsten der Bibliothek verkauft. Außerdem gibt es während der Sommermonate einmal monatlich einen öffentlichen Verkauf. „So kommen im Jahr etwa 1000 Euro herein, mit denen wir unseren Bestand aufstocken können“, erklärt Teamgefährtin Edeltraut Schubert. Zuschüsse des Kurortes, der keine städtische Bücherei unterhält, sondern die konfessionellen Büchereien mit unterstützt und Landesmittel ergänzen das Budget. In der evangelischen Gemeinde engagiert sich neben dem Bibliotheksteam auch ein Besuchsdienst für das Krankenhaus, der mit einem Bücherwagen durch die Klinikflure zieht. 

97 evangelische Gemeindebüchereien gibt es noch in Bayern. Die Sparzwänge der Landeskirche haben auch zu einschneidenden Veränderungen bei ihnen geführt. Den „Bayerischen Verband Evangelischer Büchereien“, der eine Schlüsselrolle bei der Verteilung staatlicher Zuschüsse für Bücher spielte, gibt es nun nicht mehr. Die Mittel auch für evangelische Einrichtungen werden nun über den katholischen „St. Michaelsbund“ verteilt. Allerdings spart auch der Staat immer mehr.

Der „Deutsche Verband evangelischer Büchereien“ bietet nun nur noch Göttingen als Fortbildungen für die ehrenamtlichen „Büchereiassistenten im kirchlichen Dienst“ – wie sie offiziell heißen – an. Das Team aus Bad Reichenhall wird in diesem Herbst vier Mitstreiterinnen zu einer einwöchigen Fortbildung schicken. In Barthelmesaurach lernten Doris Gruber und ihr Team noch vor Ort anhand eigener Beispiele, wie Karteikarten oder Kurzbeschreibungen herzustellen sind. 

Denn das Engagement für die Büchereien der Kirchengemeinden ist ein Ehrenamt, in dem kontinuierlicher Einsatz wichtig ist. Auch wenn manche Romane oder Erzählungen oft zu schnell wieder außer Mode geraten – bei der Büchereiarbeit ist Beständigkeit gefragt. Die Bestände lassen sich erst in jahrzehntelanger Arbeit aufbauen. Und je mehr die Bibliothekarinnen – meist versehen Frauen diesen Dienst – sich auskennen, desto besser können sie für ihre Leser da sein.

In Barthelmesaurach baute der damalige Pfarrer Folkers Freimanis von den 1970er-Jahren bis zu Beginn seines Ruhestandes 1999 die Dorfbibliothek auf. Er selbst griff auf noch ältere Traditionen zurück: Heinrich Schmidt, einer seiner Vorgänger hatte bereits um die Zeit des Ersten Weltkriegs einen ersten kleinen Grundstock gelegt.

Zwar ist die Bücherei während des Jahres nur am Dienstag Vormittag und am Freitag Nachmittag geöffnet, doch sie ist ein Fixpunkt des Gemeindelebens, um den sich weitere Aktivitäten ranken. Freimanis’ Nachfolgerinnen Doris Gruber und Gertrud Gsänger-Sura berichten, wie sie zum Beispiel mit Bilderbüchern in Diaform jedes Jahr einen Vorlese-Nachmittag für Kindergarten- und Grundschulkinder gestalten. „Im vergangenen Jahr hatten wir zwei Gruppen mit jeweils rund 50 Kindern“, erzählen sie stolz.

Kurze Wege für Senioren

„Zwischen Schwabach und Gunzenhausen gibt es ansonsten keine weiteren Büchereien“, erzählt Folkers Freimanis. Gerade für Kinder und für ältere Menschen sind diese Entfernungen nur schwer zu überwinden. Folkers Freimanis und Doris Gruber erinnern sich noch gut an eine ältere, gehbehinderte Dame, der zuerst der Pfarrer und später die ehrenamtliche Bibliothekarin regelmäßig Bücher aus den Bibliotheksbeständen vorbeibrachten. „Ich besuchte sie etwa alle drei Wochen und brachte jedes Mal etwa zehn Bücher vorbei. Nach einiger Zeit war es ganz schön schwierig, noch Bücher zu finden, die sie noch nicht gelesen hatte“, schmunzelt Doris Gruber.   

 
Susanne Borée


Eines Sinnes, nicht einer Meinung

Gilt nun bei euch Ermahnung in Christus, gilt Zuspruch der Liebe, gilt Gemeinschaft des Geistes, gilt herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude vollkommen und seid eines Sinnes, habt dieselbe Liebe, seid einmütig und einträchtig. Tut nichts aus Eigennutz oder Ruhmsucht, sondern in Demut achte einer den andern höher, als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient.

Philipper 2,1–4

Evangelisches Sonntagsblatt
Die Schienen zweigen mal ab und die Gleise gehen an Kreuzungen auseinander. Doch führen sie hier in eine Richtung.  Die Kirche Christi war sich in Glaubensdingen oft uneinig – und die Wege gingen auseinander: Die erhoffte Einheit war noch nie da. Die Einsicht wächst, dass ein Weg in „versöhnter Verschiedenheit“ und Liebe gegangen werden kann.  
Foto: Wodicka
 

Ist diese Kirche „von Sinnen“? Gemeindespaltungen, Neugründungen, Gruppen von Christen, die nur noch den einen, den „freien“ und nicht mehr den anderen, den Hauptgottesdienst besuchen. Ein gegenseitiges Aberkennen des Glaubens an vielen Orten, ein Aufspalten in „gläubige“ und irgendwie andere Christen. Was natürlich Unsinn ist: Ein Christ ist per se „gläubig“, andernfalls wäre er kein Christ mehr. Manche Zeitgenossen, die diese Ausdrucksweise verwenden, scheuen sich nur vor der letzten Konsequenz: Zu sagen, dass sie eigentlich meinen, ihr Gegenüber wäre doch in Wirklichkeit gar kein Christ, auch wenn er das von sich behauptet. 

Wo befinden wir uns? In der bayerischen Landeskirche im Jahr 2006? Kann sein. Kann aber auch sein, dass wir uns in Philippi, oder in Korinth zur Zeit des Apostel Paulus befinden. Oder im Zeitalter von Aufklärung und Erweckung, oder eigentlich in einer beliebigen Epoche der Kirchengeschichte. Die Kirche Jesu Christi war sich nämlich noch nie einig. Nicht in allen Dingen und erst recht nicht in Glaubensfragen.

Man hat das immer gehofft, dass es da ganz zu Beginn der Glaubensgeschichte, wie sie uns das Neue Testament überliefert, „einmütig“ und „einträchtig“, ganz in „Demut“ und „Liebe“  zuging. Die Reformatoren haben sogar gehofft, mit ihrer Glaubenspraxis und Kirchenlehre die zerronnene Einheit der Urkirche wieder herzustellen. Daher „evangelische“ Kirche, ganz so, wie sie im Evangelium gedacht war.

Spätere Ausleger haben dann gezeigt, dass diese erhoffte Einheit noch nie wirklich da war. Petrus und Paulus haben sich gestritten, Paulus hatte es immer wieder mit Abweichlern zu tun. Und in den Jahrhunderten danach dauerte es nicht lange, bis man sich gegenseitig verketzerte, ja sogar mit Gewalt versuchte Glaubensfragen zu lösen. Und heute – in den Zeiten „versöhnter Verschiedenheit“ – dürfte man sich kaum getrauen, etwa Luthers Schmähschriften über Papisten, oder die Schwärmer herauszuholen.

Woran liegt es aber nun, dass wir Christen uns so schwer damit tun Paulus´ Mahnung zu Liebe, Demut und Eintracht zu leben und umzusetzen? Glaubwürdiger in den Augen der Welt werden wir damit ja nicht, dass wir, die wir die Versöhnung Gottes mit uns sündigen Menschen in Gottes Heilshandeln in Jesus Christus predigen, uns selbst dabei aufspalten in Kirchen und Konfessionen, Grüppchen und Kirchleins.

Es liegt sicherlich daran, dass der Glaube immer an die Substanz des Menschen geht. Da wird man automatisch leidenschaftlich, muss überzeugen, kämpfen, in echten Glaubensfragen kann man nicht wirklich „gleich-gültig“ sein. Und es liegt aber auch daran, dass  wir, wie eh und je, „eitel arme Sünder“ (Matthias Claudius) sind, die Macht, Geltungsbedürfnis und Intoleranz auch als Christen nicht ablegen können.

Aber „eines Sinnes“ zu sein wäre schon schön – man muss deswegen nicht immer in allen Dingen einer Meinung sein. Augustin sagt: „Liebe – und dann tue was du willst“. Liebe, auch unter Christen, kann man sich aber nur von Gott schenken lassen und darum beten.

Dekan Martin Voß,
Ludwigsstadt

Gebet: Herr, unser Gott, schenke uns die Einsicht in unser begrenz-tes menschliches Urteilsvermögen. Schenke uns Liebe, die Grenzen und Mauern übersteigt. Schenke uns ein weites Herz und einen wachen Verstand.  Amen.

Lied 268: Strahlen brechen viele aus einem Licht

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