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Evangelische
Gemeindebüchereien bringen den Gemeindegliedern
Lektüre nahe
Die Schnitzeljagd führte die Grundschüler auch zur Bücherei der Kirchengemeinde Barthelmesaurach. Über die Bücher gebeugt, suchten sie mit roten Wangen Antworten für ihr Quiz heraus. In solchen Augenblicken wissen die ehrenamtlichen Helferinnen, dass sich ihre Arbeit lohnt. Doris Gruber ist bereits seit sieben Jahren dabei. Sie liebt Bücher. Und sie spielte schon länger im Posaunenchor mit. Bücher plus Gemeinde ..., richtig, daraus ergibt sich beinahe zwingend ein ehrenamtliches Engagement für die kirchliche Gemeindebibliothek. Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen Gertrud Gsänger-Sura, Christa Kerkau und Heidi Greff herrscht sie im Reich der 3.000 Bände. Gerade
jetzt vor den Sommerferien decken sich noch einmal viele
Gemeindemitglieder mit Büchern ein. Die Teilnehmerinnen der
Mutter-Kind-Gruppe suchen einen Vorrat an Bilderbüchern
heraus. Und Heidi Greff packt noch einmal ihren Wagen voller
Kinderbücher, die sie an die örtliche Grundschule
fährt, damit die Schüler Urlaubslektüre
haben. Denn wer jetzt in der Kirchengemeinde Barthelmesaurach bei
Schwabach keinen Lesestoff für den Strandkorb oder als
Zeitvertreib beim Angeln hat, der muss bis Mitte September warten. Denn
während der Urlaubszeit wird die Bücherei
schließen – wie schon seit einigen Wochen ein
eigens angefertigter Zettel verkündigt. „Dürfen wir auch in den Ferien kommen?“ Die Grundschüler aus Bad Reichenhall drängen sich um die Ausleihstelle der Evangelischen Gemeindebücherei des Kurortes. Dort ist die Situation ganz anders als in Barthelmesaurach. Doch genauso leidenschaftlich kümmert sich ein Team aus 24 Frauen und einem Mann um die 21.000 Bände ihrer Bibliothek. An fünf Nachmittagen in der Woche ist sie geöffnet. Zusätzlich kommen vormittags die Schüler mit ihren Lehrern vorbei. Selbst Zweijährige aus der Kindergruppe gehen schon ganz in den Bilderbüchern auf. „Wir haben das ganze Jahr über geöffnet“, erklärt Gerlinde Stoffel, die seit sechs Jahren mit zum Leitungsteam gehört. Allein schon wegen der zahlreichen Gäste in dem Kurort lohne sich das. „Urlauber, die schon öfter hier waren, bringen gar keine eigenen Bücher mehr mit. Sie wissen ja, dass sie zu uns kommen können. Und für die Rückfahrt decken sie sich mit einem Buch aus unserem Flohmarkt ein.“ An einem ständigen Stand innerhalb der Bücherei werden gespendete Bücher, die zum Verleih nicht mehr geeignet sind, zugunsten der Bibliothek verkauft. Außerdem gibt es während der Sommermonate einmal monatlich einen öffentlichen Verkauf. „So kommen im Jahr etwa 1000 Euro herein, mit denen wir unseren Bestand aufstocken können“, erklärt Teamgefährtin Edeltraut Schubert. Zuschüsse des Kurortes, der keine städtische Bücherei unterhält, sondern die konfessionellen Büchereien mit unterstützt und Landesmittel ergänzen das Budget. In der evangelischen Gemeinde engagiert sich neben dem Bibliotheksteam auch ein Besuchsdienst für das Krankenhaus, der mit einem Bücherwagen durch die Klinikflure zieht. 97 evangelische Gemeindebüchereien gibt es noch in Bayern. Die Sparzwänge der Landeskirche haben auch zu einschneidenden Veränderungen bei ihnen geführt. Den „Bayerischen Verband Evangelischer Büchereien“, der eine Schlüsselrolle bei der Verteilung staatlicher Zuschüsse für Bücher spielte, gibt es nun nicht mehr. Die Mittel auch für evangelische Einrichtungen werden nun über den katholischen „St. Michaelsbund“ verteilt. Allerdings spart auch der Staat immer mehr. Der „Deutsche Verband evangelischer Büchereien“ bietet nun nur noch Göttingen als Fortbildungen für die ehrenamtlichen „Büchereiassistenten im kirchlichen Dienst“ – wie sie offiziell heißen – an. Das Team aus Bad Reichenhall wird in diesem Herbst vier Mitstreiterinnen zu einer einwöchigen Fortbildung schicken. In Barthelmesaurach lernten Doris Gruber und ihr Team noch vor Ort anhand eigener Beispiele, wie Karteikarten oder Kurzbeschreibungen herzustellen sind. Denn das Engagement für die Büchereien der Kirchengemeinden ist ein Ehrenamt, in dem kontinuierlicher Einsatz wichtig ist. Auch wenn manche Romane oder Erzählungen oft zu schnell wieder außer Mode geraten – bei der Büchereiarbeit ist Beständigkeit gefragt. Die Bestände lassen sich erst in jahrzehntelanger Arbeit aufbauen. Und je mehr die Bibliothekarinnen – meist versehen Frauen diesen Dienst – sich auskennen, desto besser können sie für ihre Leser da sein. In Barthelmesaurach baute der damalige Pfarrer Folkers Freimanis von den 1970er-Jahren bis zu Beginn seines Ruhestandes 1999 die Dorfbibliothek auf. Er selbst griff auf noch ältere Traditionen zurück: Heinrich Schmidt, einer seiner Vorgänger hatte bereits um die Zeit des Ersten Weltkriegs einen ersten kleinen Grundstock gelegt. Zwar
ist die Bücherei während des Jahres nur am Dienstag
Vormittag und am Freitag Nachmittag geöffnet, doch sie ist ein
Fixpunkt des Gemeindelebens, um den sich weitere Aktivitäten
ranken. Freimanis’ Nachfolgerinnen Doris Gruber und Gertrud
Gsänger-Sura berichten, wie sie zum Beispiel mit
Bilderbüchern in Diaform jedes Jahr einen Vorlese-Nachmittag
für Kindergarten- und Grundschulkinder gestalten.
„Im vergangenen Jahr hatten wir zwei Gruppen mit jeweils rund
50 Kindern“, erzählen sie stolz. „Zwischen Schwabach und Gunzenhausen gibt es ansonsten keine weiteren Büchereien“, erzählt Folkers Freimanis. Gerade für Kinder und für ältere Menschen sind diese Entfernungen nur schwer zu überwinden. Folkers Freimanis und Doris Gruber erinnern sich noch gut an eine ältere, gehbehinderte Dame, der zuerst der Pfarrer und später die ehrenamtliche Bibliothekarin regelmäßig Bücher aus den Bibliotheksbeständen vorbeibrachten. „Ich besuchte sie etwa alle drei Wochen und brachte jedes Mal etwa zehn Bücher vorbei. Nach einiger Zeit war es ganz schön schwierig, noch Bücher zu finden, die sie noch nicht gelesen hatte“, schmunzelt Doris Gruber. Eines Sinnes, nicht einer MeinungGilt nun
bei euch Ermahnung in Christus, gilt Zuspruch der Liebe, gilt
Gemeinschaft des Geistes, gilt herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so
macht meine Freude vollkommen und seid eines Sinnes, habt dieselbe
Liebe, seid einmütig und einträchtig. Tut nichts aus
Eigennutz oder Ruhmsucht, sondern in Demut achte einer den andern
höher, als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das
Seine, sondern auf das, was dem andern dient. Philipper
2,1–4
Ist diese Kirche „von Sinnen“? Gemeindespaltungen, Neugründungen, Gruppen von Christen, die nur noch den einen, den „freien“ und nicht mehr den anderen, den Hauptgottesdienst besuchen. Ein gegenseitiges Aberkennen des Glaubens an vielen Orten, ein Aufspalten in „gläubige“ und irgendwie andere Christen. Was natürlich Unsinn ist: Ein Christ ist per se „gläubig“, andernfalls wäre er kein Christ mehr. Manche Zeitgenossen, die diese Ausdrucksweise verwenden, scheuen sich nur vor der letzten Konsequenz: Zu sagen, dass sie eigentlich meinen, ihr Gegenüber wäre doch in Wirklichkeit gar kein Christ, auch wenn er das von sich behauptet. Wo befinden wir
uns? In der bayerischen Landeskirche im Jahr 2006? Kann sein. Kann aber
auch sein, dass wir uns in Philippi, oder in Korinth zur Zeit des
Apostel Paulus befinden. Oder im Zeitalter von Aufklärung und
Erweckung, oder eigentlich in einer beliebigen Epoche der
Kirchengeschichte. Die Kirche Jesu Christi war sich nämlich
noch nie einig. Nicht in allen Dingen und erst recht nicht in
Glaubensfragen. Man hat das immer
gehofft, dass es da ganz zu Beginn der Glaubensgeschichte, wie sie uns
das Neue Testament überliefert,
„einmütig“ und
„einträchtig“, ganz in
„Demut“ und „Liebe“
zuging. Die Reformatoren haben sogar gehofft, mit ihrer Glaubenspraxis
und Kirchenlehre die zerronnene Einheit der Urkirche wieder
herzustellen. Daher „evangelische“ Kirche, ganz so,
wie sie im Evangelium gedacht war. Spätere
Ausleger haben dann gezeigt, dass diese erhoffte Einheit noch nie
wirklich da war. Petrus und Paulus haben sich gestritten, Paulus hatte
es immer wieder mit Abweichlern zu tun. Und in den Jahrhunderten danach
dauerte es nicht lange, bis man sich gegenseitig verketzerte, ja sogar
mit Gewalt versuchte Glaubensfragen zu lösen. Und heute
– in den Zeiten „versöhnter
Verschiedenheit“ – dürfte man sich kaum
getrauen, etwa Luthers Schmähschriften über Papisten,
oder die Schwärmer herauszuholen. Woran liegt es aber
nun, dass wir Christen uns so schwer damit tun Paulus´
Mahnung zu Liebe, Demut und Eintracht zu leben und umzusetzen?
Glaubwürdiger in den Augen der Welt werden wir damit ja nicht,
dass wir, die wir die Versöhnung Gottes mit uns
sündigen Menschen in Gottes Heilshandeln in Jesus Christus
predigen, uns selbst dabei aufspalten in Kirchen und Konfessionen,
Grüppchen und Kirchleins. Es liegt sicherlich daran, dass der Glaube immer an die Substanz des Menschen geht. Da wird man automatisch leidenschaftlich, muss überzeugen, kämpfen, in echten Glaubensfragen kann man nicht wirklich „gleich-gültig“ sein. Und es liegt aber auch daran, dass wir, wie eh und je, „eitel arme Sünder“ (Matthias Claudius) sind, die Macht, Geltungsbedürfnis und Intoleranz auch als Christen nicht ablegen können. Aber
„eines Sinnes“ zu sein wäre schon
schön – man muss deswegen nicht immer in allen
Dingen einer Meinung sein. Augustin sagt: „Liebe –
und dann tue was du willst“. Liebe, auch unter Christen, kann
man sich aber nur von Gott schenken lassen und darum beten. Dekan Martin Voß, |
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