Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 29)

Der Teufel kommt im Credo nicht vor

Was ist vom „Satan“ aus der Sicht des christlichen Glaubens zu halten? 

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Grafitti mit satanistischen Symbolen in einer ehemaligen Gaststätte in Halle.     
 Foto: epd

   

"Zum Teufel!“ Dieser Fluch bringt zum Ausdruck, wohin alles Böse, Ärgerliche gehört. Verkörpert doch der Teufel in vielen Religionen das Böse schlechthin! Damit gilt er als Widersacher Gottes, als Anführer rebellierender Dämonen und als Verführer der Menschen. Freilich haben die Vorstellungen über ihn ihre eigene Geschichte. 

Im Alten Testament wird der Teufel noch als Mitglied des göttlichen Hofstaates dargestellt, das bestimmte Menschen auf die Festigkeit ihrer Frömmigkeit hin erproben soll und dementsprechend vor Gott verklagen kann (Hiob 1,6ff; Sacharja 3,1). Der hebräische Begriff „Satan“ wurde in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments mit „diábolos“ übersetzt, was wörtlich „Durcheinanderwerfer“ heißt und den Teufel als Chaosmacht charakterisiert. Im Neuen Testament gilt er als „Gott dieser Welt“ (2. Korinther 4,4), der als Widersacher des Gottesreiches und „Vater der Lüge“ (Johannes 8,44) mit all seinen Dämonen für die ewige Verdammnis bestimmt ist (Matthäus 25,41).

Der Mythos vom Engelsturz

Angesichts der biblischen Rede von einer derart mächtigen gegengöttlichen Figur drängte sich alsbald die Frage nach ihrer Herkunft auf. Einige sektiererische Gruppen übernahmen aus dem persischen Manichäismus die Vorstellung von einem dualistischen Prinzip, das mehr oder weniger gleichmächtig neben dem guten Gott steht; hieran knüpfen moderne Satanisten an und hoffen auf einen endzeitlichen Sieg des Teufels. In der kirchlichen Tradition konnte eine solch dualistische Vorstellung unmöglich Raum gewinnen; vielmehr setzte sich weithin die Spekulation durch, der Teufel sei als rebellierender Engelfürst zu begreifen, der ursprünglich „Lichtträger“ („Lucifer“) gewesen sei und sich auch nach seinem Fall noch immer als „Engel des Lichts“ (2. Korinther 11,14) verkleiden könne.  

Im Mittelalter uferten die Vorstellungen über den Teufel weiter aus. Im Volksglauben bildeten sich Vorstellungen verschiedenster Teufelsinkarnationen. Eine Flut von Teufelsbüchern erschien, die – mit drastischen Illustrationen versehen – vor Sünden und ewiger Verdammnis warnten. Oft wurde der Teufel als halb menschliches und halb tierisches Wesen mit Hörnern und Schwanz dargestellt. Seit der Aufklärung wurde seine Existenz in Frage gestellt oder gänzlich bestritten. Mitunter wurde er – zum Beispiel bei Wilhelm Hauff („Mitteilungen aus den Memoiren des Satan“, 1824) – zur Zentralgestalt satirischer Werke.

Während sich mittlerweile der moderne Protestantismus – mit Ausnahme biblizistisch-fundamentalistischer Kreise – weitgehend vom Teufelsglauben distanziert hat, ist die Existenz des Satans in der katholischen Kirche ein nach wie vor gültiges Dogma. Die Rede vom Teufel soll zur Klärung der sogenannten Theodizeefrage, also der Frage nach der theologischen Erklärbarkeit und Begründbarkeit von Bösem und Leid in der von Gott geschaffenen Welt beitragen. Doch leistet sie dies bei näherer Betrachtung kaum: Sie verschiebt das Problem lediglich, denn in der Folge muss eigentlich erklärt werden, wieso Gott das „satanische“ Übel als solches zugelassen hat, auch wenn er es nicht selbst „geschaffen“ hat.

Die Theorie vom Engelsturz soll unter Hinweis auf die Freiheit der Engel hierauf Antwort geben, hat jedoch selbst einen entscheidenden Fehler: Sie deutet die freien Engelsgeschöpfe im lebendigen Gegenüber zu Gott als Mächte im Himmel, nimmt also den Rebellionsvorgang als Geschehen innerhalb des Herrschaftsbereichs Gottes selbst und nicht im Bereich der Weltschöpfung an. Damit wird automatisch unterstellt, dass der oberste und klügste aller Engel unmittelbare und höchste Einsicht im Blick auf den Herrscher des Himmels hatte. Dem überkommenen Mythos fehlt damit hinreichende Überzeugungskraft, denn es ist schlicht nicht einleuchtend, dass „Lucifer“ in seiner brillanten Intelligenz den Aufstand gegen den guten, allmächtigen und allwissenden Gott gewagt haben soll. Ebenso wenig leuchtet ein, dass der Allmächtige und Allwissende diesen Aufstand nicht kraft seiner Allmacht sofort niedergeschlagen haben soll. So gelingt Theodizee keinesfalls. Vielmehr müsste schlüssig erklärt werden können, warum Gott in seiner Allmacht wirklich Anderes jenseits seiner selbst und seines Herrschaftsbereichs, also geschöpfliche Freiheit und damit auch moralisch Böses zugelassen hat.

Das Ende des Teufels

Diese Fragestellung aber richtet sich auf die Verfasstheit der irdischen Schöpfung insgesamt und lässt die Welt nicht bloß Folge einer teuflischen Engelrebellion sein. Im Gegenteil: Die Teufelsfigur als solche ist im Rahmen dieser Fragestellung nicht mehr denknotwendig, ja theologisch überflüssig. Sie kann in der Tat „entrümpelt“ werden – unter Hinweis auf den Tatbestand, dass der Teufel schon in den altchristlichen Bekenntnissen keine Erwähnung findet. Der Glaube an seine – wie auch immer näherhin vorgestellte – Existenz war und ist kulturbedingt, aber keineswegs unabdinglich, schon gar nicht heilsnotwendig. 

Da freilich die Existenz des Bösen und Chaotischen in der Welt außer Frage steht, ist von philosophischer und psychologischer Seite der Versuch unternommen worden, sinnvoll vom Teufel dadurch zu sprechen, dass er nicht als Gegenspieler Gottes, sondern als ein Moment im Göttlichen selbst gedeutet wird. So hat Friedrich Nietzsche aufgrund seiner Weltanalyse Gott und Teufel in eins gesehen – um von daher Gott als böses, halbblindes und triebartiges Wesen zu charakterisieren. Carl Gustav Jung hat den Teufel als viertes Element in die bislang trinitarisch verstandene Gottheit integrieren, diese also als „Quaternität“ interpretieren wollen. 

Derartige Sichtweisen verkennen jedoch die neutestamentliche Perspektive, die keineswegs unterstellt, die „verrückte“ Welt, in der wir leben, sei das Resultat unmittelbarer göttlicher Regierung. Jesus selber sagt dem Johannesevangelium zufolge deutlich: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (18,36). Vielmehr wird die universale Gottesherrschaft erst für die endgültige, dann ewige Verfasstheit der erlösten Schöpfung verheißen, die das Ende des Teufels voraussetzt. Theologisch ist der Teufel also weder als Gegenspieler noch als Teil Gottes selbst plausibel zu machen. Als Symbolsierung oder Personalisierung jener uns nur zu bekannten Wirklichkeit, die nicht der Gottesherrschaft unterliegt, kann ihr allerdings ein bedingtes Recht zugebilligt werden.      

Werner Thiede

Literatur: 

Klaus Berger: Wozu ist der Teufel da? Gütersloh 1998.
Peter Stanford: Der Teufel. Eine Biographie, Frankfurt/Leipzig 2000.


Fröhlich seinen Weg gehen

... er zog aber seine Straße fröhlich.“

Apostelgeschichte 8,39

Evangelisches Sonntagsblatt
Die äthiopisch-orthodoxe Kirche führt sich auf den Finanzminister aus der Apostelgeschichte zurück und sieht sich somit selbst als die älteste noch existierende urchristlichste Kirche der Welt. Hier ziehen christliche Priester und Gläubige bei einer Prozession auf ihrem gemeinsamen Weg zur Felsenkirche Abraha Atsbeha in Wukro, Äthiopien.   
Foto: epd

 

Eine Reisebegegnung zwischen einem Finanzminister und einem Diakon. Der eine stand als Kämmerer im Dienst der äthiopischen Königin, der andere im Dienst Jesu Christi in Jerusalem.
Bis hinein in die Reisebegegnungen mischt Gott mit. Ein Engel Gottes macht Philippus deutlich, was der Ort seiner nächsten Aufgabe ist: die Straße von Jerusalem nach Gaza im Heiligen Land. Der Geist Gottes ermutigt Philippus, den Finanzminister anzusprechen. Hinter der scheinbar „zufälligen“ Begegnung steht Gott, der will, dass der Kämmerer zum Glauben an Jesus Christus kommt – und der will, dass von ihm in allen Ländern erzählt wird.

Der Kämmerer war in Jerusalem im Tempel gewesen. Die aufwändige Reise von Äthiopien nach Jerusalem hatte er als Pilger gemacht, „um anzubeten“: den einen Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, den Herrn der Welt und der Völker. Der Kämmerer hatte zu Hause von ihm gehört. Davon wollte er mehr wissen. Darum brach er auf nach Jerusalem. Das Erleben des Tempels, das Beten der Psalmen hatte ihn wohl aufgerüttelt. So kauft er sich eine Schriftrolle mit Worten des Propheten Jesaja. Darin liest er auf der Heimreise und stößt auf eine geheimnisvolle, aber erregende Stelle. 

Es geht da um einen erniedrigten Knecht Gottes, der „wie ein Lamm zur Schlachtung“ geführt, angeklagt und verurteilt wird, der jedoch nicht lauthals protestiert, sondern stumm seinen Leidensweg geht. Aber zu ihm bekennt sich Gott. Gleichzeitig wird angekündigt, dass dieser Gottesknecht unzählige Nachfolger habe. Fasziniert vom Gelesenen verstand der Finanzminister – überhaupt nichts. Sein Glück, er ist nicht eitel. Als Philippus fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“, ist der Kämmerer dankbar und antwortet: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Er bittet Philippus auf den Wagen, und man kommt sofort ins Gespräch. „Von wem redet der Prophet? Von sich oder von jemand anderen?“ fragt der Kämmerer.

Nun hat der Diakon die Gelegenheit, dem Finanzminister jene geheimnisvolle Stelle zu erklären –mehr noch: „er predigte ihm das Evangelium von Jesus“. Sein Leiden, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung sind in den Prophetenworten bereits angesagt. Das Gespräch über den Glauben geht in die Tiefe. Es geschieht ein Wunder, das nur Gott tun kann. Philippus kommt ja nur bis zum Ohr des Mannes. Aber zwischen dem Ohr und Herz erfüllt nun Gott sein Versprechen, dass er das Erzählen, das Weitergeben, das Zeugnis seiner Gläubigen nutzt, damit Glaube entsteht. 

Wie lange das Reisegespräch dauerte, ist nicht bekannt. Am Ende ist der Kämmerer erfüllt von der Sehnsucht, zu denen zu gehören, die Christus nachfolgen; er möchte getauft werden. An einer Oase in der Wüste findet der untypische Taufgottesdienst statt: Eine Taufe ohne Paten, ohne Kirche, ohne Taufstein. Aber sie bindet zusammen mit dem dreieinigen Gott und reiht ein in die weltweite Gemeinde Jesu Christi. Die weiß sich von Gott geliebt, von Jesus Christus erlöst und mit seinem Heiligen Geist beschenkt – und von ihm im Glauben bewahrt. Wenn das nicht Grund zur Freude ist!

Der Kämmerer „zog seine Straße fröhlich“! Seine Spur verläuft sich im Dunkel der Geschichte. Er wird in seinem Land gewiss kein stummer Getaufter gewesen sein.

Albrecht Immanuel Herzog,

Pfarrer, Neuendettelsau

Gebet. Lieber Vater im Himmel, ich danke dir für das Geschenk deiner Heiligen Taufe und für den Glauben, den du schaffst. Herr Jesus Christus, ich danke dir, dass Du mir zugut gestorben und auferstanden bist. Heiliger Geist, ich danke dir, dass du mich zum Glied deiner einen heiligen Kirche gemacht hast. Erhalte deine ganze Kirche, gib ihr Wachstum und Gedeihen und lass sie getrost und froh Dich bezeugen. Amen.

Lied 574:
Lasset mich mit Freuden
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