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Beckenbauer:
"So stellt Gott sich die Welt vor"
Unvergessliche
Momente während der Fußball-Weltmeisterschaft
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Potugiesische Fans
bedanken sich beim Spiel um Platz 3 in Stuttgart bei den Gastgebern
für ein tolles Erlebniss.
Foto: Noack
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"Die
Welt zu Gast bei Freunden“ –das Motto der zu Ende
gegangenen Fußballweltmeisterschaft ging zurück auf
eine Idee von André Heller. Wie wurde bei
Bekanntgabe des Mottos über den Sinn und Unsinn geredet und
diskutiert! Die Deutschen zeichneten sich bisher ja nicht immer als
„gute Gastgeber“ in der weltweiten
Öffentlichkeit aus, und nicht unbedingt besaßen wir
das Image des „Freundes“. So haben die letzten
Wochen vor allem das Bild der Deutschen im Ausland
verändert.
War
beim Eröffnungstag in München der Großteil
der Bevölkerung noch skeptisch, so haben sich dann doch viele
von den Fans aus aller Welt euphorisch anstecken lassen.
Möglich, dass es einigen Mitbürgern auch zu viel
„schwarz-rot-gold“ war. Das Ausland aber rieb sich
verwundert die Augen: Das sollte das – so oft steif wirkende
– Deutschland sein?
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Beim Fest
für Fußballfreunde schaute auch ein freundlicher
niederländischer „Engel“ vorbei.
Foto: Noack
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Millionen
Menschen feierten in
den Stadien, vor allem aber auch in den
„Fan-Meilen“, gemeinsam und
friedlich. Noch nie gab es in Deutschland so viel multikulturelle
„Verbrüderungen“. So eine
Weltmeisterschaft hat viele Momente der Lust,
aber auch von Frust – so ist das bei sportlichen
Aufeinandertreffen nun
einmal – vor allem, wenn 32 Mannschaften antrete, um einen
Pokal zu
gewinnen. Natürlich war das in vergangenen Wochen auch bei mir
so.
Frust gab es natürlich am späten Abend des 4. Juli
als „wir“ gegen
Italien (denen wir als „gute“ Gastgeber
natürlich trotzdem zum Titel
gratulieren!) ausschieden.
Dennoch war die Trauer schnell wieder
vorbei. Zuviele positive Erlebnisse hatte ich bereits, vor allem bei
den Spielen, die ich live im Stadion miterlebt hatte. Die vielen
Menschen aus der ganzen Welt, mit denen man sich förmlich mit
„Händen
und Füßen“ verständigt hat! Im
Rückblick auf die vergangenen Wochen
würde ich das Motto deshalb auch gerne leicht
verändern: In Deutschland
waren vor allem viele Freunde zu Gast, und die taten dem Land sehr
gut. Hängen bleiben werden mir also die Bilder der
fröhlichen
Stimmung, die Menschen von der Elfenbeinküste bis Trinidad,
aber auch
große emotionale Momente. So das Bild von Oliver Kahn, als
der
Ausgebotene vor dem Elfmeterschießen zu seinem Kontrahenten
Lens
Lehmann ging – und als dieser ihm als Dank das Spiel um Platz
drei
schenkte und ihm so einen großen Abschied
ermöglichte.
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Gerade die
fröhlichen Mittel- und Südamerikaner sowie die
Afrikaner machten es den Deutschen leicht, gute Gastgeber zu sein und
ließen gelöste Stimmung
aufkommen.
Foto: Noack
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In
Erinnerung bleibt leider auch das Bild eines der
größten Fußballer und
sein unrühmlicher Abgang: Zinedine Zidane nach seiner
Tätlichkeit
weinend auf dem Weg in die Kabine! Als besondere Erinnerung haben wir
nun ein argentinisches Trikot von Maradonna zu Hause. Mein Sohn hat es
im Zug geschenkt bekommen, nachdem wir Argentiniern finanziell aus der
Patsche geholfen hatten, weil sie den falschen Fahrschein
besaßen. Eine
überforderten Bahnbediensteten wollte mit Hilfe der Polizei,
dass sie
beim nächsten Halt den Zug verließen –
wegen „Peanuts“ angesicht der
Gewinne der Bahn in den letzten Wochen!
Die Zeit am besten
zusammengefasst hat Franz Beckenbauer: „Millionen haben
gemeinsam
gefeiert. Menschen unterschiedlichster Nationen, Völker,
Rassen und
Religionen. Alle friedlich miteinander. Ich glaube so stellt sich Gott
die Welt vor!“
Manuela Noack
Auf ins Land des Segens
Und der
Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner
Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir
zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und
will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du
sollst ein Segen sein. Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt
hatte.
1. Mose
12,1–2.4a
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Gott befahl Abram den Aufbruch
und legte die Verheißung seines Segens
hinein.
Foto: imago
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Erst
kürzlich erzählte mir ein älterer Herr, wie
schwer es war, als er 1945 mit seiner Familie aus Schlesien
flüchten und in eine ungewisse Zukunft aufbrechen musste. Er
hat schlimme Zeiten erlebt, und doch spricht er heute von
einer großen Bereicherung für sein Leben. Vieles,
was ihm in den vergangenen Jahrzehnten wichtig und wertvoll geworden
ist, hätte er so wohl in der alten Heimat nicht erlebt. Ob
wohl die zwei Prozent der Männer, Frauen und Kinder der
Weltbevölkerung, die in ihrem Leben auf der Flucht sind, weil
sie in eine bessere Welt aufgebrochen sind, später einmal
Ähnliches sagen können?
„Geh aus
deinem Vaterland …“ – So ein Aufbruch
hat immer zwei mit sich streitende Aspekte: Da ist der Schmerz des
Abschiednehmens von lieben Menschen und vertraut gewordenen
Gewohnheiten. Da muss man loslassen, manchmal auch, was man hat und ist
– und das tut weh. Auf der anderen Seite ist da die Hoffnung
auf Neues und Besseres, die Sehnsucht nach Erfüllung und
Glück, nach Gemeinschaft und Frieden.
In welcher
Situation sich Abram am Beginn der biblischen Vätergeschichten
befand, wissen wir letztlich nicht. Doch eines ist deutlich: Gott
selbst ist am Werk. Gott fordert Abram auf, in ein Land aufzubrechen,
das er ihm zeigen will. Und Gott legt in diesen Aufbruch die
Verheißung seines Segens hinein. Abram soll
„groß“ werden – als Person,
durch die Gemeinschaft der Menschen, in der Nähe Gottes. Wer
weiß, wie lange Abram hin- und hergerissen war: Soll er es
wagen? Soll er es tun? Tragen Glaube und Vertrauen tatsächlich
in eine neue Welt?! Jedenfalls „zog Abram aus, wie der Herr
zu ihm gesagt hatte.“ So wurde er zum Modellfall des
glaubenden Menschen.
Mit dem Aufbruch
Abrams beginnt die Geschichte des Glaubens. Mit dem Aufbruch des Volkes
Israel aus der ägyptischen Knechtschaft beginnt die Befreiung.
Mit dem Aufbruch Jesu hin zum Kreuz beginnt die Erlösung. Und
immer ist Gott dabei der Initiator. Wer im Namen Gottes aufbricht, wird
Segen erlangen und selbst zum Segen werden. So weitet sich das Land des
Segens mitten unter uns.
Wenn jemand sich
vor Arbeit nicht mehr retten kann, sagt Gott: Brich auf in ein Land der
Stille und Meditation, und ich will dich segnen! Wenn jemand keine
Arbeit hat, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in dem jeder Mensch
unabhängig von seiner Leistung unendlich wertvoll ist, und ich
will dich segnen!
Wenn jemand Angst
um die Schöpfung Gottes hat, sagt Gott: Brich auf in ein Land,
in dem sich Menschen an dem göttlichen Auftrag, die
Schöpfung zu bewahren, freuen, und ich will dich segnen!
Wenn ein Volk in
Mutlosigkeit zu versinken droht, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in
dem Menschen immer neu aus der Quelle von Gerechtigkeiten, Frieden und
Liebe schöpfen, und ich will dich segnen! Wenn jemand einen
lieben Menschen verloren hat, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in dem
du gewiss sein kannst: „Ob wir leben oder sterben, sind wir
des Herrn“ – und ich will dich segnen!
Das Land, in das
Gott uns schickt, hat Jesus längst eingenommen. Es ist ein
Land in seiner Nähe, seine neue Welt. In Jesus ist sie
angebrochen und reicht hinein in Gottes Ewigkeit. So geht der Segen
seinen Weg. So erfüllt sich, was der Liedermacher Horst Bracks
so ausdrückt: „Geht in eure neue Welt, was euch
bindet, was euch hält, lasst zurück und lasst euch
ein, wagt es endlich frei zu sein. Gott ist schon am andern Ort, Gott
in einem Segenswort. Wer im Aufbruch ihm vertraut, in der Ferne Heimat
schaut.“ Darum: Auf in ein neues Land! Der Segen Gottes ist
groß und reich.
Dekan Hans-Martin Lechner,
Bad Berneck
Gebet:
Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib
uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln. Amen.
Lied 394: Nun
aufwärts froh
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