Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 28)

Beckenbauer: "So stellt Gott sich die Welt vor"

Unvergessliche Momente während der Fußball-Weltmeisterschaft

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Potugiesische Fans bedanken sich beim Spiel um Platz 3 in Stuttgart bei den Gastgebern für ein tolles Erlebniss.   
Foto: Noack
   

"Die Welt zu Gast bei Freunden“ –das Motto der zu Ende gegangenen Fußballweltmeisterschaft ging zurück auf eine Idee von André Heller.  Wie wurde bei Bekanntgabe des Mottos über den Sinn und Unsinn geredet und diskutiert! Die Deutschen zeichneten sich bisher ja nicht immer als „gute Gastgeber“ in der weltweiten Öffentlichkeit aus, und nicht unbedingt besaßen wir das Image des „Freundes“. So haben die letzten Wochen vor allem das Bild der Deutschen im Ausland verändert. 

War beim Eröffnungstag in München der Großteil der Bevölkerung noch skeptisch, so haben sich dann doch viele von den Fans aus aller Welt euphorisch anstecken lassen. Möglich, dass es einigen Mitbürgern auch zu viel „schwarz-rot-gold“ war. Das Ausland aber rieb sich verwundert die Augen: Das sollte das – so oft steif wirkende – Deutschland sein?

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Beim Fest für Fußballfreunde schaute auch ein freundlicher niederländischer „Engel“ vorbei.
Foto: Noack
 
 

Millionen Menschen feierten in den Stadien, vor allem aber auch in den „Fan-Meilen“, gemeinsam und friedlich. Noch nie gab es in Deutschland so viel multikulturelle „Verbrüderungen“. So eine Weltmeisterschaft hat viele Momente der Lust, aber auch von Frust – so ist das bei sportlichen Aufeinandertreffen nun einmal – vor allem, wenn 32 Mannschaften antrete, um einen Pokal zu gewinnen. Natürlich war das in vergangenen Wochen auch bei mir so. Frust gab es natürlich am späten Abend des 4. Juli als „wir“ gegen Italien (denen wir als „gute“ Gastgeber natürlich trotzdem zum Titel gratulieren!) ausschieden.

Dennoch war die Trauer schnell wieder vorbei. Zuviele positive Erlebnisse hatte ich bereits, vor allem bei den Spielen, die ich live im Stadion miterlebt hatte. Die vielen Menschen aus der ganzen Welt, mit denen man sich förmlich mit „Händen und Füßen“ verständigt hat! Im Rückblick auf die vergangenen Wochen würde ich das Motto deshalb auch gerne leicht verändern: In Deutschland waren vor allem viele Freunde zu Gast, und die taten dem Land sehr gut.  Hängen bleiben werden mir also die Bilder der fröhlichen Stimmung, die Menschen von der Elfenbeinküste bis Trinidad, aber auch große emotionale Momente. So das Bild von Oliver Kahn, als der Ausgebotene vor dem Elfmeterschießen zu seinem Kontrahenten Lens Lehmann ging – und als dieser ihm als Dank das Spiel um Platz drei schenkte und ihm so einen großen Abschied ermöglichte.

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Gerade die fröhlichen Mittel- und Südamerikaner sowie die Afrikaner machten es den Deutschen leicht, gute Gastgeber zu sein und ließen gelöste Stimmung aufkommen.  
Foto: Noack
 
   

In Erinnerung bleibt leider auch das Bild eines der größten Fußballer und sein unrühmlicher Abgang: Zinedine Zidane nach seiner Tätlichkeit weinend auf dem Weg in die Kabine! Als besondere Erinnerung haben wir nun ein argentinisches Trikot von Maradonna zu Hause. Mein Sohn hat es im Zug geschenkt bekommen, nachdem wir Argentiniern finanziell aus der Patsche geholfen hatten, weil sie den falschen Fahrschein besaßen. Eine überforderten Bahnbediensteten wollte mit Hilfe der Polizei, dass sie beim nächsten Halt den Zug verließen – wegen „Peanuts“ angesicht der Gewinne der Bahn in den letzten Wochen!
Die Zeit am besten zusammengefasst hat Franz Beckenbauer: „Millionen haben gemeinsam gefeiert. Menschen unterschiedlichster Nationen, Völker, Rassen und Religionen. Alle friedlich miteinander. Ich glaube so stellt sich Gott die Welt vor!“    
  

Manuela Noack 


 

Auf ins Land des Segens

Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.
    

1. Mose 12,1–2.4a

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Gott befahl Abram den Aufbruch und legte die Verheißung seines Segens hinein.   
Foto: imago

 

Erst kürzlich erzählte mir ein älterer Herr, wie schwer es war, als er 1945 mit seiner Familie aus Schlesien flüchten und in eine ungewisse Zukunft aufbrechen musste. Er hat schlimme Zeiten erlebt, und doch spricht er heute  von einer großen Bereicherung für sein Leben. Vieles, was ihm in den vergangenen Jahrzehnten wichtig und wertvoll geworden ist, hätte er so wohl in der alten Heimat nicht erlebt. Ob wohl die zwei Prozent der Männer, Frauen und Kinder der Weltbevölkerung, die in ihrem Leben auf der Flucht sind, weil sie in eine bessere Welt aufgebrochen sind, später einmal Ähnliches sagen können?

„Geh aus deinem Vaterland …“ – So ein Aufbruch hat immer zwei mit sich streitende Aspekte: Da ist der Schmerz des Abschiednehmens von lieben Menschen und vertraut gewordenen Gewohnheiten. Da muss man loslassen, manchmal auch, was man hat und ist – und das tut weh. Auf der anderen Seite ist da die Hoffnung auf Neues und Besseres, die Sehnsucht nach Erfüllung und Glück, nach Gemeinschaft und Frieden.

In welcher Situation sich Abram am Beginn der biblischen Vätergeschichten befand, wissen wir letztlich nicht. Doch eines ist deutlich: Gott selbst ist am Werk. Gott fordert Abram auf, in ein Land aufzubrechen, das er ihm zeigen will. Und Gott legt in diesen Aufbruch die Verheißung seines Segens hinein. Abram soll „groß“ werden – als Person, durch die Gemeinschaft der Menschen, in der Nähe Gottes. Wer weiß, wie lange Abram hin- und hergerissen war: Soll er es wagen? Soll er es tun? Tragen Glaube und Vertrauen tatsächlich in eine neue Welt?! Jedenfalls „zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.“ So wurde er zum Modellfall des glaubenden Menschen.

Mit dem Aufbruch Abrams beginnt die Geschichte des Glaubens. Mit dem Aufbruch des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft beginnt die Befreiung. Mit dem Aufbruch Jesu hin zum Kreuz beginnt die Erlösung. Und immer ist Gott dabei der Initiator. Wer im Namen Gottes aufbricht, wird Segen erlangen und selbst zum Segen werden. So weitet sich das Land des Segens mitten unter uns.

Wenn jemand sich vor Arbeit nicht mehr retten kann, sagt Gott: Brich auf in ein Land der Stille und Meditation, und ich will dich segnen! Wenn jemand keine Arbeit hat, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in dem jeder Mensch unabhängig von seiner Leistung unendlich wertvoll ist, und ich will dich segnen!

Wenn jemand Angst um die Schöpfung Gottes hat, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in dem sich Menschen an dem göttlichen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, freuen, und ich will dich segnen!

Wenn ein Volk in Mutlosigkeit zu versinken droht, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in dem Menschen immer neu aus der Quelle von Gerechtigkeiten, Frieden und Liebe schöpfen, und ich will dich segnen! Wenn jemand einen lieben Menschen verloren hat, sagt Gott: Brich auf in ein Land, in dem du gewiss sein kannst: „Ob wir leben oder sterben, sind wir des Herrn“ – und ich will dich segnen!

Das Land, in das Gott uns schickt, hat Jesus längst eingenommen. Es ist ein Land in seiner Nähe, seine neue Welt. In Jesus ist sie angebrochen und reicht hinein in Gottes Ewigkeit. So geht der Segen seinen Weg. So erfüllt sich, was der Liedermacher Horst Bracks so ausdrückt: „Geht in eure neue Welt, was euch bindet, was euch hält, lasst zurück und lasst euch ein, wagt es endlich frei zu sein. Gott ist schon am andern Ort, Gott in einem Segenswort. Wer im Aufbruch ihm vertraut, in der Ferne Heimat schaut.“ Darum: Auf in ein neues Land! Der Segen Gottes ist groß und reich.

Dekan Hans-Martin Lechner,

Bad Berneck


Gebet: Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln. Amen.

Lied 394: Nun aufwärts froh

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