Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 26)

Ein buntes und fröhliches "Flagge zeigen"

Über 5000 Menschen beim Fest für Fußballfreunde in Nürnberg

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Michael Götz vom CVJM, Detlef Bierbaum – Dekan und WM-Beauftragter des Dekanates – und Peter Reuter (von links) von der evangelischen Jugend bildeten das Kernteam der Vorbereitung für das Fest.    
Foto: Noack
 
   

Unter dem Motto „Viele Kirchen – ein Fest“ haben sich über 5000 Menschen auf dem Kornmarkt in Nürnberg getroffen und gemeinsam ein Fest für Fußballfreunde gefeiert. Nicht mitgezählt wurden die unzähligen Passanten an den drei Nebenbühnen in den angrenzenden Gassen. Einen Anstoß für den Glauben – das wollten die Initatoren erreichen und haben es mit einem bunten und vielfältigen, immer kurzweiligen Programm in überzeugender Weise geschafft. Noch nie hat in Nürnberg eine so breite Allianz von christlichen Kirchen, Gemeinden und Werken ein gemeinsames Fest organisiert.

Gelebte Ökumene

Eine Fußball-Weltmeisterschaft ist ein Weltereignis. Fünf der 64 Spiele wurden zwischen dem 11. und 25. Juni in Nürnberg ausgetragen. Diese prickelnde Atmosphäre begeisternder Spiele, Traumpässe und Fehlpässe, Freudentränen und Trauer, kulturelle Höhepunkte außerhalb der Stadien, Events am Rande der Spiele! Die Welt zu Gast in Nürnberg, das stellte auch an Christen aus den verschiedensten Kirchen und Gemeinden neue Herausforderungen.

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Paolo Sergio, ehemaliger brasilianischer Weltmeister erzählte von seinem Glauben.
Foto: Noack
 
 

Deshalb hat sich ein Netzwerk von Mitarbeitern des CVJM, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK), der evangelischen Jugend Nürnberg, dem Team Eichenkreuz, der katholischen Stadtkirche, der Kolpingfamilie und dem evangelische Dekanat gebildet, um gemeinsam das Fest zu planen und durchzuführen. Dekan Detlef Bierbaum beeindruckte schon bei der Vorbereitung vor allem das sehr gute ökumenische Miteinander. „Die Ökume in Nürnberg hat sich in der Vorbereitung des Festes sehr positiv entwickelt. Darauf kann man in Zukunft bei anderen Projekten sicher weiter aufbauen“, sagte der engagierte Beauftrage für die Weltmeisterschaft des Dekanates. 

Neben einem attraktiven Bühnenprogramm mit dem Kinderliedermacher Daniel Kallauch, der südafrikanischen Tanzgruppe IThemba, der HipHop-Band BAFF, dem Wortakrobaten Theo Eißler und dem Musiker Jo Jasper gab es vor allem auch die Möglichkeit, sich selbst betätigen: Vom Streetsoccer über Tischkicker, einer Torwand, einem Sponsoren-Lauf bis hin zu einer Abseilaktion, einem Trommelworkshop sowie Mal- und Bastelaktionen wurde vieles geboten. Das Kunstprojekt „Sichtschicht“ war besonders augenfällig. In einem Plastikschlauch konnte Fußball gespielt werden.

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Daniel Kallauch zog vor allem Kinder und junge Familien mit seinem Soloprogramm in den Bann und sorge für begeistere Stimmung am Platz vor der Bühne.   
Foto: Noack
 
   

Star des Tages war zweifellos der brasilianische Fußballweltmeister von 1994 Paulo Sergio, der in einem Interview in einem der sogenannten „Stop & Go – Gottesdiensten“ von seinem Glauben sprach. „Während meiner Karriere hab ich zu Gott gebetet, dass er mir nachher die Möglichkeit gibt, seine Botschaft weiter zu geben. Ich wünsche mir von deutschen Christen auch mehr Mut, um in der Öffentlichkeit von ihrem Glauben zu erzählen.“ China Keitetsi (ehemalige Kindersoldatin, siehe Seite 10), sagte in einem Interview: „Es ist schön, hier alle friedlich miteinader spielen und feiern zu sehen. Ich wünsche allen Kindern dieser Welt, dass sie mit Bällen schießen können und nicht mit Gewehren!“ Dekan Bierbaum meinte: „Es ist schön, wenn die Kirchen Flagge zeigen und so enthusiastisch die Botschaft Gottes weitergeben wie Paulo Sergio, frisch, fröhlich, frei.“ Das ist mit diesem besonderen Fest sicher in beeindruckender Weise gelungen.    

Manuela Noack 


 

Gott gewinnt den Titel – schon vor dem Endspiel

Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: Der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.      

Psalm 103, 1–4

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Jubelnde, frohgestimmte Menschen in der Masse. Dieses Bild entstand nicht bei einem Fußballspiel oder auf einem Konzert, sondern auf einem evangelischen Kirchentag.
Foto: epd

 

Vom Jubel der Fans sind diese Tage durchzogen und von der Enttäuschung der Verlierer. „We are the Champions“ singen die einen und die anderen schleichen vom Platz mit hängenden Köpfen. Nur über die besten Akteure, denen alles gelungen ist und die alles gegeben haben, werden die Zeitungen uneingeschränkte Lobeshymnen anstimmen. Bereits kleinste Fehler werden ansonsten zu großen Schlagzeilen verarbeitet und als nationale Schande an den Pranger gestellt.

Da muss Gott doch alles richtig gemacht haben, dass ein „Fan“ sein Loblied anstimmt auf ihn: „Lobe den Herrn meine Seele und was in mir ist seinen heiligen Namen.“ Das klingt nach einem Sieg auf der ganzen Linie, nach dem Titelgewinn: „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Das klingt auch nach rundherum unbeschwerten Gläubigen, denen die Probleme, Sorgen, Leid und Krankheit unbekannt sind.  In der Ukraine sind nach der Wende kleine lutherische Gemeinden wieder entstanden. 

Menschen gaben dadurch ihrem Glauben Ausdruck, den auch Gefangenschaft in Sibirien und die Arbeitslager am Weißen Meer nicht auslöschen konnten. Eines der ersten Lieder in fast jeder Gemeinde ist der Choral „Lobe den Herren den mächtigen König der Ehren“. Man sollte meinen, dass die schwierigen Lebensverhältnisse und das übergroße Leid und Unrecht das Lob in den Menschen erstickt haben. Doch es ist das Gegenteil der Fall. Das bloße Überleben im Lager, später der Wiederaufbau der Kirche oder eine Wiedergenesung von Krankheit waren und sind Gelegenheiten Gott zu loben in den kleinen Gemeinden.  

Die Erinnerung an das, was Gott getan hat, setzt wie im Psalm 103 in der persönlichen Erfahrung an. Der Psalmist rückt dabei an die erste Stelle die Vergebung der Sünde, die Aufhebung der Trennung von Gott. Gutes fängt für ihn nicht dort an, wo sich die Lebenssituation verbessert, sondern wo die Trennung von Gott aufgehoben ist. Dass im gleichen Atemzug auch Heilungserfahrungen in das Lob Gottes aufgenommen werden, macht deutlich, dass Sündenvergebung nicht „theoretisch“ verstanden wird, sondern konkret Wirkungen im Leben zeigt. 

Aber das Beispiel der verfolgten Christen im Osten zeigt, dass das Lob Gottes nicht erst dann erklingen kann, wenn alle Gebrechen geheilt, alles Leid besiegt und alle Probleme gelöst sind. Wir müssen nicht erst das Endspiel abwarten, um Gott als den Sieger zu loben. Dabei sind wir zuversichtlich, dass sich die Krönung unseres Lebens mit Gnade und Barmherzigkeit ereignet nicht als ein Wanderpokal, den wir nach vier Jahren weitergeben müssen, sondern als immerwährende Gegenwart Gottes, heute schon erfahrbar. Gott sei Lob und Dank.
   

Pfarrer Ulrich Zenker,

Olching

Gebet: O Jesu, wir wissen: Kein Wort, kein Gedanke und kein Geschöpf auf dieser Welt kann nur von Ferne sagen, begreifen oder darstellen, wer Du bist und wie Du bist. Und dennoch darf unser Herz Dich anbeten, Dich lieben in der Unendlichkeit Deines Erbarmens. Hochgelobt bist Du! Amen.   

nach Hanna Hümmer

Lied 316,4: Wir glauben Gott im höchsten Thron

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