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Gemeindepfarrer
in der Notfallseelsorge
Sonntags kurz vor neun. Pfarrer Martin Staebler rast mit dem Auto über Landstraßen zum Gottesdienst nach Bertholdsdorf im Dekanat Windsbach. Er hat es eilig. Er hat nicht verschlafen und kommt auch nicht von zuhause. Er kommt von einem Einsatz der Notfallseelsorge. Früh morgens klingelte das Telefon. Die Rettungsleitstelle alarmierte ihn. Eine Bauernfamilie hatte den Großvater tot im Stall gefunden: Herzinfarkt. Die Angehörigen sind geschockt. Ein Fall für die Notfallseelsorge. – Nachdem der Notarzt den Tod festgestellt hat, muss dieser wieder weiter zum nächsten Patienten. Die Angehörigen sollen aber im ersten Moment des Schreckens nicht allein gelassen werden. Der Notfallseelsorger bleibt vor Ort, steht den Menschen bei, bis die Verwandtschaft der Familie kommt. Als diese sich um die Trauernden kümmern kann und der zuständige Gemeindepfarrer verständigt ist, muss sich Pfarrer Staebler wieder an seine Aufgabe als Gemeindepfarrer erinnern und rechtzeitig zum Gottesdienst in der Kirche sein. „Der Wechsel geht gut, da die Aufgaben vertraut sind. Wie sehr einen das schlaucht, wie viel dabei auch immer wieder auf der Strecke bleibt, das wird mir oft erst im Nachhinein bewusst“, sagt Staebler. Dabei ist er ein „Profi“, da er einen Dienstauftrag im Umfang einer Viertel Pfarrstelle für die Notfallseelsorge inne hat. Dazu hatte er Fortbildungen absolviert und entsprechende Erfahrungen sammeln können. In anderen Dekanaten sind es Gemeindepfarrerinnen und Pfarrer, Diakoninnen und Diakone die neben ihrem Arbeitsalltag, quasi ehrenamtlich, in der Notfallseelsorge arbeiten. Sind sie darauf genügend vorbereitet? Wie schaffen sie den harten Wechsel zwischen Gemeindealltag und Krisensituation? Er fühlt sich durch Seminare, die zu speziellen Themen der Notfallseelsorge angeboten werden und durch den Austausch mit Kollegen gut vorbereitet, sagt Pfarrer Matthias Binder. Er teilt sich die Pfarrstelle im mittelfränkischen Rednitzhembach (Dekanat Schwabach) mit seiner Ehefrau Elke. Binder ist in das Team der Notfallseelsorge im Dekanat Schwabach eingebunden, das seine Arbeit erst im Januar 2006 frisch begonnen hat. „Ich brauchte neben dieser Ausbildung in Techniken der Notfallseelsorge auch eine innere Vorbereitung“, weiß Binder. „Ich habe mich dazu in Gedanken auf Notsituationen, die es im Leben der Menschen gibt, vorbereitet.“ Wichtig war ihm auch die Beauftragung im Segnungsgottesdienst zu diesem Amt, durch die er sich geistlich vorbereitet fühlt. Was nun Dienst und was Ehrenamt sei, sei für ihn nicht zu trennen. „Etwas bleibt zuhause wohl immer liegen, wenn ich in den Einsatz gerufen werde – sowohl dienstlich, als auch privat.“ Er könne den „Pfarrer“, nicht ablegen und es sei zusätzliche Arbeitszeit, die von der Familienzeit abginge. Danach kann er seiner Arbeit wieder nachgehen, im Wissen, dass „ich dann nicht so viel von mir fordern kann, wie im normalen Alltag, damit es mich nicht überrollt“. Binder weiß vorher schon, wenn er zum Einsatz gerufen wird, dass er dann sehr beansprucht ist, „weil etwas zu verarbeiten ist, was oft ganz neu für mich ist“. „Anstrengend finde ich immer diese Bereitschaft: Das Handy begleitet mich dann Tag und Nacht“, bekennt auch Staebler.
Manchmal würde man selbst als Pfarrer mit theologischen Fragen
konfrontiert, mit denen man sich vorher noch nie befasst habe, sagt
Binder. Es sei dann weniger die Frage nach dem „Warum
lässt Gott das zu?“, mit der er gerechnet habe,
sondern ganz neue Aspekte des Glaubens die aufbrächen:
„Dann fange ich an, neu nachzudenken!“ Pfarrerin Barbara Overmann aus Wittelshofen im Dekanat Dinkelsbühl ist schon einige Jahre neben ihrer Pfarrstelle auch in der Notfallseelsorge engagiert. Den Unterschied im Dienst als Gemeindepfarrerin auf dem Land dazu, sieht sie als nicht so groß an: Als Pfarrerin kann ich jederzeit auch zu einem Todesfall in der Gemeinde gerufen werden, manchmal mitten in der Nacht“, beschreibt sie einen Teil ihres „Alltags“. „Es dauert zwar ein paar Jahre, bis man das als Notfallseelsorgerin eingeübt hat, aber dann wartet man nicht mehr nervös auf das Klingeln des Notfallhandys, sondern ist bereit, in dem Moment wenn die Leitstelle anruft.“ Sie
erinnert sich an einen Einsatz, der an einem Vormittag begann: Die
Zentrale meldete einen schweren Autounfall mit zwei Toten und zwei
Verletzten. „Da habe ich gleich den Konfirmandenunterricht
für den Nachmittag abgesagt, weil mir klar war, dass ich
danach nicht unvermittelt zur Tagesordnung zurückkehren
kann“, beschreibt Overmann die Anforderungen an die Psyche.
Sie persönlich entspannt dann bei Gartenarbeit am besten.
„Oder ich sitze einfach still da.“ Manchmal dauert
es Stunden, oder gar bis zum nächsten Tag, weiß
Overmann, bis der Kopf wieder für anderes frei ist. „Wenn die Feuerwehrleute am Einsatzort wissen, das ist die Pfarrerin vom übernächsten Dorf, ist gleich eine Vertrautheit da, die für alle Seiten sehr förderlich ist“, beschreibt Barbara Overmann die Vorteile, wenn eine Gemeindepfarrerin Dienst in der Notfallseelsorge leistet. Aber sie wurde auch gut ausgebildet: „In Neuendettelsau simulierte die Feuerwehr extra für uns einen Notfall, in dem wir auf einem Dachboden von künstlichem Rauch umfangen waren und gerettet wurden“, erzählt die Notfallseelsorgerin. „Zu wissen, wie sich ein Opfer eines Unglücks fühlt und in etwa zu kennen, was es erlebt hat, ist eine unschätzbare Hilfe bei einem Einsatz!“ Die Rettungskräfte in der Region Dinkelsbühl honorieren diesen Einsatz mit Respekt und Vertrauen. „An
der Einsatzstelle ist das tolle die Gemeinschaft mit den
Feuerwehrleuten“, empfindet auch Martin Staebler:
„Wir kennen uns meistens von Versammlungen, Übungen
oder von der Feuerwehr Führungsebene – auch manche
Polizisten und Rettungssanitäter kennt man mit der Zeit
– das ist ein gutes Miteinander, das verbindet.“ Martin Bek-Baier Worauf Gott mehr Wert legtStrebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gabe des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede! Denn wer in Zungen redet, der redet nicht für Menschen, sondern für Gott; denn niemand versteht ihn, vielmehr redet er im Geist von Geheimnissen. Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.
Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle
redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder
Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid
von Sinnen? Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme
ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von
allen geprüft und von allen überführt; was
in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so
würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und
bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist. 1.
Korinther 14, 1–3 und 23–25
Heuer habe ich die Philippinen besucht. In einem entlegenen evangelischen Dorf machen nicht nur Bewaffnete der Revolutionären Volksarmee die Gegend unsicher, sondern neuerdings wirkt auch eine Pfingstgemeinde. Diese legen Wert auf die „Zungenrede“. Dagegen ist nichts einzuwenden, schrieb Paulus an die Korinther. Wenn es echt ist, redet man dabei zu Gott. Nur soll man es nicht überbewerten. Denn maßgeblich ist, was Gott beabsichtigt. Und worauf Gott hinauswill, ist bekannt. Liebe ist seine Antriebskraft. Und aus Liebe zu den Verlorenen ist er in die Welt gekommen. Das Ziel ist, dass alle, die an Christus glauben, nicht verlorengehen. Also sollten möglichst alle dazu kommen, an Christus zu glauben. Und für eine christliche Gemeinde, schreibt Paulus, kommt es darauf an, dass sie sich diese Absicht zueigen macht. Wer durch Christus mit Gott lebt, kann damit rechnen, dass Gottes Geist ihn inspirieren und was er sich selbst zutrauen könnte, befähigen wird. Er kann „Geistesgaben“ also „Charismen“ in Anspruch nehmen. Aber was Paulus frühen „Pfingstlern“ in Korinth ins Stammbuch schrieb, ist heute auch den philippinischen und hiesigen „charismatischen“ Gemeinden in Erinnerung zu rufen. Die „Geistesgaben“ sind nicht Selbstzweck. Sie dienen nicht dazu, dass man selbst vor Gott eine gute Figur macht. Sie sollen der Verwirklichung von Gottes Absicht dienen. Es geht also vor allem darum, sich in die Liebe Gottes einzuleben. Wenn man nicht die Liebe Gottes in Betracht zöge, die alle Menschen, die ihm offenbar verlorengegangen sind, wiedergewinnen will, würde man sich wundern, dass das Reden zu Gott nicht als das Wichtigste und vor allem zu Erstrebende empfohlen wird. Paulus aber schreibt, dass es Gott vor allem darauf ankommt, dass Menschen innerlich aufgebaut und auf den richtigen Weg gebracht werden. „Zungenrede“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie kein Mensch versteht. Wenn sie aber niemand versteht, dient sie der Absicht Gottes nicht. Wer nicht eingeweiht ist, fühlt sich, wenn er in eine Pfingstgemeinde gerät, befremdet. Damit ist der Zielsetzung Gottes nicht
gedient. Das Bestreben muss sein, verständlich zu machen, was
Gott will. Das geschieht, wenn man in klaren Worten sagt: „So
spricht der Herr.“ Mit dieser Einleitung haben die Propheten
ihre Botschaft an die Menschen herangetragen. Paulus sagt,
„Zungenrede“ kann Nichtglaubende entweder
faszinieren oder abschrecken. Aber sie bringt sie dem Glauben nicht
näher. Gott hat es aber darauf abgesehen, dass Nichtglaubende
gläubig werden. Dazu kann es kommen, wenn Gottes Wort ihnen
aufdeckt, was in ihren Gewohnheiten verfehlt ist, und dass es eine
Möglichkeit gibt, davon in ein neues Leben hinein befreit zu
werden. Dass die neuen „Pfingstler“ in dem
philippinischen Dorf zu unserer Bibelstunde mitkamen, macht mir
Hoffnung, dass sie sich durch Gottes Wort gewinnen lassen,
„fünf“ verständliche Worte froher
Botschaft „zehntausend“ geheimnisvollen Silben in
Zungenrede vorzuziehen, weil die Liebe Gottes die treibende Kraft des
Heiligen Geistes ist. Pfarrer
Wolfhart Schlichting, Friedberg Lied 156: Komm, heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen |
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