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Untadelig im Haifischbecken
Christliches
Leben und erfolgreiches unternehmerisches Handeln – wie passt
das zusammen?
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Geld und
Christentum: Ausgleich nur durch
Zaubertricks?
Foto: epd
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Dem
Starken gehört der Erfolg. Viele große
Wirtschaftsunternehmen führen uns tagtäglich vor
Augen, wie gerissene Machenschaften Gewinne maximieren helfen.
Christliche Werte scheinen in dem Haifischbecken der freien Wirtschaft
nichts zu suchen zu haben. Dem Konkurrenten die andere Backe
hinzuhalten – wie unwirtschaftlich! Und dennoch geht es, zu
den erfolgreichen Wirtschaftsführern in unserem Land zu
gehören und gleichzeitig christlich zu
leben.
Das
behaupten jedenfalls Unternehmer, die in der Organisation
„Christen in der Wirtschaft (CiW)“ organisiert
sind. An diesem Wochenende halten sie einen Kongress im
Zugspitzdorf Grainau ab. Unter dem Tagungsmotto „Was wirklich
zählt: Zeichen setzen – Werte leben –
offensiv handeln“ denken sie über die
Herausforderung nach, christliche Maßstäbe in die
Tat umzusetzen.
Mehr Hilfe wird
eingefordert
Zwar
forderte Jesus einst vom reichen Jüngling, dass dieser all
seinen Besitz aufgeben müsse, um ihm nachfolgen zu
können (Markus 10, 17 – 27). Andererseits setzte
Josef in Ägypten erfolgreiches, vorausschauendes und
verantwortungsvolles Wirtschaften dazu ein, während der sieben
mageren Jahre ganz Ägypten und die umliegenden
Nomadenvölker vor dem Hungertod zu bewahren (1. Mose 41 ff).
Und Josef von Arimathäa setzte seinen Einfluss und Besitz ein,
um den gekreuzigten Jesus einen Grabplatz zu verschaffen (Markus 15,
43).
Nicht
betrügen oder lügen, keine Schwarzarbeit oder
Steuerhinterziehung – für christliche Unternehmen
sollte dies selbstverständlich sein. Diese Grundsätze
sollten für Unternehmer sowieso schon
selbstverständlich sein. „Doch wenn bekannt ist,
dass ein Unternehmer Christ ist“, so Helmut
Matthies, Leiter der evangelischen Nachrichtenagentur idea und einer
der Referenten beim Kongress, „kann er sich vor lauter
Anfragen kaum retten. Das betrifft nicht nur alle möglichen
Spendenorganisationen, die das Unternehmen mit Anfragen bombardieren,
sondern auch Arbeitssuchende, die sonst nirgendwo mehr
unterkommen.“
Sie
würden gerade bei christlichen Unternehmen auf Barmherzigkeit
hoffen. Helmut Matthies fährt fort: „Oder die
christlichen Unternehmer leiden darunter, dass sie zu wenig Menschen
entlassen.“ Natürlich hätten gerade
christliche Unternehmer eine besondere Verantwortung gegenüber
ihren Arbeitnehmern. Doch ohne eine gewisse Härte
könnten sie nicht am Markt bestehen.
„Andererseits
bekommen wir von unseren Mitarbeitern aber auch sehr viel
zurück, wenn wir sie nicht nur unter dem Aspekt ihrer
Arbeitsleistung begreifen.“ Heinrich Deichmann –
der ebenfalls vor dem Kongress der „Christen in der
Wirtschaft“ spricht – hat gute Erfahrungen damit
gemacht, seine christliche Überzeugung auch als Unternehmer zu
leben. Bezahlte Fitness-Urlaube oder eine Unterstützungskasse
gehören deshalb zu den Vergünstigungen, die der
Schuhhändler seinen Mitarbeitern bietet. Er fährt
fort: „Doch wir haben nichts zu verschenken.
Natürlich muss auch unser Unternehmen Gewinn abwerfen. Wir
fordern deshalb von jedem unserer Mitarbeiter genauso viel Einsatz wie
in jedem anderen Unternehmen. Aber wir merken, dass sie sich auch sehr
stark mit der Firma identifizieren.“
Ähnlich sieht es sein Kollege Günter Veit, der in
Landsberg ein erfolgreiches Unternehmen, unter anderem für
Maschinen für Textilpflege, aufgebaut hat. Ein gutes
Betriebsklima ist für ihn mit einscheidend für die
Freude an Arbeit und ihrer Leistung. Dazu gehört zum Beispiel
auch, dass die Vorgesetzten bei Problemen nach Lösungen und
nicht nach Schuldigen suchen. Es sollten auch alle Ideen
berücksichtigt werden – ganz egal, von wem sie
kommen. Interne Mitarbeiterbefragungen belegen, dass die
überwiegende Mehrzahl der Beschäftigten sich in
seinem Betrieb gut aufgehoben fühlt.
Günter Veit empfiehlt den ständigen Kontakt zu Gott
als eine Hilfe, um christliche Werte als Christ und Unternehmer
umsetzen zu können. „Praktisch spielt sich dies in
so genannten Sekundengebeten ab. Für das, was ich gerade tue,
bete ich: Herr, segne diesen Mitarbeiter. Oder: Herr, hilf mir, die
Wahrheit in Liebe zu sagen.“
Leistungen schon
per Gesetz
Allerdings
muss der Unternehmer bei den konkreten Umsetzungsmöglichkeiten
eine Einschränkung machen: „Leistungen, die in
anderen Ländern aus christlicher Verantwortung
gegenüber den Mitarbeitern getan werden, sind hier in
Deutschland schon per Gesetz vorgeschrieben. Insofern habe man wenig
Spielraum, wenn man noch international konkurrenzfähig bleiben
will.“ Ähnliches gelte etwa auch bei der
Beschäftigung von Frauen, die nur halbtags arbeiten
können, wenn sie gleichzeitig Mütter sind:
„Natürlich muss gewährleistet sein, dass
den gesamten Arbeitstag über das Telefon besetzt
ist.“
„Frauen
in Führungsetagen sind meistens keine
Mütter“, bestätigt auch Andreas Grabenstein
aus Nürnberg. Er bietet mit seinem Projekt
„SeitenWechsel“ einen Erfahrungswechsel an.
Führungskräfte wagen sich dabei aus ihrer gewohnten
Umgebung heraus, um sich eine Woche lang sozial zu engagieren.
Überwinden von Schwellenängsten und Vorurteilen sieht
der einstige Pfarrer als notwendige Lernschritte an. „Manche
Manager bewundern die Konsequenz, mit der Sozialarbeiter
gegenüber schwierigem Klientel auftreten können.
Diese haben keine Hierarchien hinter sich, sondern nur ihre
persönliche Autorität.“
Bereits
diese Beispiele zeigen eine breite Spannbreite der
Möglichkeiten, aber auch der Grenzen bei der Umsetzung
biblischer Werte im wirtschaftlichen Alltag. Ohne
Möglichkeiten der Weltflucht müssen wir alle mehr
oder weniger Kompromisse mit der Wirklichkeit machen –
jedenfalls bis zur Wiederkehr Jesu. Zum Schluss meint Andreas
Grabenstein nachdenklich: „Wir wünschen uns immer
etwas von anderen oder fordern, was sie tun müssten. Wichtig
ist aber: Wie kann ich selbst mein Leben gestalten um Zeugnis
abzugeben?“
Susanne Borée
Zum Fingerzeig Gottes werden
So spricht
der Herr Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die
euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden
euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des Herrn. Sie
sagen denen, die des Herrn Wort verachten: Es wird euch wohlgehen
–, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln,
sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. Ich sandte
die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen,
und doch weissagen sie. Denn wenn sie in meinem Rat gestanden
hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk
gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem
bösen Tun zu bekehren.
Jeremia
23, 16–17 und 21–22
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Wenn Christen vergeben
können, den Glauben ernst nehmen und die Gemeinde als
Lebensraum begreifen, dann können ihre Kirchen Fingerzeige
Gottes in der Welt werden. Im Bild die Dorfkirche von Gelmeroda, die
zur Lichtskulptur wurde.
Foto: epd
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Viele Menschen
leben heute einen christlichen Glauben, der sich vor allem von der
Freiheit her versteht. Nun wissen wir, dass wir die geliebten Kinder
Gottes sind, die Gott zur Freiheit berufen hat. Und auch der Heilige
Geist macht frei. Doch darf diese Freiheit nicht falsch verstanden
werden. Seit einigen Jahren gibt es wieder verstärkt eine
Diskussion über die Werte, die unser eigenes Leben, unsere
Gesellschaft und Europa bestimmen sollen. Die Menschen suchen wieder
verstärkt nach seelischem Halt und geistiger Orientierung.
Doch die „Angebote“ sind sehr vielfältig,
innerhalb und außerhalb der Kirche.
Dabei ist es nach wie vor vielen nicht sehr willkommen, wenn die Kirche
die Gebote Gottes in aller Klarheit verkündigt. Das ist auch
nicht so bequem, wie den Menschen nach dem Mund zu reden. Und doch
zeigt ein Blick in das Alte Testament, auf Verse wie hier im Buch des
Propheten Jeremia, dass immer wieder auch man-che selbsternannte
Propheten am Werk sind, die nicht den Willen und die Gebote des Herrn
verkündigen, sondern ihre eigenen populären Ideen.
Sie bestärken jene, die des Herrn Wort verachten und einen
falschen Lebenswandel führen, dann noch auf ihren Irrwegen.
Gott geht mit solchen falschen Propheten hart ins Gericht. Er nennt sie
Betrüger und sagt klar, dass seine Propheten die Menschen von
schlechtem Lebenswandel und bösem Tun abbringen und sie
bekehren sollen, statt sie darin zu bestärken. Für
uns als Christen und für die Kirche sind solche Mahnungen
immer auch eine Anfrage an uns selbst. Erliegen wir den Propheten
innerhalb und außerhalb der Kirche, die uns das
Blaue vom Himmel versprechen, unabhängig davon, wie lebendig
unser Glaube ist und ob wir Gottes Gebote befolgen?
Christus spricht: „Das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut
Buße und glaubt an das Evangelium!“ Wir
müssen auch heute solche Mahnungen Gottes ernst nehmen und von
unserem oft lauen Glauben und lockeren Lebenswandel zu einer neuen
Spiritualität der Umkehr finden. Zu einer solchen
Spiritualität der Umkehr zählt, ob wir Menschen immer
wieder vergeben können und ob Menschen uns vergeben
können. Dazu zählt, ob wir den Glauben wieder
wichtiger nehmen, als so manche der weltlichen
Beschäftigungen, die uns in Beschlag nehmen. Und es
zählt dazu, ob wir die Kirche und die Gemeinde als unseren
Lebensraum begreifen, auch wenn uns die Kirche dann nicht immer bequeme
Gebote verkündigt.
Das ist nicht bequem und es ist nicht einfach. Doch wenn uns das als
Christen und als Gemeinde gelingt, dann sind wir das Licht der Welt und
das Salz der Erde. Und dann sind auch unsere Kirchen Fingerzeige Gottes
in der Welt, nicht nur Tempel der Tradition.
Pfarrer Jürgen Henkel,
Sibiu, Rumänien
Gebet:
Herr, weise uns immer neu deinen Weg, schenke uns immer neu Einsicht in
deine Gebote und die Kraft, sie zu leben. Tröste uns,
stärke uns, heilige uns. Amen.
Lied 295: Wohl
denen, die da wandeln
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