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Zwischen Kirchturm und Arena
Fußballer
über ihren Glauben und Christen über Fußball
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Christoph Metzelder
ist engagierter Christ und findet im Gottesdienst
vor allem eine Oase der Stille und Entspannung.
Foto: Imago
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Eine
Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft im eigenen Land ging
bereits in Düsseldorf die Post ab als sei gerade Karneval. Die
deutsche Nationalmannschaft hatte Quartier bezogen und erlebt seit der
Ankunft eine Welle der Euphorie, die erahnen lässt, was ab
jetzt, bei entsprechenden Ergebnissen, auf das Team zukommen wird. Am
Abend eines öffentlichen Training bewegten sich Menschenmassen
in Richtung der Arena, so als beginne gleich das Endspiel. 42.200
Zuschauer begeisterten auch Abwehrspieler Christoph Metzelder.
In
einem Interview mit der F.A.Z. kurz vor beginn des
Großereignisses lies er sich unter anderem auch über
Religion, und den Fußball-Gott befragen.
Stille und
Entspannung
Auf
die Frage wann er zum letzten Mal in der Kirche gewesen sei, antwortete
der eher stille Vertreter der Fußballzunft: „Das
ist schon ein paar Wochen her. Ich schaffe es derzeit leider nicht
mehr, regelmäßig in die Kirche zu gehen. Aber wenn
ich bei meiner Familie zu Hause in Haltern bin, dann gehen wir oft
zusammen in den Gottesdienst. Für mich ist es vor allem ein
Ort der Stille und der Entspannung. Ich habe oft das Gefühl,
dass die Zeit einfach langsamer läuft, wenn man in der Kirche
ist. All die Hektik, die gerade auch in meinem Leben herrscht,
verschwindet hinter diesen Mauern. Das genieße ich. Wir
Leistungssportler gehen ja einen sehr extremen Weg. Wir beanspruchen
unseren Körper und auch unsere Seele oft
übermäßig. Ich sehe das mittlerweile durch
meine lange Verletzung als einen sehr gefährlichen Weg an.
Jeder muß versuchen, einen Ausgleich zu schaffen. Kein Mensch
kann in solchen Extremen leben, seinen Körper, seine
Konzentration und seine Willenskraft immer über das Limit
puschen. Man ist als Mensch nur begrenzt belastbar. Die Religion und
das Gebet sind für mich Möglichkeiten, davon
runterzukommen.“ Auf die Frage, ob er an eine
Fußball-Gott glaube, kommt eine kurze, aber
bestimmte Antwort: „Nein.“ In dieser Frage
bezeichnete er sich sogar als Atheisten denn Gott zeige sich nicht nur
in neunzig Minuten.
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Der WM-Pokal,
der am 9. Juli in die Höhe gestreckt
wird.
Foto: Noack
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Auch
Franz Beckenbauer, die „Lichtgestalt“ des Deutschen
Fußballs und kürzlich vom Publikum zum besten
Fußballer Deutschlands gewählt, spach in einem
Interview für sein Buch „Franz“
anlässlich seines 60. Geburtstages im vergangenem Jahr
ebenfalls über seinen Glauben und das tägliche Gebet.
„Die täglichen Gebete und Dialoge mit Gott, die
haben sich gehäuft. Das mache ich immer, wenn´s
gerade passt. Das hilft mir, wie der Glaube an die Unsterblichkeit der
Seele. Ob wir noch mal auf die Erde dürfen, wissen wir nicht.
Aber der Gedanke hilft mir doch, dass mein Leben nicht ganz sinnlos
war, dass ich was vollbracht habe.“ Franz Beckenbauer ist
davon überzeugt, dass jeder Mensch nach dem Tod weiterlebt,
auch wenn er dabei offen lässt in welcher Form das sein wird.
Bei einer anderen Gelegenheit fügt der
„Kaiser“ zu diesem Thema an:
„Im Übrigen glaube ich auch an Schutzengel. Ich habe
bestimmt zwei oder drei Schutzengel. Die spürst du manchmal,
wenn du sensibel bist.“ Franz Beckenbauer ist katholisch
erzogen und gibt gerne zu das ihn das auch geprägt hat. Im
christlichen Glaube sieht er zwar bestimmte Mängel, aber alles
in allem ist der christliche Glaube für ihn eine gute
Sache.
Jetzt muss es
losgehen
Regionalbischof
Helmut Völkel hat vor allem zum Vorrundenspiel
Deutschland gegen Equador eine besondere Beziehung, da Tochter Simone
einmal für ein dreiviertel Jahr dort in einem Kinderdorf
gearbeitet hat und er sie auch in dem Land besuchen konnte.
„Da kommt dann schon die Erinnerung hoch, dass ja auch viele
Fußballer einst Straßenkinder waren und aus solchen
Kinderdörfern kommen“. Helmut Völkel selbst
sieht sich als Fußballfan der nicht in große
Euphorie ausbricht, die WM aber auch nicht mit Desinteresse
verfolgt.
Für
ihn sollte vor allem die Freude am Spiel dominieren und
wenigstens für kurze Momente der Kommerz in den Hintergrund
rücken. „Fasziniert bin ich allerdings schon von
charismatischen Einzelpersonen, vor allem dann, wenn sie es schaffen
sich in die Mannschaft zu integrieren.“ Im Hinblick auf die
Deutsche Nationalmannschaft meint er ein altes
„Klischee“ benutzen zu müssen:
„Ich hoffe, dass die Deutschen als Tuniermannschaft zu
Hochform auflaufen können und auf ein Endspiel
Deutschland gegen Brasilien.“ Zum Engagement der
christlichen Kirchen fügt er an: „Kirche tut gut
daran, dass sie sich mit diesem Thema beschäftigt, muss aber
aufpassen, was die eigentliche Sache der Kirche und des
Fußballs ist.“
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Franz Beckenbauer
sprach anlässlich seines 60.
Geburtstages auch über die Bedeutung des Glaubens für
sich.
Foto: Noack
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„Spannnung,
internationale Atmosphäre und gute Begegnungen:
Fußball auf Weltnivea in Nürnberg! Wir die
christlichen Kirchen, freuen uns mit den Fans auf tolle Spiele mit
herausragenden Leistungen.“ Detlev Bierbaum, Dekan in
Nürnberg und Sportbeauftragter für die WM
2006 in Nürnberg, grüßt mit
diesen Worten im Programmheft der christlichen Kirchen zum
Großereignis des Jahres. Er hat sich viel, gerne
und mit großem Engament für einen Beitrag der Kirche
zu dieser WM bereiterklärt. „Jetzt kann es losgehen.
Wir haben schon viel erreicht, vor allem im Hinblick auf die
ökumenische Zusammenarbeit und die positive
Außenwirkung der Kirche. Wir freuen uns jetzt auf
den großen Abschluss aller Aktivitäten, dem
„Fest für Fußballfreunde“ am 25.
Juni am Jakobsplatz.
Manuela Noack
Eine runde Sache: der Glaube an den dreieinigen Gott
Denn Gott
hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem
Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn
auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre,
dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel
und auf Erden ist. In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der
Wahrheit gehört habt, nämlich das
Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm seid auch ihr, als
ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist,
der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes,
zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum
Lob seiner Herrlichkeit.
Epheser
1,9–10 und 13–14
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Das Bekenntnis zur
Trinität von Vater, Sohn und Heiligem Geist verbindet alle
christlichen Kirchen weltweit.
Foto: Trinität-Ikone von Rublev
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Trinitarische
Strukturen lassen sich überall in der Welt feststellen. Dass
die Zahl „drei“ eine besondere Bedeutung besitzt,
merkt man nicht nur am menschlichen Gedächtnis. Einem Mann
darf man ja bekanntlich nicht mehr als drei Dinge zu besorgen
auftragen. Ein dreibeiniger Tisch kann nicht wackeln. Die einfachste
geometrische Form ist das Dreieck. Und auch in philosophischen
Spekulationen taucht diese Zahl wieder auf. These, Antithese und
Synthese gehören nach Hegel zusammen, ebenso wie These und
Antithese in der Synthese in dreifachem Sinne aufgehoben sind.
In der
Kirchengeschichte wurde immer wieder versucht, in dieser Bedeutung der
Zahl ‚drei‘ Spuren der Trinität
festzustellen und den Glauben an den dreieinigen Gott als richtig zu
erweisen.
Nun kann man
einwenden, dass aus der Zahl ‚drei‘ trotz allem
nicht folgt, dass es genau einen Gott geben muss. Sind da nicht die
Hindus ehrlicher, wenn sie unter ihren vielen Göttern drei
Hauptgötter kanalisieren? Oder sind die Moslems ehrlicher,
wenn sie an einem Gott festhalten und uns Christen vorwerfen, drei
Götter zu haben?
Doch diese
Verbindung von drei göttlichen Personen in einem Gott ist ein
grundlegendes Kennzeichen des Christentums, durch das es sich von allen
anderen Religionen unterscheidet. Dadurch ist das Trinitatisfest ein
rein christliches Fest, das keine andere Religion auch nur im
entferntesten mitfeiern könnte, ein christliches Fest, das von
anderen Religionen abgrenzt statt sie im Zeichen der Formel von
„Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der
Schöpfung“ zusammenzuführen.
Auf der anderen
Seite ist die Trinität und das Bekenntnis zu ihr
das, was die getrennten Kirchen auf der ganzen Welt verbindet. Da
können wir den Katholiken vorhalten, dass ihre Messfeier nicht
schriftgemäß ist, da können die Katholiken
an der fehlenden apostolischen Sukzession der evangelischen Geistlichen
Anstoß nehmen – darin, dass nur eine trinitarische
Taufe eine gültige Taufe ist, sind wir uns alle einig. In
diesem Sinne mag man die Trinität von außen als ein
Hindernis ansehen, von innen betrachtet ist sie ein wichtiges Zeichen
ökumenischer Gemeinsamkeit.
Nun können
wir fragen, was diese vermeintlichen Spitzfindigkeiten mit uns zu tun
haben. Paulus gibt uns eine deutliche Antwort. Ohne die
Trinität wäre unser Glaube nicht
vollständig. Er nimmt seinen Ausgang vom Willen Gottes, geht
über die versöhnende Tat Christi bis hin zum heiligen
Geist, durch den wir überall auf der Welt Zugang zu Gott
haben.
Von daher gewinnt
es einen Sinn, wenn wir fast die Hälfte der Sonntage im Jahr
auf Trinitatis beziehen. Ohne darüber zu spekulieren, ob
andere Religionen unvollständig sind, können wir klar
sagen: Das Christentum erreicht erst im Lichte der
Trinitätslehre seine volle und endgültige Gestalt in
einem Gott, der sich voll und ganz den Menschen zuwendet.
Dr. Wolfram
Mirbach,
Nürnberg
Gebet:
Wir danken Dir, dreieiniger Gott, dass Du uns geschaffen hast, dass Du
Dich uns zuwendest und uns in der Gemeinschaft miteinander und mit Dir
heiligst. Amen.
Lied 184: Wir
glauben Gott im höchsten Thron
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