Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 23)

Zwischen Kirchturm und Arena

Fußballer über ihren Glauben und Christen über Fußball

Evangelisches Sonntagsblatt
 
Christoph Metzelder ist engagierter Christ und findet im Gottesdienst vor allem eine Oase der Stille und Entspannung.
Foto: Imago
 
   

Eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft im eigenen Land ging  bereits in Düsseldorf die Post ab als sei gerade Karneval. Die deutsche Nationalmannschaft hatte Quartier bezogen und erlebt seit der Ankunft eine Welle der Euphorie, die erahnen lässt, was ab jetzt, bei entsprechenden Ergebnissen, auf das Team zukommen wird. Am Abend eines öffentlichen Training bewegten sich Menschenmassen in Richtung der Arena, so als beginne gleich das Endspiel. 42.200 Zuschauer begeisterten auch Abwehrspieler Christoph Metzelder. 

In einem Interview mit der F.A.Z. kurz vor beginn des Großereignisses lies er sich unter anderem auch über Religion, und den Fußball-Gott befragen.

Stille und Entspannung

Auf die Frage wann er zum letzten Mal in der Kirche gewesen sei, antwortete der eher stille Vertreter der Fußballzunft: „Das ist schon ein paar Wochen her. Ich schaffe es derzeit leider nicht mehr, regelmäßig in die Kirche zu gehen. Aber wenn ich bei meiner Familie zu Hause in Haltern bin, dann gehen wir oft zusammen in den Gottesdienst. Für mich ist es vor allem ein Ort der Stille und der Entspannung. Ich habe oft das Gefühl, dass die Zeit einfach langsamer läuft, wenn man in der Kirche ist. All die Hektik, die gerade auch in meinem Leben herrscht, verschwindet hinter diesen Mauern. Das genieße ich. Wir Leistungssportler gehen ja einen sehr extremen Weg. Wir beanspruchen unseren Körper und auch unsere Seele oft übermäßig. Ich sehe das mittlerweile durch meine lange Verletzung als einen sehr gefährlichen Weg an. Jeder muß versuchen, einen Ausgleich zu schaffen. Kein Mensch kann in solchen Extremen leben, seinen Körper, seine Konzentration und seine Willenskraft immer über das Limit puschen. Man ist als Mensch nur begrenzt belastbar. Die Religion und das Gebet sind für mich Möglichkeiten, davon runterzukommen.“ Auf die Frage, ob er an eine Fußball-Gott glaube,  kommt eine kurze, aber bestimmte Antwort: „Nein.“ In dieser Frage bezeichnete er sich sogar als Atheisten denn Gott zeige sich nicht nur in neunzig Minuten.

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Der WM-Pokal, der am 9. Juli in die Höhe gestreckt wird.
Foto: Noack
 
 

Auch Franz Beckenbauer, die „Lichtgestalt“ des Deutschen Fußballs und kürzlich vom Publikum zum besten Fußballer Deutschlands gewählt, spach in einem Interview für sein Buch „Franz“ anlässlich seines 60. Geburtstages im vergangenem Jahr ebenfalls über seinen Glauben und das tägliche Gebet. „Die täglichen Gebete und Dialoge mit Gott, die haben sich gehäuft. Das mache ich immer, wenn´s gerade passt. Das hilft mir, wie der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele. Ob wir noch mal auf die Erde dürfen, wissen wir nicht. Aber der Gedanke hilft mir doch, dass mein Leben nicht ganz sinnlos war, dass ich was vollbracht habe.“ Franz Beckenbauer ist davon überzeugt, dass jeder Mensch nach dem Tod weiterlebt, auch wenn er dabei offen lässt in welcher Form das sein wird. Bei einer anderen Gelegenheit fügt der „Kaiser“ zu  diesem Thema an: „Im Übrigen glaube ich auch an Schutzengel. Ich habe bestimmt zwei oder drei Schutzengel. Die spürst du manchmal, wenn du sensibel bist.“ Franz Beckenbauer ist katholisch erzogen und gibt gerne zu das ihn das auch geprägt hat. Im christlichen Glaube sieht er zwar bestimmte Mängel, aber alles in allem ist der christliche Glaube für ihn eine gute Sache.     

Jetzt muss es losgehen

Regionalbischof Helmut Völkel  hat vor allem zum Vorrundenspiel Deutschland gegen Equador eine besondere Beziehung, da Tochter Simone einmal für ein dreiviertel Jahr dort in einem Kinderdorf gearbeitet hat und er sie auch in dem Land besuchen konnte. „Da kommt dann schon die Erinnerung hoch, dass ja auch viele Fußballer einst Straßenkinder waren und aus solchen Kinderdörfern kommen“. Helmut Völkel selbst sieht sich als Fußballfan der nicht in große Euphorie ausbricht, die WM aber auch nicht mit Desinteresse verfolgt. 

Für ihn sollte vor allem die Freude am Spiel dominieren und wenigstens für kurze Momente der Kommerz in den Hintergrund rücken. „Fasziniert bin ich allerdings schon von charismatischen Einzelpersonen, vor allem dann, wenn sie es schaffen sich in die Mannschaft zu integrieren.“ Im Hinblick auf die Deutsche Nationalmannschaft meint er ein altes „Klischee“ benutzen zu müssen: „Ich hoffe, dass die Deutschen als Tuniermannschaft zu Hochform auflaufen können und auf ein Endspiel Deutschland  gegen Brasilien.“ Zum Engagement der christlichen Kirchen fügt er an: „Kirche tut gut daran, dass sie sich mit diesem Thema beschäftigt, muss aber aufpassen, was die eigentliche Sache der Kirche und des Fußballs ist.“

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Franz Beckenbauer sprach anlässlich seines 60. Geburtstages auch über die Bedeutung des Glaubens für sich.
Foto: Noack 
 
   

„Spannnung, internationale Atmosphäre und gute Begegnungen: Fußball auf Weltnivea in Nürnberg! Wir die christlichen Kirchen, freuen uns mit den Fans auf tolle Spiele mit herausragenden Leistungen.“ Detlev Bierbaum, Dekan in Nürnberg und Sportbeauftragter für die WM 2006  in Nürnberg, grüßt mit diesen Worten im Programmheft der christlichen Kirchen zum Großereignis des Jahres.  Er hat sich viel, gerne und mit großem Engament für einen Beitrag der Kirche zu dieser WM bereiterklärt. „Jetzt kann es losgehen. Wir haben schon viel erreicht, vor allem im Hinblick auf die ökumenische Zusammenarbeit und die positive Außenwirkung der Kirche.  Wir freuen uns jetzt auf den großen Abschluss aller Aktivitäten, dem „Fest für Fußballfreunde“ am 25. Juni am Jakobsplatz.  

Manuela Noack   


 

Eine runde Sache: der Glaube an den dreieinigen Gott

Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist. In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit  gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unsrer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit.

Epheser 1,9–10 und 13–14

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Das Bekenntnis zur Trinität von Vater, Sohn und Heiligem Geist verbindet alle christlichen Kirchen weltweit.   
Foto: Trinität-Ikone von Rublev

 

Trinitarische Strukturen lassen sich überall in der Welt feststellen. Dass die Zahl „drei“ eine besondere Bedeutung besitzt, merkt man nicht nur am menschlichen Gedächtnis. Einem Mann darf man ja bekanntlich nicht mehr als drei Dinge zu besorgen auftragen. Ein dreibeiniger Tisch kann nicht wackeln. Die einfachste geometrische Form ist das Dreieck. Und auch in philosophischen Spekulationen taucht diese Zahl wieder auf. These, Antithese und Synthese gehören nach Hegel zusammen, ebenso wie These und Antithese in der Synthese in dreifachem Sinne aufgehoben sind. 

In der Kirchengeschichte wurde immer wieder versucht, in dieser Bedeutung der Zahl ‚drei‘ Spuren der Trinität festzustellen und den Glauben an den dreieinigen Gott als richtig zu erweisen. 

Nun kann man einwenden, dass aus der Zahl ‚drei‘ trotz allem nicht folgt, dass es genau einen Gott geben muss. Sind da nicht die Hindus ehrlicher, wenn sie unter ihren vielen Göttern drei Hauptgötter kanalisieren? Oder sind die Moslems ehrlicher, wenn sie an einem Gott festhalten und uns Christen vorwerfen, drei Götter zu haben?

Doch diese Verbindung von drei göttlichen Personen in einem Gott ist ein grundlegendes Kennzeichen des Christentums, durch das es sich von allen anderen Religionen unterscheidet. Dadurch ist das Trinitatisfest ein rein christliches Fest, das keine andere Religion auch nur im entferntesten mitfeiern könnte, ein christliches Fest, das von anderen Religionen abgrenzt statt sie im Zeichen der Formel von „Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ zusammenzuführen. 

Auf der anderen Seite ist  die Trinität und das Bekenntnis zu ihr das, was die getrennten Kirchen auf der ganzen Welt verbindet. Da können wir den Katholiken vorhalten, dass ihre Messfeier nicht schriftgemäß ist, da können die Katholiken an der fehlenden apostolischen Sukzession der evangelischen Geistlichen Anstoß nehmen – darin, dass nur eine trinitarische Taufe eine gültige Taufe ist, sind wir uns alle einig. In diesem Sinne mag man die Trinität von außen als ein Hindernis ansehen, von innen betrachtet ist sie ein wichtiges Zeichen ökumenischer Gemeinsamkeit. 

Nun können wir fragen, was diese vermeintlichen Spitzfindigkeiten mit uns zu tun haben. Paulus gibt uns eine deutliche Antwort. Ohne die Trinität wäre unser Glaube nicht vollständig. Er nimmt seinen Ausgang vom Willen Gottes, geht über die versöhnende Tat Christi bis hin zum heiligen Geist, durch den wir überall auf der Welt Zugang zu Gott haben. 

Von daher gewinnt es einen Sinn, wenn wir fast die Hälfte der Sonntage im Jahr auf Trinitatis beziehen. Ohne darüber zu spekulieren, ob andere Religionen unvollständig sind, können wir klar sagen: Das Christentum erreicht erst im Lichte der Trinitätslehre seine volle und endgültige Gestalt in einem Gott, der sich voll und ganz den Menschen zuwendet.

Dr. Wolfram Mirbach, 

Nürnberg

Gebet: Wir danken Dir, dreieiniger Gott, dass Du uns geschaffen hast, dass Du Dich uns zuwendest und uns in der Gemeinschaft miteinander und mit Dir heiligst. Amen.

Lied 184: Wir glauben Gott im höchsten Thron

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