Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 21)

60 Jahre und kein bisschen leise

Renommierter Windsbacher Knabenchor feierte Jubiläum mit einer Aufführung des "Elias"

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Der Jubiläumschor kürzlich bei einem Konzert in der neu eingeweihten Frauenkirche in Dresden.
Foto: Mila Pavan

 
   

„In der Meistersingerhalle in Nürnberg feierte der Windsbacher Knabenchor sein sechzigjähriges Bestehen. Musikalisch gefeiert wurde mit einem der bedeutendsten Oratorien des 19.Jahrhunderts: Felix Mendelssohn-Bartholdy, ehemals jüdischer Herkunft und dann konvertiert zum evangelischen Glauben, arbeitete 10 Jahre daran. In dem dramatischen Werk werden die Höhe- und Tiefpunkte der schroffen und kantigen Prophetengestalt Elia geschildert. Das reicht von der Prophezeiung der Dürre aufgrund eines sich und Gott verfehlenden Königtums über Elias Depression bis hin zum Gottesurteil auf dem Berg Karmel, dem Regenwunder, der Gottesoffenbarung auf dem Horeb und Elias Himmelfahrt.

Die Uraufführung des Werkes in Birmingham geriet 1846, ein Jahr vor dem Tod des Komponisten, zu einem grandiosen Triumph. Und Mendelssohns Triumph geriet 160 Jahre später zum Triumph des Windsbacher Knabenchors mit seinem Dirigenten Karl-Friedrich Beringer. 102 Knaben- und Männerstimmen, das Deutsche Symphonie-Orchester aus Berlin sowie Sibylla Rubens (Sopran), Rebecca Martin (Alt), Markus Schäfer (Tenor) und Michael Volle (Bariton) wurden von Beringer zu einer musikalischen Höchstleistung geführt, so dass dem gesamten Klangkörper ein überwältigender Applaus und stehende Ovationen minutenlang sicher waren. Dies war auch als Bekenntnis zu einem Dirigenten zu verstehen, der durch das Feuer verschiedenster Anschuldigungen, Verdächtigungen, Untersuchungen, gerichtlicher Urteile und pubicity-trächtiger Ausschlachtung mancher Presse-Organe ging und nun in noch größerem künstlerischen Glanz dasteht. 

Den anschließenden Festakt moderierte Dekan Horst Heißmann, Vorsitzender des Vorstands der „Stiftung Windsbacher Kabenchor“. Er stellte zur Diskussion, ob der Chor nicht sogar schon viel älter sei: Schon 402 Jahre früher sangen anlässlich einer Beerdigung einige Knaben aus der Windsbacher Kirchengemeinde, also durchaus ein kleiner „Windsbacher Knabenchor“. In Vertretung von Staatsminister Günther Beckstein, dem Schirmherrn des „Patronats Windsbacher Knabenchor“, der eine Grußadresse und das persönliche Bekenntnis zu Karl-Friedrich Beringer überreichen ließ, sprach Minister Eberhard Sinner. Er hob die überregionale Qualität des Vorzeigechores hervor, die mit  Geld allein nicht zu fördern sei, die dem Bayerischen Staat aber 10.000.- Euro als Geburtstags-Präsent wert sei.

Landesbischof  Johannes Friedrich hob in seinem Grußwort hervor, dass die Windsbacher ihrem spirituellen Auftrag nicht nur durch Konzerte, sondern auch durch die Mitgestaltung von vielen Gottesdiensten und den „Lorenzer Motetten“ gerecht würden.

Ingo Friedrich sieht den Knabenchor in der musikalischen Champions-League spielen: Der Chor sei nicht nur Botschafter der Region oder Frankens; er sei durch seine bestechende Brillianz und seine weltweite Reisetätigkeit, nicht zuletzt im kulturellen Gepäck von Bundespräsidenten, ein hervorragender Botschafter Deutschlands.
Chorleiter und Chef Karl-Friedrich Beringer dankte herzlich für die ehrenden Worte und das entgegengebrachte Vertrauen. Er ließ wissen, dass in den vergangenen 60 Jahren etwa 1600 Sänger mitgesungen haben. Besonders hob er seinen Vorgänger Hans Thamm hervor, der den Chor 1946 im Pfarrwaisenhaus gegründet hatte und der damals schon Rufe ins Ausland bekommen hätte, ihnen aber nicht gefolgt sei. Er, Beringer, habe mit dem Aufstieg in die internationale Öffentlichkeit nur das nachvollzogen, was schon zu Thamms Zeiten angelegt gewesen sei.

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Brachte die „Windsbacher“ durch kontinuierliche Arbeit auf höchstets künstlerisches Niveau und hat die Leitung seit dem Jahr 1978 inne: Karl-Friedrich Beringer.
Foto. Mila Pavan
 

Beringer stufte die letzten beiden Jahre als die Jahre der größten Krise der Einrichtung „Windsbacher Knabenchor“ ein, den er 1978 übernommen habe. Er versuchte zu verdeutlichen, wie wehrlos ein Mensch sei, wenn er in die Mühlen missliebiger Presseorgane gerate, deren Berichte sich vor allem aus Verdächtigungen speisten. In diesem Zusammenhang schenkte er sechs Abiturienten in einer bewegenden Szene , die durch ihr augenblickliches Abitur nicht mitsingen könnten, eine Rose. Gerade die Männerstimmen hätten sich in diesen schlimmen Zeiten in einer Weise um die Atmosphäre im und den Schutz des Knabenchors verdient gemacht, die höchsten Respekt verdiene. Beringer schloss seine Ausführungen mit einem persönlichen Bekenntnis: „Ich arbeite sehr gerne in Windsbach, ich bin weiterhin außerordentlich motiviert für diese Arbeit. Aber ich vertrete den Stil einer ehrlich-pädagogischen musikalischen Arbeit, die sich nicht im Loben von Leistungen erschöpft, sondern immer eine weitere Perspektive hat.“

Ein überraschendes Schlusswort konnte sich  der vormalige Leiter und immer noch drahtige Grand-Signeur des Knabenchors, Hans Thamm, nicht verkneifen. Darin hielt er manche alten, inzwischen aber verstaubt wirkenden pädagogischen Werte wie Disziplin und Leistung aufrecht und verteidigte damit insgeheim den Weg Beringers.

Der Beifall der anwesenden Windsbacher Freunde war ihm gewiss. Nach diesem Festakt kann der Windsbacher Knabenchor mit einer gefestigten Zukunft rechnen.   
   

Peter Noack   

Rundfunkübertragung

Das Geburtstagskonzert mit Felix Mendelssohn-Barholdys „Elias“ wird vom Bayerischen Rundfunk in seinem Programm „Bayern 4 Klassik“ am Donnerstag, den 15. Juni 2006, um 18.05 Uhr übertragen.


 

Gottes Gebote im Herzen haben

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich … einen neuen Bund schließen… Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein. Und … sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Jeremia 31,31–34 in Auswahl

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Der Trost einer Mutter hilft „wirklich“ über Schmerz hinweg. Gottes Geist  und Gottes Liebe befähigt Christen Anderen beizustehen.   
Foto: KNA

 

„Heile, heile, Segen, drei Tage Regen, drei Tage Schnee, tut schon nimmer weh!“ An die Melodie dieses gesungenen Liedverses erinnere ich mich gut. Es sollte mich als Kind beruhigen, wenn ich gefallen war und mir das Knie aufschürfte. Der Schmerz ließ für mich „wirklich“ nach, wenn meine Mutter auf die Wunde pustete und sie „besang“ und dann verarztete. Ich glaubte, dass es schneller heilen würde.

„Ich brauche Sie“, sagte der Herr von der Rettungsleitstelle. Eine Frau war an der Unfallstelle verstorben, jetzt war meine Aufgabe den Angehörigen beizustehen. Bangen Herzens machte ich mich auf den Weg zu meinem Notfallseelsorgeeinsatz. Was sage ich nur? Wie kann ich den vom Unglück überumpelten Angehörigen helfen? Werde ich die richtigen Worte finden? Nach mehr als vier Stunden war mein Einsatz beendet und die Betroffenen in der Obhut von Verwandten und Freunden. 

Die Menschen zur Zeit des Propheten Jeremia waren am Boden zerstört. Das von vielen Propheten angekündigte Unheil war gekommen. Viele Menschen hatten nicht daran geglaubt und die Botschaft nicht ernst genommen. Dann kamen die babylonischen Truppen, nahmen die Stadt Jerusalem ein, zerstörten den Tempel, entweihten die liturgischen Geräte und verschleppten die obersten Beamten und ihre Familien vom Königshof. Wir bezeichnen dieses Ereignis als babylonische Gefangenschaft. Der Prophet Jeremia hatte es vorhergesagt, trotzdem ging er mit ihnen ins Exil. 

Ziemlich trostlos das Ganze. Doch dann durfte Jeremia den Trauernden und Verzweifelten eine Heilszeit ankündigen. Und das ist mehr als: „Heile, heile Segen –  morgen ist alles wieder gut!“ Und es ist mehr als ich in der Notfallseelsorge zusagen konnte. Gott verspricht für seine Menschen zu sorgen, einen Neuanfang, den jeder erkennen kann. Sie dürfen heimkehren aus ihrer Gefangenschaft. Und Jeremia geht mit ihnen. Ihre größte Erniedrigung ist zu Ende. Sogar der Tempel in Jerusalem wird wieder aufgebaut. Das Heil wird deutlich spürbar und sichtbar.

Gott schließt einen neuen Bund, einen Vertrag mit Selbstverpflichtung: Gott gibt sein Gesetz in die Herzen der Menschen und vergibt. Unter Gesetz verstehen Juden den reinen Willen Gottes, wie er sich in der Thora, den fünf Büchern Mose, widerspiegelt. Im engs-ten Sinn sind es die Zehn Gebote. Sie sind die Grundregeln und setzen Grenzen, oder geben den Rahmen. Und sie ermöglichen die Liebe und gebieten der Lieblosigkeit Einhalt. Das Gesetz im Herzen haben bedeutet, dass wir es in allen unseren Sinnen aufgenommen haben.  Aus Buchstaben wird ein Gesetz aus Fleisch und Blut. Wer Gottes Willen, aus vollem Herzen tut, der lässt mit seinem Leben Gott erkennen und begegnet Anderen in Liebe.

Die Christen in der Urgemeinde sahen Jesus Christus als Verkörperung der Prophezeiung Jeremias. Jesus hat das Gesetz verinnerlicht und folgte den Geboten Gottes. Durch ihn war Gott zu erkennen. Und als Jesus bei seiner Himmelfahrt die Erde wieder verließ, sandte er den Tröster, den Heiligen Geist. Der Heilige Geist als Kraft, die befähigt Gottes Willen zu leben, sein Gesetz im Herzen zu tragen. 

Wir können dazu beitragen in der Gemeinde Gott zu erkennen, wenn wir in Gottes Geist leben, Gottes Gebote im Herzen haben und einander in Liebe begegnen. Mehr ist es nicht, weniger auch nicht! Und das ist es, was uns zur Liebe befähigt. Was uns als Kinder glauben ließ, dass in Anwesenheit der Mutter eine Wunde schneller heilen lässt. Und Gottes Geist, seine Liebe, ist es auch, die befähigt Menschen in Not beizustehen und ihnen neue Wege weist.

Pfarrerin Sabine Baier, 

Kammerstein

Gebet: Gott, sende uns deinen Geist und lenke uns nach deinem Willen, dass wir dir mit aufrichtigem Herzen dienen.  Amen.

Lied 156: Komm, Heiliger Geist

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