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"Hilfe, ich habe zwei Mütter ..."
Diakonie
hilft Adoptierten, sich zurecht zu finden
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Zwei
Mütter und ein Kind – eine
Zerreißprobe für
das Mädchen? Foto: epd
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„Deine
Mutter hat dich geliebt – aber sie konnte dir nicht mehr
geben.“ Diesen Satz hörte das kleine
Mädchen – nennen wir sie Steffi – immer
wieder. Schon auf dem Wickeltisch wurde es ihr oft erzählt.
Weiter hieß es: „Du hast nur gebrüllt, als
wir dich das erste Mal sahen. Tortzdem warst du mit deinem
Stubsnäschen und der faltigen Stirn einer Neugeborenen so
süß!“ Nur über eines kann die
Lehrerin ihrem Wunschkind nie etwas erzählen: Sie
weiß nichts darüber, wie Steffis Geburt verlief oder
wann sich das Mädchen das erste Mal im Mutterleib bewegte.
Zusammen mit ihrem Mann adoptierte sie Steffi wenige Tage nach der
Geburt.
Poststelle zwischen
Müttern
Ganz
hat ihre leibliche Mutter Steffi nicht vergessen. Während
ihrer ersten Lebensjahre schickte sie ihr regelmäßig
Briefe zu ihrem Geburtstag und zu Weihnachten. Natürlich
könnte die Adoptivfamilie einen solchen Kontakt mit der
Kindsmutter verweigern. „Sie tun es aber so gut wie gar
nicht“, berichtet Elke Breunig von ihren jahrelangen
Vermittlungserfahrungen zwischen leiblicher Mutter und der
Pflegefamilie. Die Psychologin arbeitet seit 18 Jahren bei der
diakonischen „Beratung und Nachbetreuung für
leibliche Eltern und Adoptivfamilien“ in Nürnberg.
Schließlich können sie so wenigstens etwas
über die Herkunft ihres Kindes zu erfahren.
„Wir
spielen Poststelle“. Mit diesen nüchternen Worten
beschreibt Elke Breunig ihre Hauptaufgabe. Über ihren
Schreibtisch gehen Briefe zwischen der leiblichen Mutter und der
Adoptivfamilie. Manchmal bevorzugen beide Seiten doch eher das Telefon.
Dann nimmt Elke Breunig die Nachrichten der einen Mutter auf und gibt
sie an die andere weiter.
Doch
würden sich beide Seiten zufällig beim Einkaufen
treffen – könnten sie sich nicht erkennen. Denn der
Kontakt zwischen Mutter und Pflegemutter ist vollständig
anonym. „Die Mutter kennt nur den Vornamen ihres Kindes und
natürlich das Geburtsdatum“, erklärt Elke
Breunig. Nur unter dieser Voraussetzung ist es oft möglich,
dass sich ein gemeinsames Band ohne Ängste zwischen den beiden
Müttern entwickeln kann. Der Vater, selbst wenn er bekannt ist
und von der Schwangerschaft weiß, tritt seltener in Kontakt
zu seinem Kind.
Steffi
kam, wie die meisten Babys, die adoptiert werden sollen, direkt nach
der Geburt zu ihrer Pflegefamilie. Aber erst frühestens nach
acht Wochen darf die leibliche Mutter ihr Kind endgültig
freigeben. Elke Breunig muss überlegen, ob sie
während ihrer gesamten Tätigkeit
Rückführungen zu der leiblichen Mutter erlebt hat.
„Vielleicht vier oder fünfmal“, meint sie
dann. Nach der Freigabe ist die Adoption
endgültig.
Das
Kind wächst mit der Geschichte seiner Adoption auf. Bevor es
laufen lernt, sollte es schon darüber Bescheid wissen
– das ist Elke Breunig wichtig. Offenheit damit war eines der
wichtigsten Kriterien der Betreuungsstelle, die bis vor drei Jahren
selbst Adoptionen vermittelte. „Die Pflegeeltern haben dann
die Worte dafür schon gefunden.“
Werde die Adoption vor dem Kind verborgen gehalten, dann geschehe eine
solche Offenbarung oft abrupt und misslinge. Spätestens in der
Pubertät sollte der Jugendliche genau erfahren, warum er von
seiner Mutter abgegeben worden sei – sofern
natürlich die Gründe bekannt sind. „Oft
grault es den Adoptiveltern natürlich davor, berichten zu
müssen, dass ihr Kind einer Vergewaltigung entstammt oder die
Mutter Prostituierte gewesen ist.“ Das kann Elke Breunig gut
nachempfinden.
Auch
bei Steffi war es nicht ganz leicht. Während ihrer
Grundschulzeit hatte ihre leibliche Mutter den Kontakt zu ihr
abgebrochen. Was war geschehen? Elke Breunig streckte dezent ihre
Fühler aus. Aber auch sie konnte nur weitergeben, dass es der
Mutter gut gehe.
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Elke
Breunig spielt unter anderem „Poststelle“ zwischen
der
Adoptivfamilie und der leiblichen Mutter.
Foto: Borée
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Mit
16 Jahren hatte Steffi wie jedes adoptierte Kind ein Recht darauf, mehr
über ihre Herkunft zu erfahren. Nun saß sie im
Büro Elke Breunigs, obwohl ihre Adoptiveltern jetzt nach all
den Jahren befürchteten, dass sich „Blut doch dicker
als Wasser“ erweise. „Wenn deine Mutter nicht davor
Angst hätte, wäre eher etwas faul“,
beruhigte die Psychologin das junge Mädchen.
Steffis
leibliche Mutter hatte offenbar versucht, mit der „alten
Geschichte” abzuschließen und war eine feste
Beziehung eingegangen. Die Mutter blieb kein namenloser Schatten mehr.
Damals hatte der leibliche Vater Steffis sie
überstürzt und verlassen und war eine Beziehung zu
ihrer besten Freundin eingegangen. Steffis Mutter hatte danach
jeglichen Kontakt mit ihrem gesamten damaligen Freundeskreis
abgebrochen. Nun holte sie die Vergangenheit wieder ein –
trotz allen Zögerns. Natürlich hätte die
Tochter das Recht gehabt, jetzt an der Haustür ihrer
leiblichen Mutter zu klingeln. Zum Glück war sie zu
feinfühlig dazu. „Meine Familie, das ist ja meine
Pflegefamilie.“
Steffi ist kein
Einzelfall
Jahrelang
verhandelte Elke Breunig hin und her. Inzwischen meldete sich Steffis
leiblicher Vater zu Wort. Als er damals seine Partnerin
überstürzt verlassen hatte, wusste er offenbar gar
nichts von ihrer Schwangerschaft. Die Kindsmutter wiederum hatte seine
Identität bei der Geburt nicht angegeben. Durch Zufall erfuhr
der Vater von Freunden bei einer Jubiläumsparty von seiner nun
erwachsenen Tochter. Nach der Zustimmung der Tochter vermittelte Elke
Breunig den Kontakt.
Nach
vier Jahren mühsamer Verhandlungen und vieler Beratungen fand
sich Steffis Mutter zu einem Treffen mit ihrer Tochter bereit
– in den Räumen der Betreuungsstelle und unter
Betreuung von Elke Breunig. „Du hast die Augen deines
Vaters“, entfuhr es der leiblichen Mutter vorwurfsvoll...
Susanne Borée
Gott loben befreit
Der
Aufseher warf sie in das innerste Gefängnis. Um Mitternacht
aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen
hörten sie. Plötzlich aber geschah ein
großes Erdbeben, so dass die Grundmauern des
Gefängnisses wankten. Und es öffneten sich alle
Türen und von allen fielen die Fesseln ab. Als aber der
Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen
offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten;
denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber
rief laut: „Tu dir nichts an; denn wir sind alle
hier!“ Da führte der Aufseher Paulus und Silas
heraus und sprach: „Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich
gerettet werde?“ Sie sprachen: „Glaube an den Herrn
Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“ Und er
ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen und
führte sie in sein Haus und freute sich mit seinem ganzen
Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.
Aus
Apostelgeschichte 16,23–24
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Ungewohnte Bilder in einem afrikanischen Gefägnis: eine
Anwältin und ein zum Lob Gottes auffordernder Christus. Beide
können befreien.
Foto: KNA
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Dietrich Bonhoeffer
erlebte es aus eigener Erfahrung als Gefangener des Nazi-Regimes in
Berlin-Tegel: Wenn nachts die Sirenen ertönten, weil sich die
alliierten Bombengeschwader Berlin näherten und
schließlich die Einschläge immer näher an
das Gefängnis heranrückten, dann lagen selbst die
hartgesottensten Spötter und Atheisten auf ihren Knien und
flehten zu Gott, dass doch das Gefängnis vom Bombenhagel
verschont bliebe. Sobald aber Entwarnung gegeben war, dankten sie weder
Gott noch zeigten sie sonst eine religiöse Regung. Wie bei
vielen Menschen – und vielleicht auch bei uns – war
Gott nur ein religiöser Notnagel, an dem man seine Sorgen und
Ängste aufhängen konnte. Ja, Bittgebete stehen hoch
im Kurs. Wie aber auch Luther bemerkte, ist Danken keine menschliche
Stärke. Schon bei Jesus kam von den zehn geheilten
Aussätzigen nur einer zurück, um sich bei ihm
für die Heilung zu bedanken.
Dabei sollte Lob
und Dank zu den Grundcharakteristiken eines Christen, ja eines Menschen
überhaupt gehören. Wer lobt und dankt ist freudig
gestimmt. Und wie uns Mediziner versichern, trägt eine
freudige Grundstimmung zum Wohlbefinden eines Menschen bei.
Wenn wir Paulus und
Silas im Gefängnis betrachten, so hätten sie nach
öffentlicher Auspeitschung und Demütigung keinen
Grund gehabt, Gott zu loben und zu preisen. Doch Tränen und
Jubel gehen oft miteinander einher. Auch bei Paulus und Silas war es
nicht anders, als sie um Mitternacht beteten und Loblieder sangen. Sie
konnten es einfach nicht glauben, dass Gott sie so hängen
lassen würde. In der Tat merkten die Verwaltungsbeamten in
Philippi sehr bald, dass sie sich an Paulus und Silas vergriffen
hatten, und ließen sie frei.
Zuvor aber
ereignete sich noch Wunderbares. Der mitternächtliche
Lobgesang wird zu einem Erdbeben, das alle normalen
Verhältnisse und Maßstäbe
durcheinanderwirft. Der Kerkermeister, der das Schicksal seiner
Gefangenen in den Händen hatte, wird nun selbst der, der um
sein Schicksal bangt und Paulus und Silas zitternd fragt:
„Liebe Herren, was muss ich tun, um gerettet zu
werden?“ Er hatte keine um Gnade und Haftverschonung
winselnden Gefangenen vor sich, sondern zwei Menschen, die wussten,
dass sie in Gott geborgen sind, komme was will! Dies
erschütterte sein Selbstverständnis so sehr, dass er
bemerkte: Hinter ihnen muss eine Kraft stehen, die Ruhe, Gelassenheit
und Zuversicht bringt. Dieser Kraft, dem lebendigen Gott, vertraute er
sich und alle in seinem Haus an.
Die damalige
römische Zivilisation war, ähnlich wie unsere eigene,
zutiefst pessimistisch. Da passte ein von innen kommender Lobpreis so
gar nicht dazu. Er erstaunte ebenso wie auch das soziale Engagement der
frühen Christen. Ja, Gott loben und preisen verwundert nicht
nur, es steckt auch an. Wenn aber Menschen bemerken, dass in Christen
eine andere Lebensqualität steckt, werden sie nachdenklich und
oft auch von dieser Lebensqualität, dem befreienden Evangelium
überzeugt. Deshalb darf uns dieser Kantate-Sonntag wieder dazu
ermuntern, Gott zu loben und zu preisen, damit wir fröhliche
und Gott vertrauende Menschen bleiben und auch andere mit diesem
Gottvertrauen anstecken.
Professor Dr. Hans Schwarz
Lappersdorf
Gebet:
Herr, du bist der Gott, auf den wir uns in guten wie in schlechten
Tagen verlassen können. Amen.
Lied 289: Nun
lob, mein Seel
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