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"Leuchtende Flamme, sprudelnde Quelle"
Seelsorgeeinrichtung
für Seelsorger feierte ihren 60. Geburtstag
Einer
der Kurse für Pfarrer des Jahres 2006 im Pastoralkolleg in
Neuendettelsau heißt: „Leuchtende Flamme,
sprudelnde Quell: Lebendig bleiben im geistlichen Amt“
– und trifft damit schon ziemlich genau den Sinn dieser
Einrichtung.
Das
Pastoralkolleg lädt Pfarrerinnen und Pfarrer aus der
bayerischen Landeskirche, aber immer wieder auch ökumenische
Gäste, ein um innezuhalten. Jeder der Kurse steht unter einem
bestimmten Thema und dient so einerseits der inhaltlichen Fortbildung
für den Pfarrdienst, hat aber auch noch eine ganz andere
wesentliche Seite: Die einzelnen Teilnehmer stehen mit ihrer Person im
Mittelpunkt. So geht es einerseits in den Kursen auch um die Pflege
kollegialer Beziehungen, wobei nach Möglichkeit immer nur je
ein Pfarrer aus einem Dekanat da sein sollte. Andererseits geht es um
die Regeneration für Geist, Leib und Seele des einzelnen
Pfarrers. Seit nunmehr 60 Jahren bietet das Pastoralkolleg mit seinen
Kursen nun diese „Seelsorge für
Seelsorger“ an.
Gründung
nach Kriegsende
Gegründet
wurde die Einrichtung am 12. Februar 1946 durch einen
Beschluß der Landeskirche und auf Betreiben von
Georg Merz und damit ist sie älter als die benachbarte
Augustana Hochschule.
Am
Ende des 2. Weltkrieges begannen Theologen und Theologiestudenten in
den Gefangenenlagern der verschiedenen Länder, theologisch zu
arbeiten. Zum Teil gab es sogar richtige
Studiengänge und es wurden Prüfungen in Griechisch
und Hebräisch abgelegt. Als diese
„Theologen“ dann entlassen wurden und nach Bayern
zurückkehrten, wurden sie vom damaligen Landesbischof Hans
Meiser in Neuendettelsau begrüßt. Für die
Zurückgekehrten war nun eine besondere Form der
Zurüstung nötig. Durch die Erlebnisse der Kriegstage
waren viele in eine tiefe Lebenskrise geraten und von Grund auf
Erschüttert. Viele plagten zudem elementare Glaubenszweifel.
Um sie kümmerte sich Georg Merz, der aus der theologischen
Schule von Bethel stammte und Dekan in Würzburg war in eigenen
Seminaren ab dem Herbst 1945. Seither hat das
Pastoralkolleg nach den jeweiligen aktuellen
Bedürfnissen Pfarrer eingeladen und ihnen praktische Hilfen
für den Pfarramtsdienst vermittelt.
Heute
sind laut dem neuen Rektor Karl-Heinz Röhlin spirituelle
Themen ein Schwerpunkt der Kursangebote. „Ein ,Kloster auf
Zeit‘ wie es das Pastoralkolleg biete, könne den
Pfarrern und Pfarrerinnen helfen, ihre Einsamkeit zu
überwinden, sich ihrer Berufung zu vergewissern und die eigene
Berufsidentität zu stärken.“
√Darauf bezog er sich auch in seiner Antrittspredigt bei
seiner Einführung: „Stille vor Gott und das
Wahrnehmen der Heiligen Schrift sind die beiden Quellen, aus
denen Glaubensgewissheit geschöpft werden könne. Wer
weder ein geistiges noch ein geistliches Fundament hat, den treibt der
Zeitgeist. Der Zeitgeist sei für die Kirche jedoch immer ein
schlechter Ratgeber gewesen.“ Den besonderen Stellenwert und
Charakter der Einrichtung hob auch Oberkirchenrätin Dorothea
Greiner hervor: „In seinen Kursen für Pfarrerinnen
und Pfarrer gehe es nicht um fachspezifische Fortbildung,
sondern um Selbstvergewisserung im Glauben, Klärung der
Berufsidentität und christliche Spiritualität. Von
dem, was im ,Schutzraum Pastoralkolleg‘ gesagt werde,
dürfe und wolle die Kirchenleitung nichts erfahren. Dieser
Raum ist von dienstrechtlichem Zugriff befreit“,
erläuterte die Personalreferentin.
Laut
Studienleiterin Pfarrerin Karin Hüttel kommen inzwischen auch
immer mehr Pfarrerinnen zu den Fortbildungskursen und inzwischen gibt
es auch reine Frauenkurse. Es gibt sowohl viertägige Kurzkurse
als auch die Regelkurse, die 14-tägig sind. An Kurzkursen
dürfen Pfarrer jährlich teilnehmen, die Langkurse
sind alle fünf Jahre möglich. In der Regel
übernimmt die Landeskirche, bis auf einen kleinen Eigenbetrag,
die Kosten und hat den Studienleitern zugesichert, ohne finanzielle
Abstriche ihr Kursangebot fortsetzen zu können.
Für
Studienleiter Pfarrer Christian Eyselein sind in den gemeinsamen Tagen
besonders die Gespräche zwischen den Kollegen wichtig:
„Hier ist der Raum und die Zeit um mit den eigenen,
speziellen Problemen auf dem Land oder in der Stadt, in der
Diaspora oder den protestantischen Kerngebieten oder auch als
,Stellenteiler‘ besser fertig zu werden. Dazu ist es
notwendig , dass sich die Tage stark an den Personen ausrichten und
viel Zeit zum eigenen Gespräch bleibt, etwa durch eine lange
Mittagspause. Das Pastoralkolleg sehe ich als eine Wohltat
der Kirche für ihre Pfarrerinnen und Pfarrer
an!“
Manuela Noack
Glauben heißt: Über den Horizont
blicken
Darum
werden wir nicht müde: sondern wenn auch unser
äußerer Mensch verfällt, so wird doch der
innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsere Trübsal, die
zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle
Maßen gewichtige Herrlichkeit, die uns, die wir nicht sehen
auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist,
das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
2.
Korinther 4, 16–18
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In Zeiten von Glaubenszweifeln ist es wichtg, aus den Kraftquellen
Gottes zu schöpfen: Wort Gottes, Gemeinschaft, Heiliges
Abendmahl, Gebet und Lied können es dort wieder
blühen lassen, wo eine Durststrecke war. Solche
Quellen geben auch die Kraft über den Horizont zu
schauen.
Foto: Wodicka
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Ein Missionar
wollte das Wort „Glaube“ in die Sprache der Eingeborenen
übersetzen. Ein Einheimischer gab ihm dabei eine treffende
Übersetzungshilfe. Er sagte: „Glauben
heißt über den Horizont blicken.“
Zu diesem Blick
über den Horizont lädt der Apostel Paulus die
Christen in Korinth ein. Er blendet die notvolle Gegenwart nicht aus.
Paulus weiß, wovon er spricht. Im eigenen Leben hat er manche
Trübsal erfahren und manch dunkles Tal durchschreiten
müssen. Äußere Umstände machten
ihm das Leben schwer. Anfeindungen, Verleumdungen, Verfolgung, Folter,
aber auch eine chronische Krankheit zählten unter anderem
dazu. Paulus sieht das Leben nüchtern. Kräfte lassen
nach. Der äußere Mensch, der
Körper verfällt. Und trotzdem resigniert Paulus
nicht. Er bleibt nicht beim Blick auf das Vordergründige und
Vergängliche stehen. Er blickt über den Horizont.
Gottes erneuernde Kraft ist in seinem Leben wirksam. Der Blick auf das
Ewige hilft ihm bei der Bewältigung der schwierigen Gegenwart.
Dies bedeutet nicht Weltflucht und billige
Jenseitsvertröstung. Das Wissen um die Nähe des
gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus ist ihm gerade
auch in schweren Zeiten Hilfe und Stärkung. Jesus Christus ist
der Grund seiner Hoffnung. Der erneuernde Gottesgeist belebt
täglich neu wie ein frischer Trunk in der Wüste. So
kann er motiviert und ermutigt auch schwierige Situationen
durchstehen und die Aufgaben anpacken, die ihm gestellt sind.
Paulus geht seinen
Weg, oft angefochten und doch stets der Nähe seines Herrn
gewiss. Er bezeugt Jesus Christus als den Herrn der Welt und
lädt unbeirrt Menschen ein, Jesus nachzufolgen und ihm zu
vertrauen.
Die Worte des
Paulus können auch uns ermutigen. Gottes erneuernde und
verändernde Kraft ist heute genauso erlebbar und erfahrbar wie
damals. Auch wir kennen schwierige Zeit und schwere
Wegstrecken! Eine schwere Erkrankung, Verlusterfahrung,
Trennungsschmerz und vieles mehr kann lähmen und alle
Kräfte binden.
Solch schwierige
Situationen können auch in tiefe geistliche Krisen
führen. Aber gerade in Zeiten massiver Glaubenszweifel und auf
geistlichen Durststrecken ist es wichtig aus den Kraftquellen Gottes zu
schöpfen. Das Wort Gottes, das Heilige Abendmahl, ein Gebet,
ein Liedvers, die Gemeinschaft mit anderen Christen oder ein
seelsorgerliches Gespräch kann neue Kraft schenken. Zum
Blickwechsel sind wir eingeladen. Der Blick weg vom
Vordergründigen und Sichtbaren hin auf die unsichtbare und
ewige Welt Gottes kann müde Gewordene und Resignierende
stärken und ermutigen.
Das Ziel unseres
Lebens und Glaubens nicht zu vergessen, ist lebenswichtig.
Über den Horizont zu blicken und unserem treuen Herrn Jesus
Christus in allen Situationen zu vertrauen, ist auch für uns
überlebenswichtig. Dazu lade ich Sie ein. Denken Sie bitte
daran: Wir haben Ostern im Rücken und Gottes Zukunft vor uns.
Das ist Grund zur Freude und zum Lobpreis!
Michael Wehrwein,
Dekan in Lohr am Main
Gebet:
Herr Jesus Christus, du auferstandener, gegenwärtiger und
kommender Herr. Du kennst unser Leben mit
Seinen Höhen und Tiefen. Schenke uns gerade auch in schweren
Zeiten das feste Vertrauen in deine Liebe. Danke, dass du uns auch
heute deine erneuernde und verändernde Kraft spüren
lässt. Wir loben und preisen dich! Amen.
Lied 108: Mit
Freuden zart
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