Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Grüß Gott, willkommen auf den Internet-Seiten des Evangelischen Sonntagsblattes aus Bayern.
Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 18)

"Leuchtende Flamme, sprudelnde Quelle"

Seelsorgeeinrichtung für Seelsorger feierte ihren 60. Geburtstag

Evangelisches Sonntagsblatt
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(von oben): Das Team vom Pastoralkolleg bei der Einweihung der neuen Büroräume (von links): Annemarie Sparner, Pfarrer Karl-Heinz Röhlin, Pfarrerin Karin Hüttel, Beate Paul und Pfarrer Chrsitian Eyselein.
Karin Hüttel hängt bei der Einweihung ein schlichtes Holzkreuz an die Wand vom Gruppenraum mit der Bitte um den Segen Gottes für alle die in den neuen Räumen ein- und ausgehen.
Fotos: Noack 
 
   

Einer der Kurse für Pfarrer des Jahres 2006 im Pastoralkolleg in Neuendettelsau heißt: „Leuchtende Flamme, sprudelnde Quell: Lebendig bleiben im geistlichen Amt“ – und trifft damit schon ziemlich genau den Sinn dieser Einrichtung. 

Das Pastoralkolleg lädt Pfarrerinnen und Pfarrer aus der bayerischen Landeskirche, aber immer wieder auch ökumenische Gäste, ein um innezuhalten. Jeder der Kurse steht unter einem bestimmten Thema und dient so einerseits der inhaltlichen Fortbildung für den Pfarrdienst, hat aber auch noch eine ganz andere wesentliche Seite: Die einzelnen Teilnehmer stehen mit ihrer Person im Mittelpunkt. So geht es einerseits in den Kursen auch um die Pflege kollegialer Beziehungen, wobei nach Möglichkeit immer nur je ein Pfarrer aus einem Dekanat da sein sollte. Andererseits geht es um die Regeneration für Geist, Leib und Seele des einzelnen Pfarrers. Seit nunmehr 60 Jahren bietet das Pastoralkolleg mit seinen Kursen nun diese „Seelsorge für Seelsorger“ an.   

Gründung nach Kriegsende

Gegründet wurde die Einrichtung am 12. Februar 1946 durch einen Beschluß der Landeskirche und auf  Betreiben von Georg Merz und damit ist sie älter als die benachbarte Augustana Hochschule. 

Am Ende des 2. Weltkrieges begannen Theologen und Theologiestudenten in den Gefangenenlagern der verschiedenen Länder, theologisch zu arbeiten.  Zum Teil gab es sogar richtige Studiengänge und es wurden Prüfungen in Griechisch und Hebräisch abgelegt. Als diese „Theologen“ dann entlassen wurden und nach Bayern zurückkehrten, wurden sie vom damaligen Landesbischof Hans Meiser in Neuendettelsau begrüßt. Für die Zurückgekehrten war nun eine besondere Form der Zurüstung nötig. Durch die Erlebnisse der Kriegstage waren viele in eine tiefe Lebenskrise geraten und von Grund auf Erschüttert. Viele plagten zudem elementare Glaubenszweifel. Um sie kümmerte sich Georg Merz, der aus der theologischen Schule von Bethel stammte und Dekan in Würzburg war in eigenen Seminaren ab dem  Herbst 1945. Seither hat das Pastoralkolleg  nach den jeweiligen aktuellen Bedürfnissen Pfarrer eingeladen und ihnen praktische Hilfen für den Pfarramtsdienst vermittelt. 

Heute sind laut dem neuen Rektor Karl-Heinz Röhlin spirituelle Themen ein Schwerpunkt der Kursangebote. „Ein ,Kloster auf Zeit‘ wie es das Pastoralkolleg biete, könne den Pfarrern und Pfarrerinnen helfen, ihre Einsamkeit zu überwinden, sich ihrer Berufung zu vergewissern und die eigene Berufsidentität zu stärken.“ √Darauf bezog er sich auch in seiner Antrittspredigt bei seiner Einführung: „Stille vor Gott und das Wahrnehmen der Heiligen Schrift  sind die beiden Quellen, aus denen Glaubensgewissheit geschöpft werden könne. Wer weder ein geistiges noch ein geistliches Fundament hat, den treibt der Zeitgeist. Der Zeitgeist sei für die Kirche jedoch immer ein schlechter Ratgeber gewesen.“ Den besonderen Stellenwert und Charakter der Einrichtung hob auch Oberkirchenrätin Dorothea Greiner hervor: „In seinen Kursen für Pfarrerinnen und Pfarrer gehe  es nicht um fachspezifische Fortbildung, sondern um Selbstvergewisserung im Glauben, Klärung der Berufsidentität und christliche Spiritualität. Von dem, was im ,Schutzraum Pastoralkolleg‘ gesagt werde, dürfe und wolle die Kirchenleitung nichts erfahren. Dieser Raum ist von dienstrechtlichem Zugriff befreit“, erläuterte die Personalreferentin.

Laut Studienleiterin Pfarrerin Karin Hüttel kommen inzwischen auch immer mehr Pfarrerinnen zu den Fortbildungskursen und inzwischen gibt es auch reine Frauenkurse. Es gibt sowohl viertägige Kurzkurse als auch die Regelkurse, die 14-tägig sind. An Kurzkursen dürfen Pfarrer jährlich teilnehmen, die Langkurse sind alle fünf Jahre möglich. In der Regel übernimmt die Landeskirche, bis auf einen kleinen Eigenbetrag, die Kosten und hat den Studienleitern zugesichert, ohne finanzielle Abstriche ihr Kursangebot fortsetzen zu können. 

Für Studienleiter Pfarrer Christian Eyselein sind in den gemeinsamen Tagen besonders die Gespräche zwischen den Kollegen wichtig: „Hier ist der Raum und die Zeit um mit den eigenen, speziellen Problemen  auf dem Land oder in der Stadt, in der Diaspora oder den protestantischen Kerngebieten oder auch als ,Stellenteiler‘ besser fertig zu werden. Dazu ist es notwendig , dass sich die Tage stark an den Personen ausrichten und viel Zeit zum eigenen Gespräch bleibt, etwa durch eine lange Mittagspause.  Das Pastoralkolleg sehe ich als eine Wohltat der Kirche für ihre Pfarrerinnen und Pfarrer an!“   
    

Manuela Noack

 

Glauben heißt: Über den Horizont blicken

Darum werden wir nicht müde: sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, die uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
 

2. Korinther 4, 16–18


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In Zeiten von Glaubenszweifeln ist es wichtg, aus den Kraftquellen Gottes zu schöpfen: Wort Gottes, Gemeinschaft, Heiliges Abendmahl, Gebet und Lied können es dort wieder blühen lassen, wo eine Durststrecke war.  Solche Quellen geben auch die Kraft über den Horizont zu schauen.   
Foto: Wodicka
 
   

Ein Missionar wollte das Wort „Glaube“ in die Sprache der Eingeborenen übersetzen. Ein Einheimischer gab ihm dabei eine treffende Übersetzungshilfe. Er sagte: „Glauben heißt  über den Horizont blicken.“

Zu diesem Blick über den Horizont lädt der Apostel Paulus die Christen in Korinth ein. Er blendet die notvolle Gegenwart nicht aus. Paulus weiß, wovon er spricht. Im eigenen Leben hat er manche Trübsal erfahren und manch dunkles Tal durchschreiten müssen. Äußere Umstände machten ihm das Leben schwer. Anfeindungen, Verleumdungen, Verfolgung, Folter, aber auch eine chronische Krankheit zählten unter anderem dazu. Paulus sieht das Leben nüchtern. Kräfte lassen nach.  Der äußere Mensch, der Körper verfällt. Und trotzdem resigniert Paulus nicht. Er bleibt nicht beim Blick auf das Vordergründige und Vergängliche stehen. Er blickt über den Horizont. Gottes erneuernde Kraft ist in seinem Leben wirksam. Der Blick auf das Ewige hilft ihm bei der Bewältigung der schwierigen Gegenwart. Dies bedeutet nicht Weltflucht und billige Jenseitsvertröstung. Das Wissen um die Nähe des gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus ist ihm gerade auch in schweren Zeiten Hilfe und Stärkung. Jesus Christus ist der Grund seiner Hoffnung. Der erneuernde Gottesgeist belebt täglich neu wie ein frischer Trunk in der Wüste. So kann er motiviert und ermutigt auch schwierige Situationen
durchstehen und die Aufgaben anpacken, die ihm gestellt sind.

Paulus geht seinen Weg, oft angefochten und doch stets der Nähe seines Herrn gewiss. Er bezeugt Jesus Christus als den Herrn der Welt und lädt unbeirrt Menschen ein, Jesus nachzufolgen und ihm zu vertrauen.

Die Worte des Paulus können auch uns ermutigen. Gottes erneuernde und verändernde Kraft ist heute genauso erlebbar und erfahrbar wie damals. Auch wir kennen schwierige Zeit und schwere  Wegstrecken! Eine schwere Erkrankung, Verlusterfahrung, Trennungsschmerz und vieles mehr kann lähmen und alle Kräfte binden. 

Solch schwierige Situationen können auch in tiefe geistliche Krisen führen. Aber gerade in Zeiten massiver Glaubenszweifel und auf geistlichen Durststrecken ist es wichtig aus den Kraftquellen Gottes zu schöpfen. Das Wort Gottes, das Heilige Abendmahl, ein Gebet, ein Liedvers, die Gemeinschaft mit anderen Christen oder ein seelsorgerliches Gespräch kann neue Kraft schenken. Zum Blickwechsel sind wir eingeladen. Der Blick weg vom Vordergründigen und Sichtbaren hin auf die unsichtbare und ewige Welt Gottes kann müde Gewordene und Resignierende stärken und ermutigen.

Das Ziel unseres Lebens und Glaubens nicht zu vergessen, ist lebenswichtig. Über den Horizont zu blicken und unserem treuen Herrn Jesus Christus in allen Situationen zu vertrauen, ist auch für uns überlebenswichtig. Dazu lade ich Sie ein. Denken Sie bitte daran: Wir haben Ostern im Rücken und Gottes Zukunft vor uns. Das ist Grund zur Freude und zum Lobpreis!

Michael Wehrwein,
Dekan in Lohr am Main

Gebet: Herr Jesus Christus, du auferstandener, gegenwärtiger und kommender Herr. Du kennst unser Leben mit
Seinen Höhen und Tiefen. Schenke uns gerade auch in schweren Zeiten das feste Vertrauen in deine Liebe. Danke, dass du uns auch heute deine erneuernde und verändernde Kraft spüren lässt. Wir loben und preisen dich! Amen.

Lied 108: Mit Freuden zart

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