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Es gibt kaum noch Arbeit - packen wir sie an!
Kirchliche
Einrichtungen beraten bei Arbeitslosigkeit und bieten
Möglichkeiten sinnvollen Engagements
Es
gibt zu wenig Arbeit – es gibt zu viel zu tun. Die
Arbeitskämpfe der vergangenen Wochen und Monate machten
deutlich, wie sehr Arbeit zu einem umstrittenen Gut geworden ist.
„Die Veränderungen in der Arbeitswelt haben
mittlerweile alle Beschäftigten erreicht“ schreiben
der bayerische „Kirchliche Dienst in der
Arbeitswelt“ (KDA) und die bayerische
„Aktionsgemeinschaft für
Arbeitnehmerfragen“ (AfA) in einem gemeinsamen Aufruf. Sie
fahren fort: „Die vor 15 Jahren begonnene Umwälzung
betrifft alle Tätigkeiten und Branchen. Die fachlichen
Anforderungen werden höher und die zeitliche Verdichtung
steigt an, während die Sicherheit des Arbeitsplatzes immer
mehr gefährdet ist und die Entlohnung nicht mit der
Geldentwertung Schritt hält.“
Welche Rechte gibt
es?
Das
„Ökumenische Arbeitslosenzentrum
(ÖAZ)“ in Nürnberg hilft seit zwanzig
Jahren Ratsuchenden weiter. Seit der Einführung von Hartz IV
sieht Diplompädagoge Bernd Eckhardt, der zusammen mit seiner
Kollegin Martina Beckhäuser die Beratungen anbietet, bei den
zuständigen Behörden eine "Tendenz, zu wenig
zu geben“. Demgegenüber sei man mit
Rückforderungen schnell bei der Hand.
„Hartz
IV kann jetzt jeden von uns schnell treffen“, so Bernd
Eckardt. „Beim Verlust unserer Arbeit gibt es nur noch ein
Jahr Arbeitslosengeld. Dann brauchen wir unsere Ersparnisse auf, und
schon ist es geschehen. Was mache ich etwa mit meinem Klavier, wenn
dann die Behörden von mir verlangen, in eine billigere Wohnung
umzuziehen?“
Das Zentrum bietet regelmäßig Kurzberatungen von 15
Minuten ohne Termin sowie einstündige Treffen mit Anmeldung
an. Betroffene werden auf ihre Rechte und auf
Einspruchsmöglichkeiten hingewiesen. Neue Mietobergrenzen, ein
angebliches „Optimierungsgesetz“ – oft
tritt eine neue Bestimmung sofort in Kraft, sobald sie verabschiedet
wurde oder gilt sogar rückwirkend.
Im
Fichtelgebirge sieht es besonders düster aus: Viele
Arbeitslose und eine große Abwanderung prägen das
Bild dort. Engagierte Gemeindemitglieder aus Marktredwitz zusammen mit
Freiwilligen aus AfA und KDA lenkten kürzlich mit einem
Projekt die Aufmerksamkeit auf die Probleme der strukturschwachen
Region an der Grenze zu Tschechien. Sie fuhren mit einem zu einer
mobilen Kirche umgerüsteten Bauwagen bei der
Frühjahrssynode in Bad Alexandersbad vor. „Mehr als
1000 freiwillige Arbeitsstunden haben wir in den Umbau
investiert“, erklärt Karlheinz Seidel, der die
Initiative koordinierte. Die Gemeinde will mit dem Bauwagen ein Zeichen
setzen, um „ganz nahe bei den Menschen sein.“
„Und
was machst du jetzt so?“ Diese Frage fürchten viele
Arbeitslose besonders. Deswegen meiden sie häufig den Umgang
mit früheren Bekannten und Freunden –
„soziale Verelendung“ setzt ein. Die Kirchen haben
bereits 1997 in ihrem Sozialwort gefordert, einerseits Arbeit zu teilen
und andererseits den Arbeitsbegriff aus seiner ökonomistischen
Verengung herauszuführen. Denn Arbeit umfasse jede
„tätige Teilhabe am Gesellschaftsprozess“,
so der Tübinger Theologe Jürgen Moltmann. Dazu
gehören auch ehrenamtliche Tätigkeiten –
sie bieten den Engagierten Anerkennung und sind gesellschaftlich
wichtiger denn je.
Doch
hier gibt es eine fast unüberschaubare Fülle an
Angeboten. Welche Tätigkeiten passen zu den Interessenten am
besten? Ehrenamtsbörsen helfen weiter. Eine Initiative des
Ansbacher Seniorenbeirats berät zum Beispiel an zwei
Vormittagen in der Woche potentielle Ehrenamtliche, welche
Möglichkeiten eines Engagements es vor Ort gibt, um Senioren
zu helfen. „Wir haben eine Liste freiwilliger Helfer, die
dazu bereit sind, mit Alleinstehenden Spaziergänge zu machen
oder sie ins Theater zu begleiten“, erklärt Hans
Kuhn, der sich dort engagiert. Gerade erst seien zwei neue Helferinnen
dazu gekommen.
Was kann ich
für andere tun?
In
vielen bayerischen Städten finden sich solche Börsen.
Die Stadtmission in Nürnberg etwa bietet allein schon viele
Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements von der
Bahnhofsmission bis zur Telefonseelsorge. Friedrich Leinberger zum
Beispiel kümmert sich um Ehrenamtliche, die Inhaftierte und
Strafentlassene am Ort betreuen. Er bereitet sie in einem umfassenden
Grundkurs darauf vor.
„Warum
möchte ich das tun?“ Gewiss gibt es angenehmere
Aufgaben als freiwillig ins Gefängnis zu gehen. Diese Frage
ist fester Bestandteil des Vorbereitungskurses. Verantwortung
für andere, das Gefühl gebraucht zu werden oder eine
sinnvolle Beschäftigung mit Gleichgesinnten. Jeder kann nur
persönlich eine Antwort darauf geben.
Gerade
eben haben fünf Personen diesen Kurs absolviert. Unter ihnen
ist ein Frührentner und eine Rentnerin, die neue
Betätigungsfelder suchen. „In der Regel sind unsere
Interessenten älter und kommen aus solideren
Schichten“, gibt Friedrich Leinberger zu. Dies sei jedoch
keinesfalls eine Voraussetzung für ein Engagement. Auch
ehemalige Drogenabhängige könnten in der Arbeit
wichtige Akzente setzen. Wichtig ist Friedrich Leinberger jedoch eine
gewisse innere Stabilität im Leben.
Ehrenamtliche
leiten Gruppen für alleinstehende Gefangene, organisieren
Treffen der Inhaftierten mit ihren Partnern oder begleiten Gefangene
bei Freigängen. Es sind anspruchsvolle Aufgaben –
allerdings können Ehrenamtliche ihr Engagement schnell
aufgeben. „In regelmäßigen
Gesprächsgruppen arbeiten wir Enttäuschungen
auf“, erklärt Friedrich Leinberger. Auch kleine
Erfolge seien gute Resultate. Selbst wenn ein entlassener
Strafgefangener wieder rückfällig würde,
wäre er ohne eine engagierte Begleitung vielleicht gar nicht
so weit gekommen.
Eine
Konkurrenz zu hauptamtlichen Bewährungshelfern oder
Sozialpädagogen kann Friedrich Leinberger trotz knapper
werdender Kassen gerade im sozialen Bereich nicht ausmachen:
„Die Gefangenen wissen, das jemand aus freien
Stücken seine Zeit mit ihnen verbringt.“ Insofern
hätten ehrenamtliche Helfer einen „viel intensiveren
Zugang“ zu ihnen. Dies sei ein wesentlicher Faktor bei
Betreuung von Gefangenen – nicht nur die Zeit, die sie
mitbringen und die bei hauptamtlicher Betreuung oft fehlt.
Susanne
Borée
Christliches Ehrenamt: Die Herde Gottes weiden
Die
Ältesten unter euch ermahne ich: Weidet die Herde Gottes, die
euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern
freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um
schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht
als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der
Herde.
1. Petrus
5,1–4
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Es ist ein besonderes Ehrenamt die „Herde Gottes“
zu „weiden“. „Herde Gottes“ ist
dabei als Ehrentitel zu verstehen. Foto: Bek-Baier
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Ich will mich
nicht dabei aufhalten, zu fragen, wer von uns ein
„Ältester“ und deshalb von diesen Worten
des Apostels besonders betroffen ist. Ich denke, diese Zeilen gehen uns
alle an. Es ist erstaunlich, was der Apostel Menschen zutraut und
zumutet: „Weidet die Herde Gottes!“
Die Gemeinde als die Herde Gottes – das mag nicht jedem als
freundliches Bild und willkommener Titel erscheinen: Herde, Herdentier,
Herdentrieb, Leithammel – was uns da alles einfällt!
Ganz falsch! Wie in biblischen Zeiten die Herde Reichtum und Stolz
ihres Besitzers war, so sind wir, die Christengemeinde, Reichtum und
Stolz Gottes. Wir sind sein Eigentum, für das er alles tun
würde und alles getan hat. Nichts in der Gemeinde ist ihm
gleichgültig. So ist „Herde Gottes“ ein
ausgesprochener Ehrentitel. Und es ist unser gemeinsames Ehrenamt, die
„Herde Gottes“ zu
„weiden“.
Manchmal sprechen
wir davon, dass einer sich selbst weidet, zum Beispiel am
Ärger, an der Verlegenheit, am Missgeschick anderer. Solches
schadenfrohe „Sich-selbst-Weiden“ ist die
Perversion unseres von Gott gegebenen Ehrenamtes. Wir müssen
nicht uns selbst, sondern wir dürfen die Herde Gottes weiden,
sein kostbarstes Eigentum! Es ist ihm nicht zu gut und wir sind ihm
nicht zu gering dafür.
„Weiden“
ist nicht einfach das Herumtreiben der Herde. Weiden heißt,
die Herde zielbewusst dahin zu führen und dort zu lassen, wo
sie findet, was sie zum Leben braucht: Zum Weiden gehört der
Überblick und die Ortskenntnis und vor allem eine tief
reichende Kenntnis der Geschöpfe, die mir anvertraut sind. Der
ist noch lange kein guter Hirte, der Befriedigung daran findet, dass
die Schafe ihm hinterher laufen.
Deshalb
können wir die Herde Gottes nur weiden, wenn wir selbst
wissen, was wir zum Leben brauchen. Da gibt es viele
Bedürfnisse, die wir nicht gering schätzen werden:
nach Nahrung und Gesundheit, nach Bildung und Unterhaltung, nach
Gerechtigkeit und Freiheit, nach Liebe und Frieden. Überall
hier liegen sozusagen die Weidegründe des Lebens. All dies ist
auch gemeint, wenn es im Psalm vom guten Hirten heißt,
„er weidet mich auf grüner Aue“. Aber es
reicht noch nicht zum Leben, wenn wir all dies zur
Verfügung haben und konsumieren können.
Im Urlaub habe ich
einmal einem Jungen zugesehen, der am Ufer eines Flusses stand. Er
hatte das Steuergerät einer Funkfernsteuerung in der Hand, und
auf dem Wasser bewegte sich ein Modellschiff genau nach seinem
Kommando. Es zog Figuren, wich Hindernissen aus, näherte sich
dem Land, nahm wieder Kurs „auf See“ –
ganz wie der junge Kapitän am Ufer schaltete und waltete. Doch
dann geschah es: Zu großzügig bestimmte der
Steuermann den Weg des Schiffes. Auf einmal gehorchte es den
hilfreichen Anweisungen nicht mehr, nur noch der Strömung und
dem Wind. Bei dem Jungen gab es Tränen. Das Schiff war
verloren (wenigstens vorläufig).
Dieses kleine
Erlebnis kann verdeutlichen, was wir vor allem brauchen:
„Nähe“. Selbst wenn uns alle Lebensmittel,
die materiellen und die nichtmateriellen, zur Verfügung
stehen, ist unser Leben nicht vor Ziellosigkeit sicher und kann
verspielt werden, wenn wir nicht in der leitenden, sichernden,
wegweisenden Nähe Gottes bleiben. Das wohl vor allem bedeutet
„Weiden der Herde Gottes“: Sich miteinander immer
wieder der Nähe Gottes zu vergewissern und darauf zu achten,
dass unser Aktionsradius uns nicht über den Bannkreis Gottes
hinaus in allerlei Strömungen treibt.
Dr.
Dietrich Wünsch,
Dekan in Rothenburg ob der Tauber
Gebet:
Hirte deiner Schafe, der von keinem Schlafe etwas wissen mag,
deine Wundergüte stärkte mein Gemüte jeden
neuen Tag.Bleib Tag und Nacht für uns auf Wacht und lass uns
von deinen Scharen um und um bewahren!
nach einem
Abendlied von Benjamin Schmolck
Lied 594: Der Herr,
mein Hirte, führet mich
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