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Vom "Betläuten" und dem "Katzadreier"
Erinnerungen
einer fränkischen Messnersfamilie an 86 Jahre Messnerdienst
„Ich
war ein junges Mädchen und wir haben auf dem Feld
Getreidegarben gebunden“ erzählt Marianne
Spachmüller. „Miteinander fängt
die Glocke von der Kirche her an zu läuten. Meine Mutter hat
die Hände gefaltet und gebetet. Da wusste ich was
Gebetsläuten bedeutet.“ Das war 1956. Sie heiratete
später den Messner Matthias Spachmüller und wird noch
ungezählte Male selbst die Glocken läuten. Per Hand
versteht sich.
Spachmüller
ist Enkel von Matthias Engelhardt, der wiederum erster Messner von
Kammerstein (Dekanat Schwabach) war. Engelhardt wurde 1920 der erste
amtliche Messner. Es war eine neue Zeit angebrochen, die der Weimarer
Republik, und damit auch eine neue Zeit der Kirchenverfassung und der
Trennung von Kirche und Staat. Zuvor waren die Dorflehrer für
die „Kirchnerdienste“ zuständig gewesen.
Seit 1919 waren die Lehrer nun keine Angestellten der Kirche
mehr.
Engelhardt
war gleichzeitig Messner und Totengräber. Sein Jahresgehalt
betrug 1923 unglaubliche 100.000 Mark und einen halben Zentner Korn.
Auch wenn das viel klingt, war es das nicht: es herrschte die
Inflation. Dem Pfarramt ist ein Schreiben von 1923 erhalten, in dem der
Messner um eine Abfindung bittet, da er seinen Lohn noch nicht erhalten
hatte. Ein Jahr später – die Inflation war
vorüber – erbat er 150 Mark und „wird
für alles sorgen, wie Putzlappen, Besen, Seife und sonstige
Reinigungsmittel.“ Nach dem Krieg,1945, beging Messner
Engelhardt sein 25-Jähriges Dienstjubiläum und bekam
als zusätzliche Vergütung 25 Reichsmark ausbezahlt.
Sein Enkel Matthias Spachmüller, genannt Matthes, half seit
frühester Jugend mit. Offiziell übernahm er aber erst
1957 den Messner- und Totengräberdienst.
Die
Bezahlung für die Dienste als Totengräber erfolgte
früher direkt von den Angehörigen des Verstorbenen.
„Die Menschen waren alle sehr arm“, erinnert sich
Marianne Spachmüller. „Umsonst kann ich
dir’s nicht machen, gibst mir halt ein paar
Mark“, habe „Opa“ Engelhardt dann gesagt.
„Er war eine Seele von Mensch!“ Meistens gab es
dann die Bezahlung in Naturalien. Bei der Taufe gaben die
Leute ebenfalls ein Trinkgeld an den Messner: „Der
Katzadreier gehört aber diesmal mir“, habe die
„Oma“ Engelhardt dann zu ihrem Mann gesagt, weil
schließlich sie das Taufbecherchen habe reinigen
müssen. Wieso die Messners-Gabe zur Taufe
„Katzadreier“ geheißen habe, wissen
die Spachmüllers nicht mehr. Vielleicht
käme das Wort von „Kerze“ und
„drei Pfennig“, vermuten sie. Man habe
das nicht verlangt, das Trinkgeld hätten aber die Leute
selbstverständlich vorbei gebracht.
Überhaupt
wäre früher schöner gewesen, dass die
Menschen persönlich zu den Messnersleuten gekommen
wären. Sie hätten dann Taufen, Hochzeiten oder
Beerdigungen von sich aus angemeldet. Auch wenn ein Grab ausgehoben
wurde, hätten die Angehörigen des Nachbargrabes wie
selbstverständlich die Blumen abgeräumt, damit Platz
für den Aushub war. Heute würden sich die Leute auch
öfter beschweren als früher, wenn etwa ein
Sargträger bei einer Beerdigung in ein benachbartes Grabbeet
habe steigen müssen.
Ansonsten
trauern die Spachmüllers den Anforderungen früher
Zeiten an ihren Beruf nicht nach: „Das Schlimmste war das
Uhraufziehen“, klagt Marianne Spachmüller.
„Da hat man unten das Läuten angefangen und an den
Glockenseilen gezogen, dann ist man die erste Treppe hinaufgestiegen
und hat wieder gezogen.“ Und so weiter bis man im 3. Stock
des Kirchturmes war, erinnert sich Matthes Spachmüller. Wenn
man zu fest gezogen habe, sei das Gestänge der Turmuhren
herausgesprungen. Oben angekommen galt es mit einem
„Dreher“ (Kurbel) die Uhr mit den schweren mit Sand
gefüllten Gewichten aufzuziehen. „Und
wenns du das vergessen hast, dann sind die Gewicht ganz naufgrumpelt,
und ham die Uhr rausghaut!“, schildert der Messner die
damaligen Alltagsrisiken. Viermal am Tag musste jemand aus der
Messnersfamilie hinauf zur Kirche um die Glocken zu läuten: um
Sechs, um Elf, um Zwölf und das Betläuten um Sieben.
Das wäre manchmal schon eine „Plagerei“
gewesen“, sagt Marianne Spachmüller.
„Das
war mein schönster Tag, als das elektrische Läutwerk
und die elektrische Uhr kam“, freut sich die Messnerin noch
heute. Das war genau vor 35 Jahren, an Ostern 1971. Inzwischen werden
Turmuhr, Geläut und Heizung per Computer und Funkuhr gesteuert.
Martin Bek-Baier
Heraus aus den Gräbern des Lebens
Mit ihm
seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch
auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt
hat von den Toten. Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr
tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures
Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
Kolosser
2,12–13
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Von dem, was bei der Taufe geschieht, leben wir jeden Tag und
schöpfen Kraft für unsere Existenz. Christen in
Afrika haben diese Botschaft sehr
verinnerlicht.
Foto: epd
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Einer unserer
Söhne suchte das besondere Afrika-Abenteuer. Auf seiner
Rundreise buchte er auch eine Rafting-Tour durch die Schluchten des
Sambesi. Jeder bekam eine Schwimmweste und die nötigsten
Sicherheitsregeln verpasst. Eine Attraktion für
Touristen. So gefährlich konnte es nicht werden.
Mit Geschrei ging
es durch die erste Stromschnelle. Nasser konnte man kaum werden. Was
soll’s? Der zweiten Stromschnelle trotzte man mutig auf dem
Bootsrand sitzend. Und schon lag der erste im Wasser. Der Strudel zog
ihn nach unten. Jan hielt die Luft an und wartete, dass ihn die
Schwimmweste nach oben heben würde. Aber der Sog des
Wasserstrudels war stärker. Die Luft wurde knapp. Nach etwa
ein bis zwei Minuten konnte er nicht mehr. Er öffnete den Mund
und überließ sich dem Wasser. Ein Gedanke an zu
Hause, Jan schloss mit dem Leben ab. Als er wieder aufwachte, lag er am
Ufer. Die Wiederbelebungsbemühungen hatten Erfolg. Gott sei
Dank. Das Leben hatte ihn wieder.
Im Vergleich zu den
Fluten des Sambesi war das Wasser der Taufe harmlos. Man
spürte ihm nichts von der Dramatik ab, dass „ihr
durch die Taufe begraben worden seid in den Tod und auferstanden aus
der Kraft Gottes, der von den Toten erweckt“. Aber die
Dramatik des Sterbens hatte Christus tatsächlich erlitten bis
zum Tod. Jan konnte jetzt nach seinem Flussabenteuer von dieser
Dramatik etwas erahnen.
Das Wasser der
Taufe spricht den Glauben zu: Mit dem Sterben Jesu am Kreuz ist alles
mit in den Tod gerissen, was uns anklagt und als Schuld uns anhaftet.
Mit seiner Auferweckung aus dem Tod „seid auch ihr
auferstanden“ zu einem neuen Leben im Glauben an Gott,
„der von den Toten auferweckt und Sünden
vergibt“. An diesem rettenden Taufgeschehen kann ich mich
freuen und das Fest des Lebens feiern „wie
neugeboren“. Taufe – das ist ein
persönliches Ostern, das der Sonntag
„Quasimodogeniti“ („wie die neugeborenen
Kinder“) erinnert und vergewissert.
Und wenn jenes
Sambesi-Abenteuer negativ ausgegangen wäre? Wir Eltern
wären in eine tiefe Verzweiflung gestürzt. Die Worte
des Glaubens, die ich hier geschrieben habe, wären mir in
dieser Weise kaum so leicht über die Lippen gegangen. Ein
anderer hätte mich an der Hand nehmen und es mir zusagen
müssen: „Durch die Taufe seid ihr mit Christus nicht
nur begraben, sondern aus der Kraft Gottes auch auferweckt von den
Toten zum Leben in seiner Ewigkeit.“
Das will ich mir
gesagt sein lassen, glauben und täglich neu einprägen
mit jedem Vaterunser, das ich bete. Täglich aus der Taufe
leben und sie feiern – davon erzählte mir eine
Kollegin von ihrer Afrikareise nach Tansania:
Sie fuhren mit dem
Gemeindebus über Land. Wie es dort üblich ist, sangen
die Afrikaner während der ganzen Fahrt fröhliche
Lieder mit rhythmischem Klatschen. Plötzlich brachen sie
mitten im Lied ab und stimmten ein neues, ganz anderes Lied an. Das war
so auffallend, dass die Kollegin fragte, was das bedeute. Ein Afrikaner
erklärte: „Wir haben ein Tauflied angestimmt. Immer
wenn wir einen Fluss überqueren stimmen wir ein Tauflied
an.“ So erinnern Afrikaner mitten im Alltag ihre Taufe. Wie
sie, so will auch ich den Glauben vergewissern: Was damals bei unserer
Taufe geschah, davon leben wir jeden Tag und schöpfen daraus
Kraft für unser Leben.
Wilfried
Beyhl,
Regionalbischof, Bayreuth
Gebet:
Barmherziger, Leben schaffender Gott, du hast deinen Sohn Jesus
Christus aus den Toten auferweckt zu neuem Leben. In der Taufe gibst du
uns Anteil an dieser Lebensrettung. Dafür danken wir dir.
Präge uns diesen Glauben ein, dass wir aus deiner Kraft in
einem neuen Leben wandeln durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.
Lied 200: Ich bin
getauft auf deinen Namen
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