Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
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Hier lesen Sie das Thema der Woche, das sich auf der Seite 3 der aktuellen Sonntagsblatt-Ausgabe befindet, und die wöchentliche Andacht. (Heft 15)

"Und wenn's mer noch so lumberd geht"

Eine Heilungserfahrung: Von Höhen und Tiefen und der Kunst, niemals aufzugeben

Evangelisches Sonntagsblatt
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Bild oben: Rudolf Markert schafft es in seinen Lesungen, zwischen ernsten und heiteren Textpassagen zu wechseln, und nimmt die Zuhörer mit hinein in eine bewegte Lebensgeschichte.
Bild unten: Werner Rösch (links) und Rudof Markert planen die Fortsetzung des Buches.   
Fotos: Noack
 
   

Die Erkenntnis aus all meinen erfahrenen Höhen und Tiefen ist, dass die schwerste und nachhaltigste Übung eines Individuums daraus besteht, Liebe und Verzeihung allen Menschen gegenüber zu vermitteln. Das bringt Frieden und Freiheit.“ Mit diesen wenigen Worten bringt Rudolf Markert sein bewegtes und bewegendes Leben auf den Punkt.

Osterwochenende 1945

Sein Freund Werner Rösch beschreibt Markerts Leben so: „Er hat die Höhen und Tiefen seines Lebens mit Bravour gemeistert und dabei niemals seinen Humor verloren.“ Seine Erlebnisse und Erfahrungen hat er in einem Buch festgehalten, und er gibt sie auch bei Lesungen weiter. Rudolf Markert wurde 1930 in Rothenburg geboren und gehört damit einer Generation an, die bereits in den ersten Lebensjahren durch den 2. Weltkrieg gezwungen wurde, Leid und Trauer zu erfahren. Zu seinen sinnbildlichen Erfahrungen gehörte die Bombadierung Rothenburgs in den letzten Kriegstagen am Osterwochenende 1945. Rudolf Markert hat auch diese Erlebnisse in seinem Buch mit folgenden Worten zusammengefasst: „Am Vortage, also am Karfreitag, ging man, dem alten Brauch entsprechend, schwarz oder dunkel gekleidet zur Andacht in die Kirche. Die Sonne kam hervor und erhellte für kurze Zeit die finsteren, verzweifelten Gesichter der in die Kirche strömenden Menschen. Viele hatten wieder beten gelernt und suchten verzweifelt einen Halt! Manche von ihnen hatten so etwas wie einen sechsten Sinn. Der laue Frühlingswind und die schleichende Vorahnung von Leid, Tod und Verderben.“ Am nächsten Morgen, am Karsamstag, brach das Unheil über Rothenburg mit der Bombadierung herein. 

Die größte Probe seines Lebens aber meistert Markert seit 1997: Mit 67 Jahren erhält er die vernichtende Diagnose „Prostatakrebs im fortgeschrittenem Stadium“. Angst, Verzweiflung, Wut, Trauer, Fragen – von einem Tag auf den anderen befand er sich vor dem Ende. „Mein Glaube an Gott – alle meine bisherigen Vorsätze – meine Lebensweise – meine Zukunft – meine Familie – alles unwiderruflich kaputt? Zu Ende? Es war mir ein Punkt in meinem Leben gesetzt!“ 

Mit Gewalt versuchte er in seiner Verzweiflung Ordnung und eine Linie in seine Gedanken zu bekommen. Er ging auf den Friedhof und überlegte sich, wo er einmal beerdigt werden sollte. Er betete an den Gräbern seiner Großeltern, seiner Mutter und Tante. Er stellte sich vor, dass sie ihm vielleicht von „drüben“ helfen konnten und wo sie gerade sein mochten. Und: er erinnerte sich an seinen Konfirmationsspruch und daran, dass er Gott daran erinnern sollte: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich eretten und du sollst mich preisen!“

Herrgott, hilf mir – aber jetzt

Für Rudolf Markert begann ein langer Leidensweg. Nach einer ersten Operation wurde er nach nur zweieinhalb Wochen aus der Klinik entlassen. Nach nur vier Tagen stellten sich schier unerträgliche Schmerzen ein, und am folgenden Morgen kam es zu einer Noteinlieferung auf die Intensivstation. Das Resultat: doppelseitige Lungenembolie, Rückenfellentzündung und drei Thrombosen. Die Diagnose des Chefarztes: „Herr Markert, wir haben alles Menschenmögliche getan. Wir können nun leider nichts mehr für Sie tun. Verstehen Sie das? Nur Sie allein können jetzt noch versuchen, sich zu helfen!“ Im Raum machte sich betretenes Schweigen breit, und Rudolf Markert erschien seine Situation aussichtslos. 

Nachdem etwa vierzehn Schwestern und Ärze um sein Bett standen, kam ihm eine Melodie in den Sinn: „Vierzehn Englein um mich stehn“. Unter Aufbietung seiner letzten Energie richtete er sich noch einmal auf, riss sich die Beatmungsmaske vom Gesicht und schrie so laut er konnte: „Herrgott hilf mir – aber jetzt!“ Die nächsten Minuten beschreibt Rudolf Markert so: „Die versammelten Ärzte und Schwestern schauten nach meinem Aufschrei wortlos und entsetzt. – Totenstille – Plötzlich – aus der linken Zimmerecke heraus enstand ein, einem Weihnachtsbaum ähnelnder, moosgrün beflockter Kegel. Aus diesem Flockengebilde schob sich eine überdimensional große rechte Hand. Sie schob sich unter meine Bettdecke. Sie fasste meine Kehle und drückte. So sollte also mein Ende aussehen! Nur schnell, dachte ich, wenn es schon sein muss! Da ließ die Hand von meiner Kehle ab und wanderte von meiner Brust zu meiner Operationswunde. Dann löste sie sich aus meinem Körper, kroch wieder zurück in das Kegelbilde, und dieser verschwand. Alles war wieder wie vorher. Es war wie ein Traum – und doch waren meine Sinne angespannt und registrierten hellwach diesen Vorgang. Da rief einer der Oberärzte: ‘Schaut, schaut, ich glaub, jetzt hat er’s geschafft!’ Voll Inbrunst rief ich: Herrgott, ich danke dir, mein Schöpfer!“

Tod und ewiges Leben

Nach allen Höhen und Tiefen seines Lebens steht für Rudolf Markert fest: Für ein Erkennen des Schöpfers aller Dinge ist unser derzeitiges Gehirn nicht ausgelegt. Das einzig Gültige für ihn ist eine unentwegte Liebe allem gegenüber. Erschaffen hat alles ein unendliches unserem Gehirn nicht ergründbares Wesen. Nur davor müssen sich alle Menschen beugen – und werden gebeugt durch ihren Tod. 

Rudolf Markert hat in seiner allergrößten Not erfahren: „In unserer Welt gibt es ein Etwas, das man mit dem Einsatz seines allergrößten seelischen Verlangens erlangt. Es entwickelt sich wie ein Druckknopf, dessen einen Teil wir haben, wobei uns das eine Stück aus dem Jenseits gereicht wird, um es zu einem Ganzen zusammenzufügen.“       

Buchtipp:
Die Lebensgeschichte von Rudolf Markert „Und wenn’s mer noch so lumbert gett“ ist im Buchhandel erhältlich unter  ISBN 3-927374-41-5 (168 Seiten, Euro 12.80).
 
Manuela Noack  


Die Auferstehung hat begonnen


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Hören vom Ziel

Leben ist Sterben,
Glück muss verderben.
Du weckst aus Scherben
Die Ewigkeit.
Herr, lass mich spüren:
Du willst mich führen
Durch dunkle Türen
Zu dir ins Licht.

Öffnet der Drachen
Den Todesrachen,
Schenkst du mir Lachen:
Dein ist der Sieg!
Herr, lass mich hoffen:
Dein Haus steht offen.
Wen du getroffen,
Den machst du heil.

Werner Thiede



Auferstehungsbild „Schmetterling“ von Kochana (Rothenburg o.d.T., 1997) aus der Wanderaustellung „Lebenskunst“.

 
     

Heraus aus den Gräbern des Lebens

Und Hanna betete und sprach: Mein Herz ist föhlich in dem Herrn, mein Haupt ist erhöht in dem Herrn. Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.

1. Samuel 2, 1a.6

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Die Natur verwandelt sich im Frühjahr. Innerlich jubelnd begrüßen wir die ersten Blumen. Christen auf der ganzen Welt feiern an Ostern, dass Christus aus dem Reich der Toten in ein verwandeltes Leben zurückgekehrt ist.     
Bild: Keim
 
   

„Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden – Halleluja!“ So grüßen sich Christen auf der ganzen Welt zu Ostern. Sie, wir, feiern, dass Christus aus dem Reich der Toten in ein verwandeltes, ein ewiges Leben zurückgekehrt ist. Gleichzeitig erwacht auch die Natur aus ihrem Winterschlaf und jubelnd begrüßen nicht nur die Kleinen die ersten Blümchen, die sich oft noch aus dem Schnee heraus den ersten Sonnenstrahlen entgegenrecken. Wo Dunkelheit, Verborgenheit, Tod herrschten, bricht neues Leben auf.

Auch im ersten Testament gibt es einen Osterruf: „Der Herr tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf!“ Hanna ruft ihn, betet ihn, als Dank für das, was ihr geschehen ist. Und was war das Wunderbares?  

Jahr für Jahr hat sie Gott um ein Kind angefleht, obwohl sie einen liebevollen Mann hatte, der ihr keine Vorwürfe machte. Sie fühlte sich unfruchtbar, abgestorben und musste viele Beleidigungen der kinderreichen Nebenfrau erdulden. Schließlich wird ihr inniges Gebet erhört und sie gebiert einen Sohn. Und diesen einen, erbetenen, geliebten Sohn bringt sie, als sie abgestillt hat, in den Tempel und weiht ihn Gott. Wie es einer Mutter dabei zumute ist, können viele von uns nachfühlen. Gerade die Kinder, die am meisten Tränen und Mühe gekostet haben, sind einem ja besonders ans Herz gewachsen. Sie bringt aber nicht nur das Kind in den Tempel, sie stimmt ein Loblied auf Gott an, als habe er ihr alles geschenkt, und nicht „alles“ genommen, wie wir vielleicht denken würden.

Sie besingt die Umwertung aller Werte, dass die Armen reich und die Demütigen herrschen werden. Nichts ist für immer so. Gott kann  die Welt plötzlich auf den Kopf stellen. Schließlich preist sie Gott dafür, dass er den Tod besiegt hat. Nicht, dass es ihn nicht mehr gäbe; „Gott tötet… und führt hinab zu den Toten“, aber Gott führt wieder aus der Tiefe heraus.

Sie meint wohl nicht so sehr den leiblichen Tod, mit dem nach der Überzeugung des Volkes Israel alles aus war, sie denkt an den Tod mitten im Leben, wenn man in den Augen der Mitmenschen nichts wert ist, wie sie es erfahren hatte, wenn man mit dem Leben abgeschlossen hat und nur noch resigniert, wenn man keine Aussichten und keine Hoffnungen mehr zu haben scheint. Gott, so sagt sie, führt einen manchmal bis an die Grenze des Lebens, aber er hat auch Macht über die Resignation, die Depression, das Unglück, das einen verzweifeln lässt. Wer sich an Gott hält, kommt auch nach bedrängender Dunkelheit wieder ans Tageslicht, wie die Blumen im Frühling. 

Hanna hat eine zutiefst dankbare Einstellung gegenüber Gott. Alles, was sie in ihrem Leben erfahren hat, hat Gott zu einem Geschenk werden lassen. So ungebrochen können wir das nicht mehr sagen, aber besinnen können wir uns darauf, wofür wir danken können in unserem Leben: Wie eine aussichtslose Situation sich schließlich doch aufgelöst hat, wie aus dem Schock über die Arbeitslosigkeit eine neue Sicht auf das Leben erwachsen ist, wie aus den einschneidenden Unfallfolgen Beziehungen entstanden sind, die das Leben ganz neu lebenswert gemacht haben.

„Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“ und reißt uns mit heraus aus unseren Lebensgräbern zu einem verwandelten Leben in seinem Licht.    


Heidi Schülke, 
Synodalpräsidentin, Coburg

Gebet: Guter Gott, reiße uns heraus aus unserer Mutlosigkeit und Trägheit, lass uns erkennen, dass du allein aus den Tiefen unseres Lebens herausführen kannst. Schenke uns die Osterfreude, dass wir von Herzen bekennen können: Er ist wahrhaftig auferstanden!  Amen.

Lied 66: Jesus ist kommen ... 

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