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"Und wenn's mer noch so lumberd geht"
Eine
Heilungserfahrung: Von Höhen und Tiefen und der Kunst, niemals
aufzugeben
Die
Erkenntnis aus all meinen erfahrenen Höhen und Tiefen ist,
dass die schwerste und nachhaltigste Übung eines Individuums
daraus besteht, Liebe und Verzeihung allen Menschen gegenüber
zu vermitteln. Das bringt Frieden und Freiheit.“ Mit diesen
wenigen Worten bringt Rudolf Markert sein bewegtes und bewegendes Leben
auf den Punkt.
Osterwochenende 1945
Sein
Freund Werner Rösch beschreibt Markerts Leben so:
„Er hat die Höhen und Tiefen seines Lebens mit
Bravour gemeistert und dabei niemals seinen Humor verloren.“
Seine Erlebnisse und Erfahrungen hat er in einem Buch festgehalten, und
er gibt sie auch bei Lesungen weiter. Rudolf Markert wurde 1930 in
Rothenburg geboren und gehört damit einer Generation an, die
bereits in den ersten Lebensjahren durch den 2. Weltkrieg gezwungen
wurde, Leid und Trauer zu erfahren. Zu seinen sinnbildlichen
Erfahrungen gehörte die Bombadierung Rothenburgs in den
letzten Kriegstagen am Osterwochenende 1945. Rudolf Markert hat auch
diese Erlebnisse in seinem Buch mit folgenden Worten zusammengefasst:
„Am Vortage, also am Karfreitag, ging man, dem alten Brauch
entsprechend, schwarz oder dunkel gekleidet zur Andacht in die Kirche.
Die Sonne kam hervor und erhellte für kurze Zeit die
finsteren, verzweifelten Gesichter der in die Kirche
strömenden Menschen. Viele hatten wieder beten gelernt und
suchten verzweifelt einen Halt! Manche von ihnen hatten so etwas wie
einen sechsten Sinn. Der laue Frühlingswind und die
schleichende Vorahnung von Leid, Tod und Verderben.“ Am
nächsten Morgen, am Karsamstag, brach das Unheil über
Rothenburg mit der Bombadierung herein.
Die
größte Probe seines Lebens aber meistert Markert
seit 1997: Mit 67 Jahren erhält er die vernichtende Diagnose
„Prostatakrebs im fortgeschrittenem Stadium“.
Angst, Verzweiflung, Wut, Trauer, Fragen – von einem Tag auf
den anderen befand er sich vor dem Ende. „Mein Glaube an Gott
– alle meine bisherigen Vorsätze – meine
Lebensweise – meine Zukunft – meine Familie
– alles unwiderruflich kaputt? Zu Ende? Es war mir ein Punkt
in meinem Leben gesetzt!“
Mit
Gewalt versuchte er in seiner Verzweiflung Ordnung und eine Linie in
seine Gedanken zu bekommen. Er ging auf den Friedhof und
überlegte sich, wo er einmal beerdigt werden sollte. Er betete
an den Gräbern seiner Großeltern, seiner Mutter und
Tante. Er stellte sich vor, dass sie ihm vielleicht von
„drüben“ helfen konnten und wo sie gerade
sein mochten. Und: er erinnerte sich an seinen Konfirmationsspruch und
daran, dass er Gott daran erinnern sollte: „Rufe mich an in
der Not, so will ich dich eretten und du sollst mich preisen!“
Herrgott, hilf mir
– aber jetzt
Für
Rudolf Markert begann ein langer Leidensweg. Nach einer ersten
Operation wurde er nach nur zweieinhalb Wochen aus der Klinik
entlassen. Nach nur vier Tagen stellten sich schier
unerträgliche Schmerzen ein, und am folgenden Morgen kam es zu
einer Noteinlieferung auf die Intensivstation. Das Resultat:
doppelseitige Lungenembolie, Rückenfellentzündung und
drei Thrombosen. Die Diagnose des Chefarztes: „Herr Markert,
wir haben alles Menschenmögliche getan. Wir können
nun leider nichts mehr für Sie tun. Verstehen Sie das? Nur Sie
allein können jetzt noch versuchen, sich zu helfen!“
Im Raum machte sich betretenes Schweigen breit, und Rudolf Markert
erschien seine Situation aussichtslos.
Nachdem
etwa vierzehn Schwestern und Ärze um sein Bett standen, kam
ihm eine Melodie in den Sinn: „Vierzehn Englein um mich
stehn“. Unter Aufbietung seiner letzten Energie richtete er
sich noch einmal auf, riss sich die Beatmungsmaske vom Gesicht und
schrie so laut er konnte: „Herrgott hilf mir – aber
jetzt!“ Die nächsten Minuten beschreibt Rudolf
Markert so: „Die versammelten Ärzte und Schwestern
schauten nach meinem Aufschrei wortlos und entsetzt. –
Totenstille – Plötzlich – aus der linken
Zimmerecke heraus enstand ein, einem Weihnachtsbaum ähnelnder,
moosgrün beflockter Kegel. Aus diesem Flockengebilde schob
sich eine überdimensional große rechte Hand. Sie
schob sich unter meine Bettdecke. Sie fasste meine Kehle und
drückte. So sollte also mein Ende aussehen! Nur schnell,
dachte ich, wenn es schon sein muss! Da ließ die Hand von
meiner Kehle ab und wanderte von meiner Brust zu meiner
Operationswunde. Dann löste sie sich aus meinem
Körper, kroch wieder zurück in das Kegelbilde, und
dieser verschwand. Alles war wieder wie vorher. Es war wie ein Traum
– und doch waren meine Sinne angespannt und registrierten
hellwach diesen Vorgang. Da rief einer der Oberärzte:
‘Schaut, schaut, ich glaub, jetzt hat er’s
geschafft!’ Voll Inbrunst rief ich: Herrgott, ich danke dir,
mein Schöpfer!“
Tod und ewiges Leben
Nach
allen Höhen und Tiefen seines Lebens steht für Rudolf
Markert fest: Für ein Erkennen des Schöpfers aller
Dinge ist unser derzeitiges Gehirn nicht ausgelegt. Das einzig
Gültige für ihn ist eine unentwegte Liebe allem
gegenüber. Erschaffen hat alles ein unendliches unserem Gehirn
nicht ergründbares Wesen. Nur davor müssen sich alle
Menschen beugen – und werden gebeugt durch ihren
Tod.
Rudolf
Markert hat in seiner allergrößten Not erfahren:
„In unserer Welt gibt es ein Etwas, das man mit dem Einsatz
seines allergrößten seelischen Verlangens erlangt.
Es entwickelt sich wie ein Druckknopf, dessen einen Teil wir haben,
wobei uns das eine Stück aus dem Jenseits gereicht wird, um es
zu einem Ganzen
zusammenzufügen.“
Buchtipp:
Die Lebensgeschichte von Rudolf Markert „Und wenn’s
mer noch so lumbert gett“ ist im Buchhandel
erhältlich unter ISBN 3-927374-41-5 (168 Seiten,
Euro 12.80).
Manuela Noack
Die Auferstehung hat begonnen
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Hören
vom Ziel
Leben ist Sterben,
Glück muss verderben.
Du weckst aus Scherben
Die Ewigkeit.
Herr, lass mich spüren:
Du willst mich führen
Durch dunkle Türen
Zu dir ins Licht.
Öffnet der Drachen
Den Todesrachen,
Schenkst du mir Lachen:
Dein ist der Sieg!
Herr, lass mich hoffen:
Dein Haus steht offen.
Wen du getroffen,
Den machst du heil.
Werner Thiede
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Auferstehungsbild „Schmetterling“ von Kochana
(Rothenburg
o.d.T., 1997) aus der Wanderaustellung
„Lebenskunst“.
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Heraus aus den Gräbern des Lebens
Und Hanna
betete und sprach: Mein Herz ist föhlich in dem Herrn, mein
Haupt ist erhöht in dem Herrn. Der Herr tötet und
macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf.
1.
Samuel 2, 1a.6
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Die Natur verwandelt sich im Frühjahr. Innerlich jubelnd
begrüßen wir die ersten Blumen. Christen auf der
ganzen Welt feiern an Ostern, dass Christus aus dem Reich der Toten in
ein verwandeltes Leben zurückgekehrt ist.
Bild: Keim
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„Der Herr
ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden –
Halleluja!“ So grüßen sich Christen auf
der ganzen Welt zu Ostern. Sie, wir, feiern, dass Christus aus dem
Reich der Toten in ein verwandeltes, ein ewiges Leben
zurückgekehrt ist. Gleichzeitig erwacht auch die Natur aus
ihrem Winterschlaf und jubelnd begrüßen nicht nur
die Kleinen die ersten Blümchen, die sich oft noch aus dem
Schnee heraus den ersten Sonnenstrahlen entgegenrecken. Wo Dunkelheit,
Verborgenheit, Tod herrschten, bricht neues Leben auf.
Auch im ersten
Testament gibt es einen Osterruf: „Der Herr tötet
und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder
herauf!“ Hanna ruft ihn, betet ihn, als Dank für
das, was ihr geschehen ist. Und was war das
Wunderbares?
Jahr für
Jahr hat sie Gott um ein Kind angefleht, obwohl sie einen liebevollen
Mann hatte, der ihr keine Vorwürfe machte. Sie fühlte
sich unfruchtbar, abgestorben und musste viele Beleidigungen der
kinderreichen Nebenfrau erdulden. Schließlich wird ihr
inniges Gebet erhört und sie gebiert einen Sohn. Und diesen
einen, erbetenen, geliebten Sohn bringt sie, als sie abgestillt hat, in
den Tempel und weiht ihn Gott. Wie es einer Mutter dabei zumute ist,
können viele von uns nachfühlen. Gerade die Kinder,
die am meisten Tränen und Mühe gekostet haben, sind
einem ja besonders ans Herz gewachsen. Sie bringt aber nicht nur das
Kind in den Tempel, sie stimmt ein Loblied auf Gott an, als habe er ihr
alles geschenkt, und nicht „alles“ genommen, wie
wir vielleicht denken würden.
Sie besingt die
Umwertung aller Werte, dass die Armen reich und die Demütigen
herrschen werden. Nichts ist für immer so. Gott kann
die Welt plötzlich auf den Kopf stellen. Schließlich
preist sie Gott dafür, dass er den Tod besiegt hat. Nicht,
dass es ihn nicht mehr gäbe; „Gott
tötet… und führt hinab zu den
Toten“, aber Gott führt wieder aus der Tiefe heraus.
Sie meint wohl
nicht so sehr den leiblichen Tod, mit dem nach der Überzeugung
des Volkes Israel alles aus war, sie denkt an den Tod mitten im Leben,
wenn man in den Augen der Mitmenschen nichts wert ist, wie sie es
erfahren hatte, wenn man mit dem Leben abgeschlossen hat und nur noch
resigniert, wenn man keine Aussichten und keine Hoffnungen mehr zu
haben scheint. Gott, so sagt sie, führt einen manchmal bis an
die Grenze des Lebens, aber er hat auch Macht über die
Resignation, die Depression, das Unglück, das einen
verzweifeln lässt. Wer sich an Gott hält, kommt auch
nach bedrängender Dunkelheit wieder ans Tageslicht, wie die
Blumen im Frühling.
Hanna hat eine
zutiefst dankbare Einstellung gegenüber Gott. Alles, was sie
in ihrem Leben erfahren hat, hat Gott zu einem Geschenk werden lassen.
So ungebrochen können wir das nicht mehr sagen, aber besinnen
können wir uns darauf, wofür wir danken
können in unserem Leben: Wie eine aussichtslose Situation sich
schließlich doch aufgelöst hat, wie aus dem Schock
über die Arbeitslosigkeit eine neue Sicht auf das Leben
erwachsen ist, wie aus den einschneidenden Unfallfolgen Beziehungen
entstanden sind, die das Leben ganz neu lebenswert gemacht haben.
„Der Herr
ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“
und reißt uns mit heraus aus unseren Lebensgräbern
zu einem verwandelten Leben in seinem Licht.
Heidi Schülke,
Synodalpräsidentin, Coburg
Gebet:
Guter Gott, reiße uns heraus aus unserer Mutlosigkeit und
Trägheit, lass uns erkennen, dass du allein aus den Tiefen
unseres Lebens herausführen kannst. Schenke uns die
Osterfreude, dass wir von Herzen bekennen können: Er ist
wahrhaftig auferstanden! Amen.
Lied
66: Jesus ist kommen ...
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